Gewoba wird Immobilie umbauen

Bundeswehrhochhaus vor dem Verkauf

Erst Kreiswehrersatzamt, zuletzt Flüchtlingsunterkunft - nun soll das Bundeswehrhochhaus eine Perspektive als Wohnimmobilie bekommen. Der Weg für den Verkauf an die Gewoba ist frei.
28.06.2018, 20:18
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Bundeswehrhochhaus vor dem Verkauf
Von Jürgen Theiner
Bundeswehrhochhaus vor dem Verkauf

Vor fast fünf Jahrzehnten errichtete der Bund das Hochhaus an der Falkenstraße als Sitz des Kreiswehrersatzamtes Bremen.

Roland Scheitz

Dem Kauf des früheren Bundeswehrhochhauses durch das überwiegend städtische Wohnungsunternehmen Gewoba steht nichts mehr im Wege. Nach Informationen des WESER-KURIER haben sich das Finanzressort des Senats und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), die die Liegenschaften des Bundes betreut, auf einen Preis für das Objekt in der Bahnhofsvorstadt geeinigt.

Ein entsprechender Vertrag soll in der zweiten Jahreshälfte unterzeichnet werden. Im Anschluss könnte die Gewoba mit der Umgestaltung des 60 Meter hohen einstigen Behördensitzes an der Falkenstraße beginnen. Auf seinen 15 Geschossen wäre wohl für um die 100 Wohnungen Platz, darunter ein größerer Anteil mit Sozialbindung.

Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) begrüßt die Verständigung mit den Immobilienverwaltern des Bundes. „Wir brauchen mehr Wohnungen in Bremen, gerade auch für Menschen mit geringem Einkommen. Das Bundeswehrhochhaus mit seiner zentralen Lage ist dafür gut geeignet. Ich freue mich, dass das Geschäft bald zustande kommt.“

Hochhaus stammt aus dem Jahr 1969

Kaufen wird nicht die Stadt, sondern die Gewoba als städtisches Unternehmen. Sie nutzt damit ein Erstzugriffsrecht der Kommune. Die Gewoba ist mit über 40.000 eigenen und 15.000 verwalteten Wohnungen der wichtigste Akteur auf dem Immobilienmarkt der Hansestadt. Zuletzt ist sie in der Überseestadt wieder mit eigenen Neubauprojekten in Erscheinung getreten.

Das Bundeswehrhochhaus stammt aus dem Jahr 1969. Dort war bis 2007 das Kreiswehrersatzamt untergebracht, wo zu Zeiten der Wehrpflicht die Musterungen von Rekruten stattfanden. Bis 2014 nutzte noch der Zoll die Immobilie, danach stand sie kurze Zeit leer. Ab 2015 waren dort Flüchtlinge untergebracht.

Seitdem auch diese Nutzung im November vergangenen Jahres ausgelaufen ist, sind die gut 9000 Quadratmeter Nutzfläche verwaist. Für einen Umbau zum Wohnhochhaus wären vonseiten der Stadt keine großen planungsrechtlichen Klimmzüge nötig. Für den Bereich der Falkenstraße existiert nämlich bereits ein Bebauungsplan, der Wohnnutzung zulässt.

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Die Gewoba hält sich mit Auskünften zu dem Projekt derzeit noch zurück. Bevor ein konkretes Nutzungskonzept ausgearbeitet werden könne, müssten noch diverse Rahmenbedingungen geklärt werden, so Sprecherin Christine Dose auf Anfrage. Angaben zum Investitionsvolumen und Zeitplänen für die Umbauarbeiten seien deshalb zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.

Bei einer zweiten Bundesimmobilie, die ebenfalls als Wohnungsbaureserve in Betracht kommt, ist der Sachstand noch nicht so fortgeschritten wie beim Bundeswehrhochhaus. Die Rede ist von 2,5 Hektar der Scharnhorst-Kaserne in Huckelriede. Es handelt sich um ein Teilstück, das für die Unterbringung von Flüchtlingen aus der militärischen Nutzung herausgenommen wurde. Dort stehen noch diverse Container.

Für die 25.000 Quadratmeter in attraktiver Lage unweit des Werdersees liegt inzwischen ein Wertgutachten vor. Wie zu hören ist, haben sich Finanzressort und Bima aber noch nicht auf einen Preis verständigt. Gleichwohl strebt die Finanzbehörde auch hier den Abschluss eines Kaufvertrages bis zum Jahresende an. Als Käuferin der Immobilie kommen sowohl die Stadt als auch die Gewoba in Betracht.

"Eine interessante Fläche für Wohnbau"

Im Flächennutzungsplan der Stadtgemeinde Bremen ist das Areal der Scharnhorst-Kaserne bereits als Wohnbaufläche dargestellt. Allerdings wäre – anders als beim Bundeswehrhochhaus – für diesen Teil Huckelriedes ein neuer Bebauungsplan erforderlich. Ein Entwurf existiert bereits. Gemäß den Leitlinien des "Bündnis für Wohnen" ist geplant, bei einer Bebauung 25 Prozent des Wohnraums für Leute mit kleinem Geldbeutel zu errichten.

Für Bausenator Joachim Lohse (Grüne) stellt die Scharnhorst-Kaserne "eine weitere Entwicklungschance für die Neustadt und Huckelriede" dar. "Zusammen mit dem Cambrai-Dreieck und auch der Gartenstadt Werdersee ist das eine interessante Fläche für Wohnbau, was Bremen dringend benötigt", so Lohse gegenüber dem WESER-KURIER.

Keine vergleichbare Entwicklung zeichnet sich derzeit für das frühere Hauptzollamt in Walle ab. Dieses Gebäude mit rund 2500 Quadratmetern wird noch bis Ende nächsten Jahres für die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Ausländer genutzt. Wie aus der Finanzbehörde zu hören ist, wird dort derzeit nicht über einen Kauf nachgedacht.

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