Peterswerder Bunte Beete

Peterswerder. Die Grünen sind für Grünpoller. Auf dem Lucie-Flechtmann-Platz in der Neustadt zeigt die Initiative „Ab geht die Lucie“, wie bunt die Stadt sein kann.
31.08.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ina Schulze

Die Grünen sind für Grünpoller. Auf dem Lucie-Flechtmann-Platz in der Neustadt zeigt die Initiative „Ab geht die Lucie“, wie bunt die Stadt sein kann. Im Peterswerder gibt es schon seit Jahren Blühstreifen, doch in diesem Sommer sind sie besonderes schön. Spaziergänger kommen an der Hamburger Straße an farbenfrohen Beeten vorbei, haben Schlafmützchen, Kornblumen und Mohn bewundert, Clematis an den Zäunen und bienenfreundliche Beete zwischen Parkbuchten. Christine Fahrner von der Werbegemeinschaft Peterswerder freut sich über Stockrosen, die sich seit der Neugestaltung der Hamburger Straße auch wild vermehren.

Urban Gardening ist der Trend. Bremerinnen und Bremer nehmen es selbst in die Hand, wollen ihre Stadt verschönern, sie grüner machen. Manche werfen Samenbomben aus Erde, Ton und Samen auf öffentliches Grün, andere pflanzen einfach so drauf los. Das Beet vor dem Friseursalon Ubeo in der Hamburger Straße ist ein richtiger Hingucker. „Das sieht immer wunderhübsch aus und es tummeln sich viele Bienen drin“, sagt Christine Fahrner.

Verantwortlich für dieses Blumenmeer sind zum wiederholten Mal Miriam Engelhardt und Lisa Hardtke vom Friseursalon Ubeo. „Wir haben da Erde abgetragen und neuen Mutterboden aufgeschüttet, damit er auch wieder nähreicher ist“, sagt die 28-Jährige. Ein Landschaftsgärtner hatte den beiden dann eine Samenmischung mit dem Namen „Bienensommer“ zusammengestellt, mit Pflanzen, die von Mai bis September abwechselnd blühen.

Urban Gardening ist auch eine Frage der Lebenseinstellung. „Wir haben das gemacht, weil bedingt durch unser eigenes Leben, wir uns mit dem Thema Ökologie und Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Und Bienensterben ist allen bekannt. Gerade in der Stadt fehlt es einem an Grünflächen, wo sich die Insekten tummeln können, ohne das gleich jedes verfaulte Blatt weggeschnitten wird“, sagt Lisa Hardtke, die in der Neustadt wohnt.

Sie lassen vertrocknete Pflanzen bis zum nächsten Frühjahr stehen. „Wir achten darauf, dass man überall wo man die Umwelt schützen kann, dies auch tut“, sagt Lisa Hardtke, die sich auch ganz allgemein für die Entwicklung der Welt interessiert. „Wir finden, dass sich das alles gerade in eine falsche Richtung entwickelt“, sagt sie. „Und man muss was dafür tun, sich seine schöne Umwelt zu erhalten. Eben nicht mit Scheuklappen durch das Leben laufen, sondern auch was machen, um es zu ändern.“ So ein Beet anzulegen, bedeute keinen großen finanziellen Aufwand, und man habe eben sehr viel davon.

Der Umweltbetrieb Bremen hat im vergangenen Jahr Rahmenbedingungen für das freiwillige Engagement geschaffen. Gerade in Zeiten, da das Geld für die Pflege von öffentlichem Grün knapper wird, soll privates Engagement dabei helfen, die Stadt zu verschönern. „Denn auch wir wollen, dass Bremen weiter blüht“, schreibt Antje von Horn, Sprecherin des Umweltbetriebs Bremen und liegt da mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ganz auf einer Linie. Die blühende Wiese am Rembertiring ist nur ein Beispiel für „Bremen blüht auf“ (wir berichteten).

Für das freiwillige Engagement gibt es ein paar Vorgaben, damit ein Straßenzug sein Gesamtbild behält und die Verkehrssicherheit gewährleistet bleibt, auch während der eigentlichen Gartenarbeit. Wer sich als Stadtgärtner engagieren will, kann sich beim Umweltbetrieb Bremen melden. Dann werde ein sogenannter Gestattungsvertrag geschlossen, schreibt Antje von Horn. Wichtig sei, dass die Pflege dauerhaft laufe und auf die Sicherheit des Straßenverkehrs geachtet werde.

Sehr schön seien bodendeckende Stauden wie Storchschnabel, Beinwell und Waldsteinie, aus denen sich eine Solitärstaude oder ein kleines Gehölz als Blickfang erhebt, meint Antje von Horn . Als Solitäre eignen sich Beetrosen oder niedrig wachsende Gehölze wie der Spier- oder Fünffingerstrauch. Zum Schutz der Straßenbäume solle „die Pflanzung von hohen Sträuchern über 60 Zentimetern und Nadelgehölz vermieden werden“. Tief wurzelnde Pflanzen könnten den bereits bestehenden Straßenbäumen schaden, indem sie ihnen die Lebensgrundlage entziehen. Niedrige Pflanzen seien auch aus Gründen der Verkehrssicherheit und für die freie Sicht zu bevorzugen. Zäune im öffentlichen Raum sind wegen Verletzungsgefahr nicht gestattet, auch wenn sie Hunde und Katzen von den Beeten fern halten. Außerdem ist es bei Kanal-, Strom oder Telekommunikationsarbeiten und bei Arbeiten an Straßenbäumen wichtig, dass die Arbeiter nicht behindert werden. Wer die kontinuierliche Pflege nicht mehr übernehmen möchte oder kann, räumt sein Beet und informiert den Umweltbetrieb.

Auch bei der Pflege in Grünanlagen sei die Hilfe von Ehrenamtlichen bei bestimmten Aufgaben sehr willkommen, versichert die Sprecherin des Umweltbetriebs. Zum Beispiel bei pflegeintensiven Beeten, die sonst aus Kostengründen entfernt werden müssten. Auch hier werde zusammen mit dem zuständigen Bezirksmeister die Idee für privates Engagement geprüft. Ein positives Beispiel hierfür sei das Rosenbeet in den Neustadtswallanlagen an der Friedrich-Ebert-Straße. Seit 2014 engagiert sich eine private Initiative dafür, dass es weiterhin in der Neustadt blüht.

Weitere Informationen gibt es beim Umweltbetrieb Bremen www.umweltbetrieb-bremen.de

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