In Bremen lebende Australierin erzählt Buschbrände: „Unheimlich bedrohlich, unheimlich nah“

Australierinnen und Australier auf der ganzen Welt verfolgen die Feuer in ihrer Heimat. Kelly Bebendorf lebt in Bremen. Sie findet, dass die Australier schon lange falsch mit der Natur umgehen.
11.01.2020, 19:00
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Buschbrände: „Unheimlich bedrohlich, unheimlich nah“
Von Eva Przybyla

Während Zehntausende Menschen in Australien angesichts der verheerenden Brände gegen die Politik von Premier Scott Morrison demonstrieren, können viele ihrer Landsleute nur zuschauen. Sie sind weit weg. Die Bremerin Kelly Bebendorf ist eine von ihnen. Die 20-Jährige hat australische Wurzeln und viele Jahre ihres Lebens im nordöstlichen Bundesstaat Queensland an der Sunshine Coast verbracht.

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Es ist die Heimat ihres Vaters, noch heute lebten dort vieler ihrer Verwandten, erzählt sie. Ihre Familie sei zwar nicht von den Bränden betroffen, dennoch frage sie regelmäßig bei Freunden nach, wie es um sie stehe. Die Brände machten sie traurig: „Es ist eine absolute Tragödie.“ Der Brand im Amazonas sei nichts dagegen, meint sie. „Feuer gehört zum Zyklus in Australien“, sagt Bebendorf weiter. Seit Jahrtausenden würden Feuer über das Land hinwegfegen. Die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, hätten sogar traditionell kleine, kontrollierbare Feuer gelegt. Denn die Asche sei fruchtbar und hätte neue Pflanzen wachsen lassen.

Buschbrände forderten schon 26 Menschenleben

Seit Beginn der Buschfeuer verbrannten in ganz Australien mehr als zehn Millionen Hektar Land. Tausende Häuser wurden zerstört. Mindestens 26 Menschen kamen ums Leben.

Dass Australiens Brände seit Oktober nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden können, überrascht Bebendorf nicht. Schon vor Jahren habe sich die Dürre in Australien verschärft, sagt die 20-Jährige, die Internationale Beziehungen an der Jacobs University studiert. Bereits 2018 habe sie während eines Jobs auf einer Pferdefarm bei Melbourne vertrocknete Landschaften gesehen. „Kühe sind verdurstet“, sagt sie.

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Die Ursache ist für Bebendorf nicht nur die Kohleindustrie oder die Politik von Premier Morrison. Sie kritisiert viel mehr einen völlig falschen Umgang mit der Natur Australiens – besonders durch die Kolonialisten und die heutigen Australier. „Die Europäer haben die kontrollierten Feuer verboten“, sagt sie. Sie hätten diese für etwas Schlechtes gehalten. Dadurch seien Gebiete paradoxerweise noch stärker ausgetrocknet. Die Logik: Junge Pflanzen spenden mehr Feuchtigkeit als alte. Durch fehlende Brände sind die Pflanzen älter und trockener geworden.

Problematische Rinderhaltung

Laut Bebendorf ist die Erde zudem falsch bewirtschaftet worden. Sie kritisiert gigantische australische Rinderfarmen. Der Kontinent hat eine wachsende Rinderzucht und exportiert das Fleisch in die ganze Welt. Vier Prozent des weltweiten Konsums von Rindfleisch deckt Australien ab. Die Bremerin fordert, dass die Rinderhaltung auf dem Kontinent ganz abgeschafft wird. „Australien wird umdenken müssen“, sagt sie. Die Regierung nimmt sie dabei teilweise in Schutz. Denn die Legislaturperioden seien mit drei Jahren einfach zu kurz, um langfristige und vorausschauende Politik zu betreiben.

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Auch wenn Bebendorf nun erst mal in Bremen bleibt, beschäftigen sie die Brände doch ständig. Etwa wenn am anderen Ende der Welt ihre Schwester im verrauchten Sydney Fotos schießt. „Es ist jetzt schon unheimlich bedrohlich und unheimlich nah.“

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