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Bremer CDU-Spitzenkandidat im Interview
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Meyer-Heder: „Ich bin ein Typ, der auch über sich lachen kann“

Christian Weth 20.03.2019 4 Kommentare

CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder sagt, dass im Rathaus viel entschieden, aber der Norden immer wieder vergessen wird.
CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder sagt, dass im Rathaus viel entschieden, aber der Norden immer wieder vergessen wird. (Maximilian von Lachner)

Carsten Meyer-wer? oder Carsten Meyer-Heder – was ist Ihnen lieber?

Carsten Meyer-Heder: Ich finde beides gut. Carsten Meyer-Heder kennt eben noch nicht jeder. Darum haben wir uns gesagt: Machen wir doch mal eine personalisierte Kampagne, um diesen Meyer-Heder vorzustellen – was ist das eigentlich für ein Typ, wo kommt er her, welche Haltung hat er?

Aber so neu ist Ihre Kandidatur doch gar nicht. Dass Sie Bürgermeister werden wollen, steht seit fast einem Jahr fest. Seitdem sind Sie medial präsent ...

Ich war immer Unternehmer und vorher nie in der Politik. In der Bremer IT-Branche kennt mich jeder, aber darüber hinaus bin ich noch nicht jedem bekannt.

Und? Was hat Ihnen die Kampagne Carsten Meyer-wer? bisher gebracht, um bekannter zu werden.

Ich bekomme viel positive Resonanz auf die Kampagne. Sie ist eben nicht bierernst gemeint. Das gefällt vielen offensichtlich. Zwei Tage nach dem Start hatten wir 5000 Zugriffe auf meine Internetseite.

Sind Sie ein Typ, der es locker nimmt?

Ich bin ein Typ, der auch über sich lachen kann.

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In welchen Stadtteilen kennt man Sie, in welchen nicht?

In Schwachhausen kennen mich die Menschen, genauso in der Überseestadt und im Viertel, weil ich dort eine Zeit lang gewohnt habe. Aber in Gröpelingen und Farge-Rekum bin ich sicher unbekannter. Darum werde ich in diese Stadt- und Ortsteile gehen, um mich vorzustellen. Schließlich kann es die CDU diesmal schaffen, die Regierung abzulösen. Zumindest den Prognosen nach.

Dabei geben Sie doch gar nichts auf Hochrechnungen. Haben Sie jedenfalls mal gesagt.

Man darf sich nicht auf ihnen ausruhen. Ganz außer Acht lassen, kann man sie nicht.

Wie oft waren Sie als CDU-Spitzenkandidat inzwischen im Bremer Norden?

Genau weiß ich das nicht, aber in den vergangenen Monaten bestimmt 20 bis 30 Mal.

Sie fordern mehr Lehrer, mehr Kitas, mehr Angebote für Bus- und Bahnfahrer – aber was wollen Sie eigentlich tun, damit sich der Bremer Norden als Teil der Stadt versteht?

Ich finde, Bremen-Nord muss mit seinen Potenzialen und Problemen ernster genommen, als es von der bisherigen Landesregierung ernst genommen wurde. Das ist unser klares Ziel.

Und mehr Ernst soll dabei helfen, dass Nordbremer nicht mehr sagen, sie fahren in die Stadt, wenn sie die City meinen?

Es gibt viele Grenzen in den Köpfen, nicht nur in Bremen-Nord. Wir werden versuchen, sie aufzubrechen, damit die Leute beginnen, so zu denken, wie wir denken: Alles gehört zusammen.

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Nordbremer sagen auch, dass Blumenthal, Burglesum und Vegesack abgehängt sind vom Rest der Stadt. Was sagen Sie?

Dass man diesen Eindruck durchaus gewinnen kann. Die Arbeitsplatzdichte ist geringer, die Stadtteilzentren veröden, die Nahversorgung wird schwieriger. Es wird viel im Rathaus entschieden und dabei immer wieder vergessen, den Norden zu entwickeln.

Und was ist mit dem Haven Höövt, das jetzt zu einem Quartier wird? Mit dem Lesum-Park, der wächst? Mit dem Areal der Bremer Woll-Kämmerei, das zum Schulcampus wird?

Dass mit dem Haven Höövt etwas passiert, ist überfällig. Nicht so gut finde ich, dass es dort bei der 25-Prozent-Quote für den sozialen Wohnungsbau bleiben soll. Ich halte die Quote für wichtig. Sie sollte aber flexibel sein. Sozialer Wohnungsbau macht dort Sinn, wo es ihn zu wenig gibt.

Und was ist mit dem Lesum-Park und dem Schulcampus?

Auch diese Projekte sind gute Projekte – wenn sie denn vorangehen. Beispiel Woll-Kämmerei-Gelände: Auf manchen Grundstücken, die für Firmen vorgesehen sind, wachsen mittlerweile Büsche und Bäume. Da muss Bremen besser werden.

Man könnte meinen, dass Sie das in allen Bereichen so sehen: Die CDU hat das Nord-Konzept und den Nord-Beauftragten in einer Schärfe kritisiert, die Beteiligte überrascht hat. Warum hat die Partei damit so lange gewartet?

Die Kritik am Nord-Beauftragten, was Schnelligkeit und Umsetzung angeht, ist nicht neu. Für mich steht in dem Konzept nichts Substanzielles – weder, welches Projekt wann kommt, noch, wie viel welches Projekt kostet. Für dreieinhalb Jahre Arbeit ist das zu wenig.

Und ein Nord-Senator, den die CDU fordert, hätte das schneller gekonnt als ein Nord-Beauftragter?

Einen separaten Nord-Senator wird es nicht geben.

Nicht? Aber warum hat denn Ihr Landeschef in einer Mitteilung geschrieben, dass die CDU nach einem Regierungswechsel einen Senator für Bremen-Nord will?

Von einem eigenen Ressort war nie die Rede. Es muss jemanden geben, der sich mehr als bisher um den Norden kümmert. Diese Stelle muss beim Senat verankert werden.

Das ist die des Nord-Beauftragten schon jetzt. Wo ist der Unterschied?

Der Unterschied ist, dass wir jemanden einsetzen wollen, der Entscheidungen treffen kann, der mehr Macht hat als ein Beauftragter. Darum soll diese Aufgabe im Geschäftsbereich eines Senators angesiedelt werden, damit auch die Verantwortung klar ist.

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Und bei welchem Senator?

Das kann auch im Rathaus beim Bürgermeister sein. Fest steht für uns erst einmal, dass ein Nord-Beauftragter, der nur den Ist-Zustand ermittelt, aber offensichtlich nichts umsetzen kann, zu wenig ist, um den Norden zu entwickeln. Der nicht reagieren kann, wenn zum Beispiel der Wirtschafts- und der Bausenator nicht miteinander sprechen, weil es Differenzen zwischen ihnen gibt.

Und wie soll ein Behördenchef, der für den Geschäftsbereich Bremen-Nord zuständig ist, dieses Problem lösen?

Das ist eine Frage, wie man den Senat zusammenstellt. Wenn es Behördenchefs gibt, die kein Team bilden, bewegt sich wenig in Bremen. Es gibt Möglichkeiten, solche Strukturen aufzubrechen. Denn Herausforderungen – auch die in Bremen-Nord – kann man nicht allein in einem Ressort lösen.

Welche Möglichkeiten gibt es denn – ein Behördenchef kann schließlich nicht einen anderen Behördenchef anweisen, etwas zu tun oder zu lassen?

Ich möchte, dass ressortübergreifend und zielorientiert gehandelt wird. Auch bei meinem Unternehmen gibt es viele Abteilungen, die für einen speziellen Bereich zuständig sind. Aber alle Bereiche arbeiten zusammen, damit ein Auftrag so gut und so schnell wie möglich erfüllt werden kann. Das geht auch in einer Verwaltung.

Das klingt danach, als wollten sie den Behördenapparat umbauen.

Ich bin auf jeden Fall fest davon überzeugt, dass wir die Zusammenarbeit der Ressorts verändern müssen.

Wann gibt es ein Programm, aus dem hervorgeht, was Sie zuerst verändern wollen und was später?

Rechtzeitig vor der Wahl werde ich ein 100-Tage-Programm vorlegen. Wir sind gerade dabei, es zusammenzustellen.

Und auf welchem Platz der Prioritätenliste wird der Norden stehen?

Ganz oben im Ranking werden weder ein Stadtgebiet noch ein Stadtteil stehen, sondern Aufgaben. Zum Beispiel Aufgaben im Bereich Bildung, Inneres und Verkehr. Und von der Umsetzung werden alle Gebiete der Stadt profitieren.

Während des CDU-Kreisparteitages in Vegesack waren manche Besucher skeptisch, wie Sie schaffen und finanzieren wollen, was Sie alles versprechen. Überrascht Sie das?

Ich denke, dass das verständlich ist. Wir müssen vieles angehen, weil die Landesregierung nun mal vieles nicht gemacht hat. Wir werden Prioritäten setzen. Neue Schulden werden wir aber nicht machen.

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Das klang auf dem Parteitag aber anders.

Bei meiner Rede hatte ich mich unpräzise ausgedrückt. Ich wollte deutlich machen, dass eine Regierung nicht einfach nichts tun darf. Dass sie, wenn beispielsweise kein Geld für neue Schulgebäude da ist, bei der Baufinanzierung auch mal über eine Zusammenarbeit mit Investoren von außen nachdenken muss, die eine Schule privat bauen.

Einer Ihrer Slogans lautet: ,Einfach machen, kann vieles einfach machen'. Das klingt für manche wiederum zu einfach. Was tun?

Der Slogan, ganz klar, ist plakativ. Er soll deutlich machen, dass gehandelt werden muss. Und dafür stehe ich. Ich trete an, weil ich will, dass sich in Bremen etwas bewegt. Weil ich denke, dass Bremen mehr verdient hat. Wenn ich in vier Jahren nichts auf den Weg gebracht habe, wird mir niemand sagen müssen, dass ich versagt habe. Das würde ich dann selbst tun.

Die Fragen stellte Christian Weth.

Zur Person

Carsten Meyer-Heder (57) ist der Spitzenkandidat der CDU für die Bürgerschaftswahl im Mai. Dass er sich um das Amt des Bürgermeister bewirbt, gab der Softwareentwickler und Chef der Internetagentur Team Neusta vor fast einem Jahr bekannt. Meyer-Heder wohnt in Walle, ist verheiratet und hat drei Kinder.


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