Umjubelte Vorpremiere

Circus Roncalli begeistert mit neuer Show auf Bremer Bürgerweide

„Storyteller“ ist der Name der neuen Show des Circus Theaters Roncalli. Auf der Bürgerweide werden im Circus Zelt bis zum 15. Dezember Geschichten erzählt, die so bunt und poetisch wie Seifenblasen sind.
20.11.2019, 22:05
Lesedauer: 3 Min
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Circus Roncalli begeistert mit neuer Show auf Bremer Bürgerweide
Von Sigrid Schuer
Circus Roncalli begeistert mit neuer Show auf Bremer Bürgerweide

Ob unter der Circuskuppel, im Handstand oder auf dem Einrad - bei der Vorpremiere im Circus Roncalli begeisterten die Artisten am Mittwochnachmittag in einer zweieinhalbstündigen Show die Besucher.

Frank Thomas Koch

Die Blicke der beiden Freundinnen Josie und Fenja hängen wie gebannt an Zhenyu Li. Der asiatische Artist klettert immer höher auf seinen schwankenden Stäbchen-Türmen empor, bis er seine Handstand-Equilibristik bis fast ganz unter der Kuppel des Circus Roncalli vollführt. Doch ganz zum Schluss gerät das Gleichgewicht bedenklich außer Kontrolle.

Zhenyu Li setzt in schwindelnder Höhe noch zu einem letzten Spagat an und muss ihn abbrechen. Immer wieder wird er vom Publikum stürmisch angefeuert. Erst nach zwei Versuchen kann er die Nummer vollenden. Josie und Fenja haben zwischendurch die Luft angehalten. „Wir haben ganz schön mitgefiebert“, sagen die Freundinnen. Jetzt bejubeln sie wie alle anderen auch im ausverkauften Circus-Zelt die Leistung des Handstand-Artisten.

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Ganz nahe dran wollen die Grundschülerinnen am Geschehen des neuesten Roncalli-Programms „Storyteller - gestern, heute, morgen“ sein. Und so haben sie sich weit vorne auf die Kante der Treppenstufen gesetzt, um auch ja nichts zu verpassen. Die Gastspiele des Circus Theaters Roncalli sind für sie ein Muss: „Roncalli hat doch immer wieder tolle, neue Ideen“, betont Fenja.

Schon vor zwei Jahren waren sie dabei, um die Live-Show zu sehen, in der in Zeiten von Fake news und virtuellen Täuschungen alles echt ist. Einmal abgesehen von Pferden und einen Handstand vollführenden Elefanten, die Circus-Direktor Bernhard Paul ganz zu Beginn als Hologramme in die Manege zaubern lässt. Einblick in das „Morgen“. Denn Roncalli verzichtet ganz bewusst auf Tiernummern.

Publikumsliebling Chistirrin

Nach der letzten Nummer löst sich im Dreivierteltakt des Donauwalzers, wie das bei Roncalli Tradition ist, die Spannung und die Artisten tanzen mit den Zuschauern Walzer. Zu Beginn hatte Silke Hellwig, Chefredakteurin des WESER-KURIER, das Publikum begrüßt und sich sowohl bei ihm als auch beim Circus Roncalli für die Benefizvorstellung zugunsten der Weihnachtshilfe bedankt: „So können wir vielen Kindern ein schöneres Weihnachtsfest ermöglichen“.

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Doch dann heißt es: Manege frei! Mit Adèle Fame erobert die erste Tochter der Luft das Circusrund. An ihren Strapaten tanzt sie in rasantem Tempo unter der Circuskuppel. Schließlich lässt sie sich aus einem Spagat tief hinab ins Nichts fallen. Sie und ihre Kolleginnen sind die heimlichen Heldinnen der zweieinhalbstündigen Show.

Ebenso starke wie schöne Frauen sind auch Quincy Azzario und Bernhard Pauls Tochter Vivian, die mit Natalia Rossi das Duo „Queens of Baroque“ bildet. In einem Hauch von silbern schillerndem Nichts verbiegt Quincy Azzario ihren schlanken Körper mühelos in alle Himmelsrichtungen und balanciert dabei auf einer Hand. Ein Moment des konzentrierten Innehaltens, ein Hauch von Nervosität scheint in der Luft zu liegen. Dann die Krönung: Sie geht auf lose übereinander geschichteten, weißen Ziegelsteinen in den Handstand, um dann die aufgeschichtete Pyramide mit einem Streich zusammenstürzen und sich selbst ins Nichts fallen zu lassen.

Vivian Paul und Natalia Rossi wirbeln als Repräsentantinnen des „Gestern“ in knappen Barockkostümen an einem riesigen Kronleuchter in immer neuen, rasanten Variationen durch die Luft. Ob kopfüber an den Füßen hängend oder mit einer Kaskade waghalsiger Salti, immer ohne Netz und doppelten Boden. Schließlich werden sie in einen Gold-Regen aus Konfetti getaucht. „Was für Menschen, diese Artisten, die mit fantastischen, an die Grenzen des Menschenmöglichen gehenden, aber mit leichtem Lächeln und unter Kusshänden vollbrachten Leistungen bezaubern“, möchte man mit Felix Krull, dem Helden aus Thomas Manns gleichnamigem Schelmenroman, ausrufen!

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Als Publikumsliebling in „Storyteller“ erweist sich aber auch das Multitalent Chisterrin. Arriba - mit überbordendem Temperament saust der 28-jährige Mexikaner mit Flic Flacs durch die Manege und animiert das Publikum zu immer wieder neuen Begeisterungsstürmen. Dabei geht er ziemlich ungeniert auf Tuchfühlung. Der Musikclown unterbricht den Grandseigneur, Weißclown Gensi, beim Zaubern immer wieder mit naseweisen Musik-Attacken, mal spielt er zwei Trompeten auf einmal, greift dann zum Saxofon, um schließlich auf dem Einrad gleich drei Jonglagen zu vollführen. Zusätzlich hat ihm Bernhard Paul eine eigene Trapeznummer, eine Mischung aus Akrobatik und Commedia dell'Arte, auf den Leib komponiert. Neben Opa, Oma und Schwester sitzt Johann im Publikum und strahlt über‘s ganze Gesicht, wenn sein Lieblingsclown Chisterrin in der Manege so allerlei Schabernack treibt.

Vom Mr. Tamburin-Man zum Herrn der Robotik. Die Nummer RoboPole ermöglicht einen Blick in die Zukunft des Circus'. Ein Artist im Dress eines Ingenieurs setzt zu einem Pas de deux, nicht etwa mit einer Ballerina, sondern mit dem drei Tonnen schweren Roboter-Mädchen Pauline an. Und das blaue Monstrum hat durchaus seinen eigenen Kopf, katapultiert mit seinem Chinese Pole aus Karbon seinen Tanzpartner in höchste Höhen. Der balanciert fast senkrecht an der Pole empor und lässt sich im Handumdrehen in die Waagerechte fallen. Im nächsten Augenblick wird er von Pauline durch die Manege geschleudert. Et voilà: Noch zwei bejubelte Helden der Manege.

Weitere Informationen

Das Circus Theater Roncalli gastiert mit seinem neuen Programm „Storyteller“ bis Sonntag, 15. Dezember auf der Bürgerweide.

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