Unternehmen Verkehrsbehörde setzen auf lokale Förderung Car-Sharing: Kritik an Steuerbefreiung

Bremen. In Bremen stößt der Vorschlag, Car-Sharing-Unternehmen von der Kfz-Steuer zu befreien, auf Kritik. Der Vorstoß sei für die Unternehmen nicht hilfreich, sagt Kerstin Homrighausen vom Car-Sharing-Anbieter Cambio.
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Car-Sharing: Kritik an Steuerbefreiung
Von Jörn Hüttmann

Bremen. In Bremen stößt der Vorschlag, Car-Sharing-Unternehmen von der Kfz-Steuer zu befreien, auf Kritik. Der Vorstoß des Präsidenten des Umweltbundesamtes sei für die Unternehmen nicht hilfreich, sagt Kerstin Homrighausen vom Car-Sharing-Anbieter Cambio. Die Verkehrsbehörde setzt derweil auf lokale Förderung der gemeinsamen Autonutzung.

Car-Sharing-Unternehmen sollten von der Kfz-Steuer befreit werden – das hat der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, in einem Gespräch mit der "Frankfurter Rundschau" vorgeschlagen. So könne die gemeinsame Nutzung von Autos populärer gemacht werden, glaubt Flasbarth. Der Steuerausfall könne durch eine Umlage auf die restlichen Fahrzeuge ausgeglichen werden. Doch seine Idee stößt beim größten Bremer Car-Sharing-Anbieter, Cambio, auf Ablehnung. Für die Unternehmen bringe der Vorstoß keine wirkliche Entlastung, sagt die Bremer Cambio-Geschäftsführerin Kerstin Homrighausen. "Die Befreiung wäre eine Bevorzugung, die wir nicht brauchen."

"Umweltaspekte einbeziehen"

Bei Cambio fallen im Jahr pro Auto rund 150 Euro an Kfz-Steuer an, sagt Homrighausen. Diese Abgaben seien keine wichtigen Posten. Außerdem würden auch die 170 Car-Sharing-Autos die öffentliche Infrastruktur nutzen. Im Übrigen sei es nicht immer einfach, zu definieren, wann Car-Sharing anfängt, erklärt die Geschäftsführerin: "Das Auto einer fünfköpfigen Familie wird auch gemeinschaftlich genutzt, würde aber nicht in den Genuss der Steuersenkung kommen."

Eine Diskussion über Änderungen bei der Kfz-Steuer sei nur dann angebracht, sagt Homrighausen, wenn Umweltaspekte verstärkt berücksichtigt würden. "Eine stärkere Koppelung der Steuer an den CO2-Ausstoß wäre sinnvoller, dabei ginge es letztlich um eine Bestrafung der Besitzer umweltschädlicher Autos."

Wenn eine Stadt Car-Sharing fördern wolle, so Homrighausen, gebe es dafür genügend andere Möglichkeiten. Die Politik müsse bei den Grundvoraussetzungen ansetzen. "Dazu gehört ein gut ausgebauter öffentlicher Personennahverkehr", sagt die Geschäftsführerin. Die Menschen müssten genügend alternative Verkehrsangebote vorfinden, damit sie im Alltag auf das eigene Auto verzichten könnten.

Ressort setzt auf Verzahnung

Nach ihrer Einschätzung ist Bremen in dieser Hinsicht auf einem guten Weg: "Was den öffentlichen Personennahverkehr angeht, sind wir gut aufgestellt." Zudem sei es für eine Kommune wichtig, eine gute Infrastruktur für die gemeinsame Autonutzung zu bieten. Die neun "Mobilpunkte", an denen die Stadt dem Car-Sharing-Anbieter Parkplätze in attraktiver Lage vermietet, seien Schritte in die richtige Richtung.

In der Verkehrsbehörde wird der Vorstoß des Umweltbundesamt-Chefs ähnlich skeptisch gesehen. "Auf die Kfz-Steuer haben wir als Bundesland keinen direkten Einfluss", sagt Ressortsprecherin Brigitte Köhnlein. Deshalb setze Bremen darauf, die Bedingungen für das Car-Sharing mithilfe der "Mobilpunkte" zu verbessern. Zudem seien die gemeinsame Nutzung von Autos und die Verzahnung von Car-Sharing mit anderen Verkehrsmitteln bei der Diskussion um einen neuen Verkehrsentwicklungsplan immer wieder Thema.

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