Werbung für Bremer CDU-Spitzenkandidat "Carsten Meyer-Wer?": Eine Kampagne mit einem Tick Selbstironie

Auf gut 200 Plakaten in Bremen und im Internet wird nach dem CDU-Spitzenkandidaten gefragt. Ob die Christdemokraten es so schaffen, Carsten Meyer-Heder bekannter zu machen?
01.03.2019, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Norbert Holst

Große schwarze Buchstaben auf knalligem Orange und flotte Sprüche: „Einfach machen kann alles einfach machen.“ Oder: „Der Bauch muss dem Kopf öfter in den Arsch treten.“ Etwa 200 großformatige Plakate werben nun im Bremer Stadtgebiet für den CDU-Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder. Und das durchaus mit Selbstironie. Titel der Kampagne: „Carsten Meyer-Wer?“

Natürlich wird die Aktion auch in den sozialen Medien im Internet begleitet. Ein Video, lockere Sprüche und Fotos werden dazu bei Facebook, Twitter & Co. gepostet. In Bremer Kneipen liegen Postkarten mit den Slogans aus. Und am Wochenende soll es es Überraschungsaktionen an verschiedenen Orten der Stadt geben.

Eine Liebeserklärung an Bremen

„Das wird ein Knaller“, hatte sich Meyer-Heder vor dem Start der Kampagne zuversichtlich gegeben. Bei einem, der es wissen muss, ist sie gut ankommen. Martin Fuchs, erfahrener Politikberater aus Hamburg mit hoher Affinität zu den sozialen Medien, twitterte: „Schon mal was von #carstenmeyerwer gehört? Häääää was? Ganz nice Idee für eine erste Welle für die Bremer Wahl, um den Quereinsteiger-Spitzenkandidat Meyer-Heder bekannt zu machen.“ Mit dieser Idee, ergänzte Fuchs, ließen sich Wähler auch auf die Homepage des Kandidaten locken.

Meyer-Heders Homepage erscheint zum Start der Vorwahlkampagne denn auch in neuem Design. Zwei, drei Statements zu aktuellen Fragen, das CDU-Wahlprogramm nach Themen aufgefächert, ein ausführlicher, persönlich gehaltener Lebenslauf. Und eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt, die mit einer politischen Botschaft endet: „Bremens Image hat noch so viel Luft nach oben, leider auch über die Stadtgrenzen hinaus. Ich bin mir sicher: Unser Bremen kann mehr.“

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Durchaus witzig ist das Video mit dem Titel „Mit diesem Kopf ist alles möglich“. Werder-Stadionsprecher Christian Stoll zeigt darin Passanten in der Bremer City ein Foto des CDU-Politikers und fragt: „Was könnte der sein?“ Eine Frau fragt keck zurück: „Suchen Sie den?“ Ein Mann meint: „Der sieht aus wie ein bodenständiger Mensch, ein Lagerist.“ Ein anderer sagt: „Der könnte ein Popmusiker sein.“ Und schließlich geht Stoll auch noch auf Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) zu. Der hatte ausgerechnet am Drehtag für den Spot ganz in der Nähe ein Foto-Shooting – natürlich auch für den Wahlkampf. „Ein Eishockeyspieler“, mutmaßt der SPD-Spitzenkandidat mit einem Lächeln.

Politische Konkurrenz hat bisher kaum reagiert

„Die Kampagne soll die Menschen auf Carsten Meyer-Heder und die Wahl neugierig machen“, heißt es von Seiten der CDU. Deshalb kommen die Plakate auch ohne das CDU-Logo aus und sind ausschließlich auf buchbaren Werbeflächen angebracht. So kommt die Partei auch nicht mit den Fristen für die übliche Plakatwerbung in Wahlkämpfen in Konflikt. Sie ist auf die heiße Wahlkampfphase beschränkt.

Finanziert wird die Aktion von privaten Unterstützern, die sich Meyer-Heder als künftigen Bremer Bürgermeister wünschen. Die Initiative dazu ist maßgeblich von einzelnen Personen ausgegangen, heißt es. „Bis jetzt läuft es sehr gut. Auch die Partei macht mit“, sagt Geschäftsführer Heiko Strohmann. Die Kampagne richte sich nach außen und nach innen. „Sie hat auch einen Spaßfaktor. Für unsere Leute signalisiert sie: Es geht jetzt los.“ Aber natürlich werde der Aufwand auch betrieben, um den Kandidaten bekannter und beliebter zu machen, erklärt Strohmann.

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Die politischen Konkurrenz hat bislang kaum auf „Carsten Meyer-Wer?“ reagiert. Das war in diesem Wahlkampf schon anders. Erst vor einigen Tagen hatten sich SPD und CDU gegenseitig vorgeworfen, Werbeslogans abgekupfert zu haben. „Schlecht geklaut ist halb verloren“, twitterte die SPD in Richtung CDU. Den Slogan „Unser Bremen kann mehr“ hätte die Hamburger CDU vor vier Jahren ganz ähnlich verwendet: „Hamburg kann mehr“. Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Claas Rohmeyer machte sich im Gegenzug über den SPD-Spruch „Wir lieben Bremen“ lustig: „Ernsthafte Sozis? Ihr lasst bei Edeka den Slogan mitgehen und macht dann die Klappe auf?“

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