Defekte Sporthallen, gestörte Kommunikation

Blankes Chaos an Bremer Uni-Sportanlagen

Obwohl die Sportanlagen der Uni offiziell zu keinem Zeitpunkt geschlossen waren, kamen Schüler auch am Donnerstag nicht hinein. Es gab niemanden, der Schlüsselgewalt hatte.
04.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Blankes Chaos an Bremer Uni-Sportanlagen
Von Jörg Niemeyer
Blankes Chaos an Bremer Uni-Sportanlagen

Die Nutzung der großen Unihalle in Zeiten vor Corona: Die Trennwände sind unten, sodass Gruppen gleichzeitig unterschiedlichen Sport machen können.

Christina Kuhaupt

Die Schulferien sind in Bremen seit gut einer Woche vorbei, aber die noch andauernden Semesterferien scheinen die Verwaltung der Universität zu lähmen. Obwohl die Pressestelle der Uni seit Dienstag die Auskunft verbreitet hatte, ihre Sportanlagen seien geöffnet, standen Schüler der Sportbetonten Schule Ronzelenstraße auch am Donnerstag vor verschlossenen Türen. Es war keiner da, der den Jugendlichen hätte aufschließen können.

„Ich habe vom Verein für Hochschulsport niemanden erreichen können“, sagte Harald Wolf, Lehrer und Koordinator Leistungssport an der Ronzelenstraße, am Vormittag. An den Verein für Hochschulsport oder an die Uni-Leitung müsse er sich in dieser Angelegenheit wenden, hieß es in einer Mail der Uni-Verwaltung, die dem WESER-KURIER vorliegt. Wolf war einigermaßen genervt von dem Durcheinander, ließ sich aber bei seinen Bemühungen um Klärung der Zuständigkeiten und Einlass zu den Sportstätten nicht entmutigen. Immerhin seien allein an seiner Schule von der Problematik etwa 400 Schüler betroffen, die mit ihren Lehrkräften und Übungsleitern ja stets auch informiert und gegebenenfalls umdirigiert werden müssten. Ein erheblicher logistischer Aufwand, von dem Wolf ein Lied singen kann.

CDU will Thematik in die Fragestunde einbringen

Längst interessieren sich nicht nur die betroffenen Vereine und Schulen für das Chaos um die Uni-Sportanlagen. Inzwischen haben auch Politiker auf die Berichterstattung reagiert – öffentlich zumindest die aus der Opposition in der Bürgerschaft. So wird die CDU-Fraktion das Thema in die Fragestunde der Stadtbürgerschaft am 15. September einbringen. Deutliche Worte wählte der Vorsitzende des CDU-Ortsverbands Horn-Lehe. „Das an den Sportstätten der Uni vorherrschende Wirrwarr kommt einem Offenbarungseid der verantwortlichen Senatorinnen Stahmann, Bogedan und Schilling gleich“, schrieb Stefan Quaß dem WESER-KURIER, „keines ihrer drei Häuser fühlt sich offenbar dafür zuständig, den Sporttreibenden ein auskömmliches Angebot an funktionstüchtigen Sportstätten bereitzustellen.“ In das Wissenschaftsressort von Claudia Schilling (SPD) fällt die Universität, in das Sportressort von Anja Stahmann (Grüne) der organisierte Vereinssport, und zum Bildungsressort von Claudia Bogedan (SPD) gehören die Schulen.

Irgendwo in diesen drei Ressorts war Ende Juli die Information der Uni an Schulen und Vereine stecken geblieben, dass die Uni-Sportanlagen nach den Ferien nur eingeschränkt zu nutzen seien. Grund seien, so teilte die Uni mit, defekte Lüftungsanlagen in der großen und in der alten Unihalle, sodass nur eine stark reduzierte Anzahl von Sportlern die Hallen nutzen darf. Schon das ist eine Einschränkung, die Schulen und Vereine massiv trifft. Denn sie dürften, je nach Größe ihrer Übungsgruppen, zum Teil nur ein Drittel der Sportler in die Hallen lassen. Geradezu grotesk mutet an, dass die Uni bis Donnerstag nicht in der Lage war, eine Person mit Schlüsselgewalt zu finden. So gelangten Schüler nicht einmal aufs Außengelände, obwohl es dort keine Lüftungsprobleme geben dürfte. Und der Verein für Hochschulsport, über den der Einlass eigentlich organisiert sein sollte, teilte am Donnerstag auf seiner Homepage immer noch mit, dass Spiel- und Trainingsbetrieb in allen Uni-Sporthallen „zunächst bis 31. Oktober“ nicht möglich seien.

Lesen Sie auch

Die Uni bedauerte über ihre Pressestelle am Donnerstagnachmittag den Vorfall sehr. Es habe offensichtlich Missverständnisse und Lücken in der Kommunikation zwischen Behörde, Hochschulsport und Universität gegeben. Zweifellos war das so. Und zum wiederholten Mal oder immer noch – je nachdem, wie der Außenstehende das Geschehen seit Ende Juli bewerten möchte. Die Universität versprach in der Erklärung, dass „die Sporthallen auf dem Campus und die Sporthalle Horn nun ab diesem Freitag zugänglich sind“. Ob das für die Außenplätze auch gelte, war trotz Rückfrage nicht abschließend zu klären. Sie seien ja zuvor nicht das Problem gewesen, sagte eine Sprecherin. Bis Donnerstag waren jedoch auch sie entgegen der Auskünfte geschlossen.

Wettkampfsport verboten

Die Verantwortlichen des TV Eiche Horn und der Schule Ronzelenstraße verlassen sich darauf, dass sie die Anlagen wieder nutzen können. Wolf startete ab 15.30 Uhr die nächste Telefonaktion mit Lehrkräften und Trainern. „Ich hoffe, dass ich sie alle noch erreichen kann“, sagte er. Zur gleichen Zeit sorgte sich Eiche-Horn-Geschäftsführer Fred Siegert um den Trainings- und Spielbetrieb seiner Badminton-Abteilung. Sie ist Nutzer der alten Unihalle an der Grazer Straße, in der laut Vorgabe der Uni derzeit nur maximal zehn Personen gleichzeitig Sport machen dürfen. „Zu einem Punktspiel treten beide Teams mit jeweils sechs Spielern an – das wäre in der Horner Halle also nicht möglich“, sagte Siegert. Ohnehin hat die Uni Wettkampfsport derzeit verboten, was Siegert auch nicht nachvollziehen kann. Es mache keinen großen Unterschied, ob Badmintonspieler nun beim Training oder im Punktspiel schwitzten. Wie Wolf, zeigte sich auch Siegert aber grundsätzlich optimistisch: „Wir hoffen“, sagte der Geschäftsführer, „dass die Personenzahl nach oben korrigiert oder die defekte Lüftungsanlage bald repariert wird.“

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+