Gesutra will Berufseinstieg ermöglichen Chance für unbegleitete Flüchtlinge

Im Bremer Unternehmen Gesutra können künftig drei 17-Jährige möglicherweise eine Ausbildung zu Fachlageristen absolvieren. Das Besondere daran: Die drei Männer stammen aus Syrien, Gambia und Guinea.
17.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Chance für unbegleitete Flüchtlinge
Von Michael Kerzel

Etwas schüchtern stehen drei junge Männer in der Lagerhalle des Bremer Unternehmens Gesutra. Geschäftsführer Jörg Lührs erklärt ihnen die Wichtigkeit der Logistik für den Handel. Zukünftig könnten die drei 17-Jährigen eine Ausbildung zu Fachlageristen absolvieren. Das Besondere daran: Die drei jungen Männer stammen aus Syrien, Gambia und Guinea. Sie leben erst wenige Monate in Bremen. Sie kamen als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Borgfeld.

„Ich hab mich gefragt, was ich als Unternehmer machen kann. Das Wichtigste, was man einem jungen Menschen geben kann, ist eine gute Ausbildung“, erklärt Lührs. Diese Chancen sollen die 17-Jährigen, deren Namen nicht veröffentlicht werden sollen, bekommen. Ob das bereits zum nächsten Ausbildungsstart am 1. August funktioniert oder ob noch Grundlagen geschaffen werden müssen – beispielsweise Berufsvorbereitungskurse – wird noch geklärt, sagt Lührs. „Grundsätzlich gilt aber: Wer den Willen mitbringt, bekommt hier auch eine Chance“, sagt er. Und er hofft, dass weitere Bremer Unternehmen seinem Beispiel folgen und jungen Flüchtlingen eine Chance geben.

Als Multiplikator dieser Idee – Lührs spricht vom „Bremer Weg“ – soll der ehemalige Bausenator Jens Eckhoff dienen. „Ich habe viele Kontakte und werde demnächst gezielt Firmen ansprechen, ob dort nicht auch junge Flüchtlinge eine Ausbildung machen können“, sagt er. Die rechtlichen Hemmschwellen für Auszubildendenverträge für Flüchtlinge seien deutlich niedriger als für reguläre Arbeitsverträge.

Junge Männer bringen Qualifikationen mit

Die jungen Männer, die eventuell bei Gesutra anfangen, bringen Qualifikationen mit, sagt Lührs. Der Syrer arbeitete bereits einige Monate als Baggerfahrer im Irak, der Gambier nahm in seiner Heimat an einem Workshop im Bereich Automechanik teil. Er besucht zur Zeit die Berufswahlvorbereitungsklasse an der Allgemeinen Berufsschule. Als Schwerpunkt hat er Technik gewählt. Lührs betont, dass technisches Interesse wichtig sei für Berufe in der Logistik. „Und dass Sie mehrere Sprachen sprechen, wenn auch rudimentär, ist genial“, sagt der Geschäftsführer zu den jungen Männern. Sie alle sprechen einige Worte deutsch und verstehen einige mehr. Bei dem Gespräch mit Lührs helfen ihnen jedoch Dolmetscher. „Dass Sie hier zurückhaltend auftreten, ist doch völlig klar. Das ginge mir nicht anders, wenn ich in einem fremden Land wäre und die Sprache nicht kennen würde“, sagt Lührs.

Immer wieder betont der Unternehmer, dass es einen Weg zur Ausbildung gebe, auch wenn noch nicht ganz klar sei, wie dieser aussehe. Die Flüchtlinge hören interessiert zu und nicken immer wieder, wenn Lührs von den Möglichkeiten spricht, die Fachlageristen hätten. „Bremer Unternehmer müssen sich da engagieren. Weil wir es können, ist es unsere Pflicht“, meint Lührs. Gelebte Integration nennt er das.

Geschenkt bekommt keiner was

Geschenkt bekomme bei Gesutra jedoch niemand etwas. „Ich bin kein Samariter“, sagt Lührs. Er erwarte Leistung und dass die Bewerber eine gewisse Liebe zum Beruf entwickelten. „Klar ist aber, dass wir die besonderen Umstände der Flüchtlinge kennen und berücksichtigen“, sagt Lührs. Zudem sei es normal, dass jungen Menschen Fehler machten. „Die Fehler müssen aber berichtigt und dürfen nicht vertuscht werden“, mahnt er. Lernwilligkeit erwarte er jedoch.

Die jungen Flüchtlinge zeigen großes Interesse. Besonders die Vielseitigkeit der Arbeit gefalle ihm, sagt der Guineer nach einem Rundgang durch das Unternehmen. Eine Ausbildung wäre eine große Chance, meint er. Der Wille scheint vorhanden. Und einen Weg gibt es laut Lührs ja auch.

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