Plattdeutsch in Bremen CDU: Platt wird vernachlässigt

Bremen. Fast zwei Jahre ist er alt, der parlamentarische 'Andraag vun de Fraktschoon vun de CDU' mit dem Titel: 'An Plattdüütsch fasthollen un Plattdüütsch starker machen'. Darin fordert die Fraktion ein Konzept des Senats, um das vom Aussterben bedrohte Platt lebendig zu halten.
25.04.2010, 05:00
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Von Bernd Schneider

Bremen. Fast zwei Jahre ist er alt, der parlamentarische 'Andraag vun de Fraktschoon vun de CDU' mit dem Titel: 'An Plattdüütsch fasthollen un Plattdüütsch starker machen' - plus Übersetzung ins Hochdeutsche. Darin fordert die Fraktion ein Konzept des Senats, um das vom Aussterben bedrohte Platt lebendig zu halten. 'Wir verschleppen das nicht', versichert ein Sprecher des federführenden Kulturressorts. Vor konkreten Schritten wolle man aber einen weiteren Bericht der EU zu Minderheitensprachen abwarten.

'Seit zwei Jahren hält uns der Senat hin', schimpft dagegen der CDU-Abgeordnete Frank Imhoff. Immer wieder sei er vertröstet worden. Erst habe es geheißen, der dritte Bericht der EU zu Minderheitensprachen müsse zunächst aus dem Englischen übersetzt werden - ins Hochdeutsche, nicht in Platt. Imhoff: 'Das kann doch nicht zwei Jahre dauern.' Dabei sei Eile geboten: Platt stehe 'auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Sprachen'.

'Low German in the Länder of Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Western Pomerania, Lower Saxony and Schleswig-Holstein' - so ist das 40-seitige Kapitel überschrieben, das eine EU-Expertenkommission zum Stand des Niederdeutschen verfasst hat. Fragestellung der Expertise, die alle drei Jahre neu geschrieben wird: Wie weit setzen die Staaten eine EU-Vereinbarung zum Erhalt von Minderheitensprachen um, die in Deutschland seit 1999 gilt? Auf zehn Seiten widmet sich der Bericht dem Land Bremen.

Im Kindergarten existiere praktisch gar kein Angebot, kritisieren die Autoren. Daher müsse Bremen dringend dort Plattdeutsch anbieten, wo die Nachfrage sei. In Schulen sei Platt zudem fest im Lehrplan zu verankern. Schließlich müsse auch die Ausbildung von Lehrern darauf abzielen, dass sie Platt unterrichten können.

Widerspruch ok op platt?

Daneben fällt den EU-Experten auf: In Bremer Behörden existiere noch immer keine verbindliche Regelung zum Umgang mit einer der größten Minderheitensprachen Europas - etwa wenn ein Antragsteller von seinem Recht Gebrauch machen will, den Widerspruch gegen ein Knöllchen op platt zu begründen. Darf, muss, kann das Stadtamt dies entgegennehmen und vielleicht sogar auf platt antworten? Auch Gesetze und Verordnungen würden nach wie nur in Hochdeutsch vorgelegt.

Doch der Bericht stößt nicht auf Gegenliebe im zuständigen Bundesministerium für Inneres. Die Zahl der Einwände sei so groß, dass daraus ein eigener Bericht entstünde, heißt es in einer Erklärung des Ministeriums. So sollten die Einwände in den vierten Bericht 2011 einfließen. Und den will das Kulturressort in Bremen abwarten.

Frank Imhoff will sich so lange nicht hinhalten lassen: 'Wir werden hier verschaukelt', ärgert sich der CDU-Abgeordnete. 'Ich will endlich Klarheit, wie der Senat seiner Verantwortung für die bedrohte Sprache gerecht wird.' Für Imhoff selbst jedenfalls, Landwirt in Strom, ist Platt Alltagssprache, 'mit den Älteren ergibt sich das einfach so'. Inzwischen hat er sogar eine niederdeutsche Theatergruppe gegründet.

Untätig sei Bremen allerdings nicht beim Fördern des norddeutschen Idioms, versichert Karla Götz, Sprecherin des Bildungsressorts: 'Wir treiben das voran.' In der Lehramtsausbildung gebe es einige 'Module' zum Platt - zu Kultur, Entstehung und Entwicklung der Sprache. 'Das Angebot könnte aber größer sein.' Als Unterrichtsfach könne man die Sprache nicht studieren. Bremen arbeite jedoch an einer 'Lehrplanrevision'. Dabei solle auch das Niederdeutsche 'so breit wie möglich' im Deutschunterricht verankert werden. Derzeit seien es mehr die Schulen am Stadtrand, die das Plattdeutsche pflegen.

Das sieht auch Margret Dentcher so, Studienrätin für Deutsch, Französisch und Spanisch am Alten Gymnasium (AG), die im Germanistik-Studium noch Fritz Reuter gelesen hat - Platt als Kultursprache, 'nicht in der Verballhornung, zu der das Ohnsorg-Theater so sehr beigetragen hat'. Am AG veranstaltet sie wohl die einzige Plattsnacker-Runde an einem Innenstadt-Gymnasium. Zehn bis 15 Schüler nutzen das freiwillige, unbenotete Angebot regelmäßig. Dentcher: 'Wir machen alles, was möglich ist, damit Platt nicht zu einer toten Sprache wird.'

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