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Serie: Was Bremen fordert
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Kita-Gruppen sollen kleiner werden

Lisa-Maria Röhling 09.12.2018 0 Kommentare

Verdi fordert unter anderem kleinere Kita-Gruppen für Bremen.
Verdi fordert unter anderem kleinere Kita-Gruppen für Bremen. (Jens Büttner)

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat sich in Bremen mit ihren Forderungen an die Parteien für die kommende Bürgerschaftswahl breit aufgestellt. Von besseren Ausbildungsbedingungen bis hin zu Veränderungen im Kita-Betrieb hofft die Gewerkschaft auf grundlegende Veränderungen in der neuen Wahlperiode. Das sind die Kernforderungen der Gewerkschaft:

Ausbildung und Studium: Um Anreize für Ausbildungen in Bremen und Bremerhaven zu schaffen, müssen laut Verdi auch die Unternehmen in die Pflicht genommen werden. So sollen Firmen, die nicht genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, künftig in einen Ausbildungsfonds einzahlen. Passend dazu sticht das Thema Berufsschulen deutlich in mehreren Abschnitten des Forderungskatalogs der Gewerkschaft hervor: Vor allem in Bremerhaven sollen diese Lernorte gestärkt werden. „Das ist ein wichtiges Thema“, sagt Kornelia Knieper, stellvertretende Bezirksgeschäftsführerin von Verdi. Um eine Aufstockung der Lehrkräfte an Berufsschulen zu erreichen, müsse die Ausbildung an den Universitäten dringend besser gefördert werden. Auch in anderen Bereichen soll mehr in die Ausbildung investiert werden: Der Studiengang „Soziale Arbeit“ an der Hochschule benötige die doppelte Kapazität, erklärt Knieper. „Diese Fachkräfte werden dringend benötigt.“

Erfolgreiche Ausbildungen oder Weiterbildungen sind eng mit den Lehrkräften verknüpft – auch deshalb ist die Bezahlung von Lehr- und Hilfskräften zentral für die Gewerkschaft. Besonders an Volkshochschulen seien beispielsweise Honorarkräfte wichtig, um das Angebot überhaupt in der aktuellen Bandbreite gewährleisten zu können. Allerdings, so Knieper, reiche ihre Bezahlung oft kaum zur Existenzsicherung. „Die Situation ist desolat.“ Deswegen müsse der Etat für Weiterbildungseinrichtungen künftig deutlich erhöht werden. Ähnlich kritisch stehe es um die Bezahlung der studentischen Hilfskräfte: Je nach Vertrag bekämen viele von ihnen gerade einmal den Mindestlohn. „Wir fordern, dass die Vergabe öffentlicher Mittel und Förderungen mit tarifgerechtem Entgelt einhergeht“, betont Knieper.

Kitas: Verdi wünscht sich von der neuen Regierung ein Kita-Gesetz, in dem Rahmenbedingungen für die Gruppengrößen und die Betreuer pro Kind genau festgelegt sind: In der Krippe soll nach Verdi-Vorstellungen eine Fachkraft auf drei Kinder, in Kita und Hort eine Fachkraft auf acht Kinder kommen. Zudem müsse die Politik dafür sorgen, dass mit ausreichend Erziehern auch die Gruppen deutlich kleiner würden. Außerdem müsse die praxisintegrierte Ausbildung, genannt Pia, auf andere Bereiche wie die Heilerziehungspflege ausweitet werden. „Das ist ein sehr guter Ansatz“, so Knieper. 

Gesundheit und Pflege: Bessere Arbeitsbedingungen, bessere Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten, mehr Anerkennung für Pflegekräfte – so lassen sich die Kernforderungen von Verdi für die Pflege zusammenfassen. Gesetzliche Personalbemessungen, die sich nach den Bedürfnissen der Patienten richten, sollen deshalb laut der Gewerkschaft in der neuen Legislaturperiode in das Bremische Wohn- und Betreuungsgesetz aufgenommen werden. Das müsse mit Kontrollberichten für die Behörden einhergehen, um diese Ziele auch prüfbar zu machen. Außerdem fordert Verdi einen Pflegebeauftragten des Senats, der sich den Interessen der in der Pflege Beschäftigten annimmt.

Wirtschaft und Arbeitnehmer: „Der Industriestandort steht in Bremen im Mittelpunkt“, sagt Knieper. „Aber es gibt auch einen großen Dienstleistungssektor, der stärker gefördert werden muss.“ Deswegen sei ein Konzept notwendig, um diese Bereiche gezielt zu fördern. Dazu gehöre auch, dass das Land Bremen eine aktive Rolle beim Ausbau der hiesigen Start-up-Szene spielen müsse, beispielsweise indem auch den Absolventen der Fachhochschulen passende Perspektiven aufgezeigt würden. Ein infrastruktureller Faktor ist laut Knieper ebenso zentral: Der Glasfaserausbau sei gerade für diese Sektoren entscheidend. Trotzdem sollen Automatisierungs- und Digitalisierungsprozesse nicht dazu führen, dass die Mitarbeiter nebensächlich werden. „Der Mensch geht vor“, sagt Knieper. Zwar seien diese Prozesse besonders für die Gestaltung der Hafenindustrie wichtig – trotzdem müsse das mit Rücksichtnahme geschehen.

Obwohl Bremen gerade wegen der Hafenindustrie ein wichtiger Logistikstandort sei, fehlten Sozialeinrichtungen für Berufskraftfahrer. So gebe es beispielsweise zu wenige Toiletten und Duschen an Parkplätzen, Rastplätzen oder am Güterverkehrszentrum, sagt Knieper. „Das ist ein großes Problem.“ Auch da sei die Politik in der Pflicht, die Versorgung der Kraftfahrer deutlich auszubauen.

Auch in Sachen Frauenförderung fordert Verdi, dass die neue Regierung Unternehmen stärker als bisher in die Pflicht nimmt. Vor allem Unternehmen, die öffentliche Aufträge erhalten, sollten konkrete Maßnahmen nachweisen, „die die Schlechterstellung aufheben und die Gleichstellung von Frauen und Männern beim Arbeitsentgelt zur Folge haben“, so die zentrale Gewerkschaftsforderung. Für mehr Frauen in Führungspositionen stellt Verdi hohe Ansprüche: Bis spätestens 2021 sollen alle Aufsichtsräte und Vorstandspositionen in Bremen mit mindestens 50 Prozent Frauen besetzt sein.

Zur Sache

Was Bremen fordert

Am 26. Mai 2019 wählt Bremen eine neue Bürgerschaft – in weniger als sechs Monaten. Das nimmt der WESER-KURIER zum Anlass, in der Serie „Was Bremen fordert“ die verschiedenen Interessengemeinschaften des Landes zu Wort kommen zu lassen. Dort werden in unregelmäßigen Abständen ihre Anliegen und ihre Handlungswünsche vorgestellt, die sie an die Parteien im Wahlkampf und auch an die neue Landesregierung stellen.


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Zufriedenheit mit den Spitzenkandidaten