Rund 8000 Bremer nutzen das Angebot Carsharing in Bremen beliebt

Das Angebot an Carsharing – das gemeinschaftliche Nutzen eines Autos – wird in Bremen immer größer. Zur Zeit gibt es in Bremen und Bremerhaven 53 Stationen der Firma Cambio.
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Das Angebot an Carsharing – das gemeinschaftliche Nutzen eines Autos – wird in Bremen immer größer. Zur Zeit gibt es in Bremen und Bremerhaven 53 Stationen der Firma Cambio. Das Angebot soll noch ausgebaut werden. Geplant ist die Umwandlung von öffentlichen Parkplätzen in Stellplätze.

Gerhard Funke ist Besitzer eines Fahrradladens im Viertel. Bis 2007 besaß er ein Auto. Dann wurde er arbeitslos und musste es aufgeben. „Das kleine Stückchen Freiheit, das vor der Tür steht, ist dann halt weg“, sagt er.

Heute fährt der 53-Jährige meistens mit dem Fahrrad oder der Bahn. Braucht er aber doch einmal ein Auto, nutzt er das Carsharing. Funke ist Kunde bei Cambio. Dort gibt es Tarife für Leute, die eher selten fahren, bis hin zu denen, die häufig ein Auto benötigen. Funke hat den Geschäftstarif gewählt. Denn wenn er fährt, dann auch viele Kilometer.
Die Fahrzeuge stehen auf fest reservierten Parkplätzen. Daneben gibt es jeweils einen Tresor, in dem der Autoschlüssel liegt und der sich mit einer Chipkarte und der dazugehörigen Geheimzahl öffnen lässt. Nach seinen Besorgungen muss Funke das Auto wieder auf demselben Parkplatz abstellen und den Schlüssel zurück in den Tresor legen – und schon kann der Nächste das Fahrzeug nutzen.
Eine Reservierung der Autos ist erforderlich und jederzeit per Internet, Telefon oder über eine App möglich. Aber man müsse sich rechtzeitig kümmern, rät Funke. Das sei ein Nachteil. Man könne nicht mal eben losfahren. „Spontanität ist ein bisschen schwierig.“
In Bremen, Bremen-Nord und Bremerhaven gibt es derzeit 53 Stationen der Firma Cambio, die 190 Autos im Einsatz hat. Kunden seien überwiegend Leute, die grundsätzlich das Fahrrad oder die Bahn nehmen und ab und zu ein Auto für größere Besorgungen benötigen, so Jutta Kirsch aus der Marketing-Abteilung des Unternehmens. Doch es gebe auch Leute, die mit dem gemieteten Auto in den Urlaub fahren. Zudem würden inzwischen rund ein Drittel der Fahrten von Firmen, Behörden und Vereinen durchgeführt.

Neben Cambio stellt auch die BSAG Autos fürs Carsharing zur Verfügung. Gemeinsam mit der Wohnungsbaugesellschaft Gewoba hat sie Anfang des Jahres das Projekt „Vahr vernünftig“ gestartet, ein Carsharing mit Elektroautos in der Vahr. Dort gibt es zwei Stationen, an denen die Fahrzeuge angeschlossen sind. Mit einem Ladekabel sind sie über Zapfsäulen mit dem Stromnetz verbunden. Es sei noch eine dritte Station mit weiteren zwei bis drei Autos geplant, sagt Gewoba-Pressesprecherin Karin Liedtke. Derzeit stehen in der Vahr fünf Elektroautos. Die Fahrzeuge kommen von der Firma „Move about“, einem Anbieter für Elektrofahrzeuge, der auch Vertragspartner der Kunden ist. Der Strom wird von der SWB und die Fläche von der Gewoba gestellt.

Die Deutsche Bahn bietet ebenfalls Carsharing unter dem Namen „Flinkster“ an. Einer Sprecherin der Deutschen Bahn zufolge ist Flinkster mit zirka 3100 Autos das größte Carsharing-Netz in Deutschland. Rund 250000 Menschen bundesweit würden das Angebot nutzen. In Bremen gibt es bislang zehn Stationen und in Bremen-Nord fünf. Auch hier gibt es die Fahrzeuge in verschiedenen Größen und von unterschiedlichen Herstellern. In Bremen stehen zudem zwei Elektroautos bei der SWB AG.

Die grundsätzliche Motivation, Carsharing aufzubauen, sei die Reduzierung des parkenden Verkehrs gewesen, so Kirsch. Besonders in der Innenstadt sei der Parkdruck hoch. „Je näher zum Zentrum, desto dichter das Netz an Stationen“, sagt sie. Zurzeit werden öffentliche Stellplätze umgewandelt und von Cambio angemietet. Im Steintorviertel wurden so zuletzt drei neue Stationen mit insgesamt sechs Stellplätzen geschaffen. Geplant ist dies Kirsch zufolge auch in anderen Stadtteilen.

Bei der Firma Cambio sind die Autos in drei Preisklassen unterteilt: S, M und L. Die Klasse S sind die kleinen Fahrzeuge, wobei der Ford Fiesta am häufigsten vertreten ist. Zu Klasse M gehören der VW Caddy und der Ford Focus. Transporter für sehr große Besorgungen oder Ausflüge mit vielen Leuten bilden Klasse L. Die Preise variieren je nach Tarif. Für ein kleines Auto im sogenannten Aktiv-Tarif zahlt der Kunde 1,70 Euro pro Stunde und 24 Cent für jeden Kilometer. Das Benzin muss nicht noch zusätzlich selbst gezahlt werden. Dafür befindet sich eine Tankkarte in jedem Fahrzeug.

Bei der Auswahl der Autos legen die Carsharing-Anbieter gewisse Maßstäbe an. „Sie sollten möglichst multifunktional sein“, sagt Kirsch. Und es sollten mindestens fünf Leute darin Platz haben. Zudem sollte es übersichtlich und bedienungsfreundlich sein und einen Kofferraum haben. Besonders Wert wird laut Kirsch auf einen geringen CO2-Ausstoß gelegt.
Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) unterstützt das Carsharing. „Es entlastet den Parkraum und ist ein wichtiger Teil nachhaltiger Mobilität“, sagt er.

Das Ziel sei, die momentane Zahl der Nutzer von rund 8000 bis zum Jahr 2020 auf etwa 20000 zu bringen. Erst kürzlich wurde die Behörde für Umwelt, Bau und Verkehr von der Europäischen Kommission mit dem Preis für Energieeffizienz international ausgezeichnet.

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