Indisches Holi-Festival in Lesum ist mit 120 Teilnehmern innerhalb kurzer Zeit ausverkauft

Bunter Puder auf der Haut

Lesum. Sie kommen in Weiß. Doch wenn sie wieder gehen, werden sie über und über mit Farbe besprenkelt sein.
21.05.2016, 00:00
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Von Ulrike Schumacher
Bunter Puder auf der Haut

Holi-Festivals werden in ganz Deutschland gefeiert – so bunt wie hier in Hamburg soll es aber in Lesum nicht zugehen.

BRITTA PEDERSEN, dpa

Sie kommen in Weiß. Doch wenn sie wieder gehen, werden sie über und über mit Farbe besprenkelt sein. Dann ist die Kleidung ein Fall für die Waschmaschine. Oder auch nicht. Er habe es schon erlebt, dass Gäste ihre bunt gefärbten Hemden, Kleider oder Hosen aufbewahren – als gutes Zeichen, sagt Rajesh Mishra, der das farbenfrohe Fest in Lesum initiiert.

Das indische Frühlingsfest steht für Sonntag, 29. Mai, auf dem Plan. Und schon jetzt werden keine Anmeldungen mehr angenommen. „120 Gäste haben maximal Platz im Garten des Kinderhauses in der Bördestraße, wo wir das Holi-Festival feiern wollen“, fügt der Lesumer Yoga-Lehrer hinzu. So viele Kinder und Erwachsene hätten sich bereits angemeldet.

Die indischen Holi-Farben-Festivals sind auch in unseren Gefilden ein Renner. Als im Februar ein solches Fest im Sozialzentrum Huchting gefeiert wurde, kamen 280 Besucher. Das weiß Monika Göckel. Die Nordbremerin ist im Zuge ihrer Ausbildung zur Yoga-Lehrerin auf den Verein Shaktya gestoßen, der nun in Lesum zu einem Fest einlädt. Rajesh Mishra ist der Vorsitzende. Rund 50 Mitglieder würden norddeutschlandweit die sozial, kulturell und spirituell geprägte Organisation unterstützen, berichtet er. „Der Verein strebt nach Weltfrieden und Menschlichkeit“, erzählt Monika Göckel.

Das farbenfrohe Frühlingsfest passt gut dazu. „Holi, das Frühlingsfest, ist eines der ältesten Feste Indiens“, erklärt die Yoga-Lehrerin. Es wird zu Ehren des hinduistischen Gottes Krishna gefeiert. „An diesem Tag scheinen alle Schranken durch Kasten, Geschlecht, Alter und gesellschaftlichen Status aufgehoben.“ Die Farbe symbolisiert – nach dem Motto „wir sind alle gleich, und alle sind wir gleich bunt“ – das verbindende Element. Einen Farbenrausch, wie es ihn in Indien und inzwischen auch bei riesigen Holi-Events in Deutschland gibt, wird man im Garten des Lesumer Kinderhauses aber nicht erleben, versichert der Vorsitzende. „Bei unserem Fest kommen höchstens zehn Prozent der sonst üblichen Farbmenge zum Einsatz.“

Die Farben seien zu hundert Prozent natürliches Pigment-Puder und gut verträglich. Wer aber zu Allergien neige, solle selbst entscheiden, ob er oder sie die Farben auftragen wolle, sagt Rajesh Mishra. Dass auf dem Gelände des Kinderhauses gelbe, grüne, rote, orange- und lilafarbene Nebelschwaden wabern, sei nicht geplant. Dezent, lautet eher die Devise für dieses Nordbremer Holi-Fest. Die Gäste, die nach Möglichkeit in weißer Kleidung kommen sollten, können das trockene Puder mit den Händen auf Gesicht, Armen und Kleidung auftragen. Das geschehe je nach Wunsch gegenseitig oder für sich selbst am eigenen Körper.

Das kunterbunte Äußere steht für einen tieferen Sinn. Vielleicht fühlen sich deshalb auch so viele Menschen davon angesprochen, vermutet Monika Göckel. „Es geht darum, ohne Grenzen zu sein.“ Außerdem hebe das farbenfrohe Miteinander die Stimmung. „Farbe ist der Ausdruck deiner Gefühle“, sagt die Nordbremerin. Damit lasse sich sehr viel sagen, ohne auch nur ein Wort zu verlieren. „Farbe ruft all die guten Gefühle hervor“, ist Rajesh Mishra überzeugt. „Don’t feel bad“, sei das Credo der Veranstaltung, die „Friedfertigkeit weitergeben möchte“ und sogar dazu beitragen könne, dass zerstrittene Personen wieder zueinander finden können. Zum Fest werden außerdem vegetarische Speisen angeboten, es gibt indische Spiele für Kinder und Bollywood-Tanz. Der Eintritt ist frei, für die Farbe zahlen die Gäste fünf Euro. Ein weiteres indisches Fest soll es am 21. September geben. Das will der Verein Shaktya im Kulturbahnhof Vegesack feiern. Dann können die Besucher auf einer 20 Meter langen Leinwand gemeinsam ein Bild malen. Für den Frieden.

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