Festnahme in Bremen

Clan-Chef Ibrahim Miri in den Libanon abgeschoben

Der Clan-Chef Ibrahim Miri ist in der Nacht zum Mittwoch aus Deutschland in den Libanon abgeschoben worden. Polizisten nahmen den 46-Jährigen in Bremen fest.
10.07.2019, 18:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Marcel Auermann Ralf Michel
Clan-Chef Ibrahim Miri in den Libanon abgeschoben

Ibrahim M., hier bei einer Gerichtsverhandlung im Mai 2014, wurde in der Nacht zu Mittwoch abgeschoben.

Christoph Kellner

Ein großer Schlag gegen die organisierte Kriminalität. Die Behörden haben einen der führenden Köpfe des libanesischen Miri-Clans aus Bremen abgeschoben. Es handelt sich um den 46-jährigen Ibrahim Miri.

„Die besagte Person war ausreisepflichtig und wurde abgeschoben", sagte eine Sprecherin der Innenbehörde auf Nachfrage des WESER-KURIER am Mittwochabend. Aus übergeordneten Sicherheitsinteressen, die die Mitarbeiter der beteiligten Behörden betreffen, könne man keine weiteren Informationen zu dem Vorgang geben. Offenbar soll er in sein Heimatland gebracht worden sein. Seit 13 Jahren, seit Januar 2006, ist Ibrahim Miri vollziehbar ausreisepflichtig.

Als 13-Jähriger nach Bremen gekommen

Schon seit Jahren versucht Bremen, den Clan-Chef abzuschieben. Dem Vernehmen nach scheiterte der Versuch, ihn in die Türkei abzuschieben. Ibrahim Miri gilt als staatenlos. Er kam als 13-Jähriger aus dem Libanon nach Bremen. Ohne Ausweispapiere, wie die meisten aus der Großfamilie, die 2500 Mitglieder zählen soll. Gegen mindestens 1200 wurde bereits ermittelt. Der Polizei ist Ibrahim Miri bestens bekannt. Der Chef des inzwischen verbotenen Rockerclubs Mongols MC wird mit einer Vielzahl von Straftaten in Verbindung gebracht. 2014 wurde Ibrahim Miri wegen bandenmäßigen Drogenhandels zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren verurteilt. Bereits 2017 gab es erste Freigänge für ihn.

Aus dem Tiefschlaf in den Helikopter

Bei der Operation am Mittwochmorgen muss es sich um eine Art Nacht-und-Nebel-Aktion gehandelt haben. Die "Bild"-Zeitung berichtet, dass der Chef des Clans in seiner Unterkunft in Bremen von schwer bewaffneten Spezialkräften umstellt und aus dem Tiefschlaf gerissen worden sei. Dem Bericht zufolge wurde er in einem Hubschrauber unverzüglich zum Flughafen Berlin-Schönefeld geflogen, von wo aus es angeblich nach Beirut ging. Dort sei er von libanesischen Behörden in Empfang genommen worden. Die streng geheime Aktion soll den Titel "Störung der Nachtruhe des Herrn Miri" getragen haben und seit Monaten von Bremer und Berliner Behörden vorbereitet worden sein, denn die Hochburgen des Clans sind neben Bremen noch Berlin und Nordrhein-Westfalen. Neben Erpressung und Waffen sollen vor allem Kokain- und Marihuana-Handel zu den Tätigkeitsfeldern des Clans gehören.

Machtdemonstrationen und Imponiergehabe

Mitglieder des Miri-Familienclans in Bremen fielen in der Vergangenheit immer wieder durch Machtdemonstrationen und Imponiergehabe etwa auf der Discomeile und diversen Straftaten im öffentlichen Raum auf: Höhepunkt war im Januar 2006 eine Schießerei an der Discomeile, als Miris von einer rivalisierenden Gruppe angegriffen wurden. Mehr als 30 Schüsse wurden abgefeuert, mehrere Menschen verletzt. Im anschließenden Gerichtsprozess gab es Verurteilungen wegen versuchten Mordes, die Täter bekamen Haftstrafen von fünf bis acht Jahren.

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Seit dieser Schießerei gingen die Bremer Sicherheitsbehörden massiv im öffentlichen Raum gegen Clankriminalität vor. Die Präsenz der Sicherheitsbehörden führte zu einer Trendwende im Auftreten der kriminellen Clans in Bremen. Es gebe zwar spontane Eskalationen und Zusammenrottungen, aber keine systematische Zurschaustellung von Machtansprüchen mehr. "Weil sie wissen, dass wir sie sehr genau im Fokus haben“, aber wohl auch, „weil sie aus bestimmten Dingen gelernt haben und sich entsprechend anpassen", wie der Bremer Kripo-Chef Daniel Heinke dem WESER-KURIER im Januar sagte.

Razzien gegen Clankriminalität

„Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die nicht alle aufgehört haben, kriminellen Aktivitäten nachzugehen. Wir betrachten Banden- und Organisierte Kriminalität gerade im Kontext ethnisch abgeschotteter Gruppierungen weiterhin als sehr ernsthaftes Problem", sagte Heinke. Viele Angehörige der in Bremen ansässigen Clans seien stark in kriminelle Strukturen eingebunden.

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In Berlin und im Ruhrgebiet geht die Polizei immer wieder mit Razzien gegen Clankriminalität vor: Im Januar dieses Jahres etwa sprach das nordrhein-westfälische Innenministerium von der „größten Razzia gegen Clankriminalität in der Geschichte der Bundesrepublik“. Ein Großaufgebot von 1300 Polizisten war dabei im Einsatz. Im vergangenen Herbst gab es bei einer Razzia in Bremen eine Reihe von Verhaftungen und wie in Berlin Vermögensabschöpfung durch das Beschlagnahmen von Immobilien und Fahrzeugen.

+++ Dieser Artikel wurde um 19:59 Uhr aktualisiert +++

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