Betreiber verhandelt mit der Stadt über Hilfen / Hoffnungen nach Umzug haben sich nicht erfüllt Casino vor dem Kollaps

Vor drei Jahren hat der Betreiber noch zehn Millionen Euro investiert – doch jetzt sieht es für die Spielbank in Bremen schon wieder düster aus. In Verhandlungen mit der Stadt wird gerade ausgelotet, wie es überhaupt noch weitergehen kann.
25.01.2014, 00:00
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Casino vor dem Kollaps
Von Jürgen Hinrichs

Vor drei Jahren hat der Betreiber noch zehn Millionen Euro investiert – doch jetzt sieht es für die Spielbank in Bremen schon wieder düster aus. In Verhandlungen mit der Stadt wird gerade ausgelotet, wie es überhaupt noch weitergehen kann.

Glücksspiel kann süchtig machen. Oder reich. In der Bremer Spielbank hat jemand am Automaten mal eine dreiviertel Million Euro gewonnen. In nur einer Stunde ungefähr das, was die Stadt während eines ganzen Jahres mit der Spielbank gewinnt. Für den Mann am Automaten war das viel Geld, für die Stadt ist es wenig und nur ein Bruchteil dessen, was sie früher einmal durch die Spielbank-Abgabe einnehmen konnte. Das Casino hat kein Glück mehr und steht wieder einmal kurz vor der Pleite.

Der Betreiber hat sich in seiner Not an die Stadt gewandt. Seit Dezember laufen Verhandlungen, bestätigt die Finanzbehörde. Doch der Spielraum ist so eng geworden, dass Bremen für den Betrieb an den Automaten und Roulette-Tischen bald schon Geld zuschießen müsste, statt welches einzunehmen. „So viel ist klar“, sagt Behördensprecherin Dagmar Bleiker, „draufzahlen werden wir nicht.“

Vor drei Jahren sollte für das Casino mit dem Umzug an die Schlachte eine neue Ära beginnen: Keine zwei Standorte mehr, wie vorher mit den Spielstätten am Breitenweg und in der Böttcherstraße. Der Einzug in ein historisches Gebäude. Die Lage am Fluss. Und insgesamt ein neues, frisches und modernes Ambiente.

Der Betreiber hat rund zehn Millionen Euro investiert, mit der Hoffnung auf einen Ertragssprung. Die Einnahmen sollten von zuletzt 8,5 Millionen Euro im Jahr 2010 mittelfristig auf 13 Millionen Euro steigen. Der Senat war noch euphorischer und rechnete mit einem Ergebnis von 16 Millionen Euro.

Tatsächlich konnte kurzzeitig zwar mal an der Zehn-Millionen-Marke gekratzt werden, doch im vergangenen Jahr ging es wieder abwärts, da waren es gerade einmal 9,1 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2002 nahm die Spielbank 25 Millionen Euro ein, wovon 20 Millionen Euro als Abgabe an die Stadt abgeführt wurden.

Zuletzt hat das Casino nach Darstellung der Finanzbehörde neben der Umsatzsteuer nur noch 1,8 Millionen Euro an die Stadt überwiesen, wovon zwei Drittel gleich wieder ausgegeben werden müssen – als Entlohnung für die Finanzbeamten, die im Casino den Spielbetrieb überwachen. Den Rest erhielt die Stiftung Wohnliche Stadt.

Doch selbst mit diesem Rest ist offenbar nicht mehr länger zu rechnen. Nach Behördeneinschätzung, die vor Kurzem dem Senat vorgetragen wurde, bleibt die Spielbankabgabe „weiter hinter den Erwartungen zurück“. Deshalb sei das erhoffte Geld für die Stiftung „nach derzeitigem Stand nicht zu erwarten“.

Bremen über Landesbank beteiligt

Betreiber des Casinos ist West-Spiel, eine Gesellschaft, die in Deutschland insgesamt sieben Spielbanken führt, darunter auch eine in Bremerhaven. Hinter West-Spiel steht die NRW-Bank, eine öffentlich-rechtliche Förderbank für Nordrhein-Westfalen. In Bremen teilt sie sich das Geschäft nach Angaben von West-Spiel mit der Bremer Landesbank, die über einen Gesellschafteranteil von 49 Prozent verfüge.

Die Konzession für den Betrieb einer Spielbank darf nach der geltenden Gesetzeslage nur an solche Unternehmen vergeben werden, die einen öffentlich-rechtlichen Anteil haben, betont die Finanzbehörde. Rein private Investoren, die möglicherweise interessiert sind, das Casino an der Schlachte zu übernehmen, kämen demnach nicht zum Zuge. Die Konzession von West-Spiel läuft noch bis zum Jahr 2022.

Die Probleme der Bremer Spielbank mit ihren 97 Mitarbeitern spiegeln einen allgemeinen Trend wider. Mehr und mehr wandern die Spieler ins Internet ab. Dort zahlen sie keinen Eintritt wie im Casino und haben einen bequemen Zugang von zu Hause aus: Pokern in Pantoffeln.

Ein anderer Grund für die Misere der Spielbanken sind die Automatenhallen. „Speziell in Bremen und dem Umland gibt es eine enorme Dichte an Spielautomaten“, hatte der Bremer Casino-Chef Jürgen Lagodny unserer Zeitung erklärt. Damals, vor genau zwei Jahren, steckte die Spielbank schon einmal tief in der Krise. Bremen half und verzichtete auf mehr als eine Million Euro aus dem Abgaben-Topf.

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