Beim Kutterpullen mischen jetzt auch die Damen kräftig mit / Vorbereitung für EM an der Schlachte Bugjungfern, Wesernixen und Wasservögel

Vegesack. Als Anke Krone ihrer Freundin Kerstin Schäfer erstmals von ihrer Passion, dem Kutterpullen, vorschwärmte, reagierte diese relativ entgeistert. "Was, ihr pult da Krabben auf einem Kutter, und das noch auf Zeit?" Schallend habe sie lachen müssen, erinnert sich Anke Krone.Inzwischen ist Kerstin Schäfer längst eines Besseren belehrt worden und seit vier Monaten selbst ein "vom Affen Kutterpullen gebissenenes" stolzes Mitglied der "Wesernixen".
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Von Alexander Bösch

Vegesack. Als Anke Krone ihrer Freundin Kerstin Schäfer erstmals von ihrer Passion, dem Kutterpullen, vorschwärmte, reagierte diese relativ entgeistert. "Was, ihr pult da Krabben auf einem Kutter, und das noch auf Zeit?" Schallend habe sie lachen müssen, erinnert sich Anke Krone.Inzwischen ist Kerstin Schäfer längst eines Besseren belehrt worden und seit vier Monaten selbst ein "vom Affen Kutterpullen gebissenenes" stolzes Mitglied der "Wesernixen".

Diesen Namen nämlich gab sich der bunt zusammengewürfelte Haufen aus elf Frauen, die in ihren lila und rosa Anzügen seit etwa einem Jahr die Weser und die Lesum unsicher machen. Größtenteils waren es zugegebenermaßen die schon seit Jahren als "Wasservögel" bekannten Männer, die ihre Frauen mit dem Virus des Kutterpullens infizierten, doch auch ein paar Neulinge wurden von ihren Freundinnen "angeschleppt".

Die Initialzündung, eine eigene Mannschaft der vor allem im Raum Bremen boomenden Wassersportart zu gründen, kam den künftigen "Wesernixen" erstmals bei einer Aufführung der Oper AIDA an der Bremer Seebühne, an der ihre Männer mitwirkten - wie Jo, Gaby, Biene, Gitta und die anderen Wasserratten beim Training auf der Lesum erzählen. "Wir sind alle ein bisschen durchgeknallt", erklärt Kirsten Baumgart und lacht. Auf dem gemeinsam genutzten Boot beider Mannschaften, dem "Vegevogel", ist heute mal wieder Training angesagt. "Riemen bei, Eins Zwoooo" ruft Steuermann Ralf Oppermann seinen Schützlingen zu, zu denen sich zur Unterstützung auch einige Herren der "Wasservögel" gesellt haben. Beherzt greifen die lila gekleideten Bugjungfern und Schlagleute an die Riemen und lehnen sich unter gemeinsamer Kraftanstrengung mit dem ganzen Körper zurück. Bei der Europameisterschaft an der Schlachte am nächsten Sonnabend will man zwar ein möglichst gutes Ergebnis vorweisen, von Ehrgeiz zerfressen sind

die Powerfrauen jedoch nicht.

Frauen machen es mit Technik wett

"Bei uns steht der Spaß an der Freude, der Zusammenhalt und die Bewegung an der frischen Luft an vorderster Stelle", betont Kirsten Schäfer. Nicht alle Freundinnen der sportlichen Bremerinnen haben Verständnis dafür, sich freiwillig den "Schindereien" zu stellen, die Ralf Oppermann seinen rudernden Schützlingen abverlangt. "Bei den Frauen läuft das weniger mit Muskelkraft, die machen das dafür mit der Technik wett", meint Rolf Oppermann, während er die "Vegevogel" mit der Pinne Richtung Grohner Yachthafen steuert und die Bewegungen seiner angestrengt rudernden "Wesernixen" kritisch beäugt. Seine beim Training mit männlichen Ruderern üblichen raubeinigen Kommentare a la "Wollt ihr das Wasser streicheln oder was?", mildert der von allen liebevoll "Oppi" oder "Neptun" genannte Einpeitscher bei der nautischen Damenwelt ein wenig ab.

"Auf dem Wasser muss ich mich ihm leider unterordnen, privat sind wir natürlich gleichberechtigt", gesteht seine Ehefrau mit gespieltem Zähneknirschen. André Baumgart, an diesem Tag mitfahrender "Wasservogel", dessen Frau Kirsten ebenfalls Mitglied der "Wassernixen" ist, gibt sich da etwas emanzipatorischer: "Ich gebe höchstens Tipps, wenn sie mich fragt, ansonsten halte ich mich tunlichst zurück". Doch zum Glück gehört die Devise "Was auf dem Kutter ist, bleibt auf dem Kutter" zum Ehrenkodex aller Puller - soll heißen: Man kann sich schon mal barsch anraunzen auf dem Wasser, hinterher aber sollte das vergessen sein und nicht persönlich genommen werden. "Das Wetter wird am Steg gemacht", lautet ein weiteres Motto der fröhlichen Wassersportlerinnen: Wenn die "Wesernixen" sich allwöchentlich Sonnabend morgen am Steg des Vegesacker Hafens treffen, wird erst unmittelbar vor Ort entschieden, ob bei zu starkem Regen das Training buchstäblich ins Wasser fällt. Ein Umstand freilich, der bei

den hartgesottenen Damen selten vorkommt - selbst bei einer kleinen Pause am Grohner Yachthafen bevorzugen es die abgehärteten Damen, trotz leichten Nieselregens draußen zu sitzen. Wirtin Birgit Zimpel bringt den Herren Alster oder Bier, die Damen bevorzugen Kakao mit einer doppelten Portion Baileys zur Stärkung. "Ich bin absoluter Fan der Mädels, trag sogar manchmal ein T-Shirt von ihnen, damit mich andere Leute auch für eine Wesernixe halten", gesteht die Gastronomin schmunzelnd.

Die diversen, teils aus der Marine stammenden Befehle wie "Warschau, Riemen"- Seebärenslang für "Wahrnehmen und Schauen!" - zu erlernen, könne man erst allmählich lernen, Learning by doing eben, betonen die "Nixen" einmütig. Spezielle Einstiegsrituale oder Tauglichkeitsprüfungen gebe es jedoch nicht für die Frauen,die auch privat manche Fete unsicher machen und einmal monatlich mit den Männern beim MTV Nautilus frühstücken.

"Wir sind alle durch und durch mit dem Wasser verbunden", erklärt Rudolf Lau und schwärmt von einem Rennen in Amsterdam . "Das Wasser der Weser ist so still, das beruhigt total", meint der passionierte "Wasservogel". Wie zum Protest lässt ein echter Wasservogel sein Schnattern erklingen. Bei soviel Liebe zum Wasser macht auf dem Rückweg auch die aufkommende Strömung nichts mehr aus.

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