Interview über Veranstalter in der Krise

„Dann gibt es uns bald nicht mehr“

Jens Wehrenberg ist Managing Director bei dem Event und Catering-Unternehmen Geschmackslabor. Im Interview spricht er über die coronabedingten Probleme seiner Branche und die Angst vor der Zukunft.
17.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
„Dann gibt es uns bald nicht mehr“
Von Pascal Faltermann
„Dann gibt es uns bald nicht mehr“

Jens Wehrenberg ist Vertriebschef beim Event- und Catering-Unternehmen Geschmackslabor.

Marta Urbanelis

Herr Wehrenberg, wie heftig wirken sich die aktuellen Verschärfungen der Corona-Regeln auf die Catering-Branche aus?

Jens Wehrenberg: Je schärfer die Regeln, desto größer sind auch unsere Ausfälle. Was das Catering Außerhaus angeht, also für Feiern, Hochzeiten oder private Veranstaltungen, haben wir einen Rückgang von 90 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau. Was unseren Service in den Messehallen und der ÖVB-Arena angeht, haben wir im Prinzip einen Verlust von 100 Prozent. Wir haben nun die Bewirtung von kleineren Veranstaltungen übernommen. Die neuen Regelungen sind aber zum Beispiel auch besonders hart für Brautpaare, die immer mehr Leute ausladen mussten.

Was bedeutet das konkret in Zahlen?

Durch die Absagen der Veranstaltungen, die wir in den Büchern hatten, ist in der Corona-Zeit ein Umsatzverlust von etwa sechs Millionen Euro entstanden. Es sind an die 1000 Veranstaltungen storniert oder ins Jahr 2021 geschoben worden. Darin sind noch nicht die Events enthalten, die im Laufe eines normalen Jahres hinzugekommen wären. Allein die Schwergutmesse Breakbulk kann bis zu 80 kleinere Veranstaltungen bedeuten.

Lesen Sie auch

Gab es zwischendurch mal eine entspannte Phase?

Im Juni ging es mit ein paar Aufträgen wieder los, das waren aber kleinere Events mit zehn oder 20, eher selten mit 50 Personen. Wenn wir etwas machen, dann nur im kleineren Segment. Das ist kaum kostendeckend und für uns nur wichtig, um mit den Kunden im Kontakt zu bleiben. Viele von uns waren oder sind zudem in Kurzarbeit.

Wie kann eine Feier, ein Büfett eigentlich Corona-konform ablaufen?

Dort, wo Gastronomen und Veranstalter als Profis für Brautpaare, Geburtstagskinder oder Konfirmanden die Planung und Durchführung übernehmen, tragen sie auch die umfänglich komplette Verantwortung für die Um- und Durchsetzung der jeweils aktuellen Verordnung. Dafür haben wir Hygienekonzepte, abgesteckte Wege, Spuckschutz und einen Plan für die Lüftung der Räume.

Wir achten aufs Abstandhalten, Mund-Nasen-Bedeckung und das Händedesinfizieren. Am Büfett haben wir beispielsweise das Fingerfood einzeln eingepackt, Soßen oder Ketchup gibt es aus kleinen Mehrweggläsern, weil wir sicher und nachhaltig sein wollen. Das sind dann definitiv keine privaten Veranstaltungen.

Lesen Sie auch

Wie kann die Politik der Veranstaltungsszene helfen?

Es macht keinen Sinn uns weiter einzuschränken. Die Politik sollte den Ball in den Berufszweig spielen, damit wir Profis erklären können, wie wir auch bei größeren Veranstaltungen eine Corona-Normalität schaffen können. Das geht nur gemeinsam. Wir müssen den Menschen auch die Angst nehmen, ihnen zeigen, dass Events in einem sicheren Rahmen ablaufen können.

Anders als im privaten Bereich, wo oftmals keine Hygiene-und Abstandregeln eingehalten werden. Ein kompletter Stillstand ist für die gesamte Branche tödlich. Dann gibt es uns bald nicht mehr. Und da hängen von so viele weitere Berufszweige mit dran: Vom den Technikfirmen, Event- Messe- und Konzertveranstaltern, Securities bis hin zu den Auszubildenden und Helfern.

Die Fragen stellte Pascal Faltermann.

Info

Zur Person

Jens Wehrenberg (43) ist Managing Director (Vertriebschef) bei dem Event und Catering-Unternehmen Geschmackslabor. Die Bremer Firma richtet mit 130 Mitarbeitern Feierlichkeiten und Veranstaltungen aus, macht Kita- und Schulverpflegung und Caterer der ÖVB-Arena.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+