Vertrag läuft zunächst aus

Bremer Corona-Ambulanz vor möglichem Umzug

Die Corona-Ambulanz an der Messe Bremen muss sich wohl einen neuen Standort suchen: Der Vertrag läuft Ende August aus. Derzeit gibt es Gespräche zwischen Behörde und Messe über eine Alternative auf dem Gelände.
08.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sabine Doll und Patricia Brandt
Bremer Corona-Ambulanz vor möglichem Umzug

Am 23. März ist die Corona-Ambulanz vom Klinikum Bremen-Mitte in die Messehallen 5 und 6 umgezogen.

Frank Thomas Koch

Die Corona-Ambulanz in der Messe Bremen muss sich womöglich schon bald einen anderen Standort suchen. Das bestätigt der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann, dem WESER-KURIER. „Wir wollen den Standort unbedingt beibehalten, weil dies ein optimaler Platz wegen der Nähe zum Hauptbahnhof ist. Derzeit stehen wir mit der Messe in Gesprächen über Alternativen auf dem Gelände.“

Am Donnerstag hatte die Messe Bremen mitgeteilt, dass nach aktuellen Plänen die Urlaubsmesse Reiselust sowie die Caravan vom 6. bis 8. November stattfinden soll – in sämtlichen sieben Hallen, um die Veranstaltungen wegen der Corona-Auflagen weitläufiger gestalten zu können. In den Messehallen 5 und 6 ist seit 23. März die Corona-Testambulanz des städtischen Klinikverbunds Gesundheit Nord (Geno) untergebracht. Ende August läuft der Vertrag – zunächst – aus, das bestätigen Gesundheitsbehörde und Messe.

Standort im Außenbereich ist keine Option

Bis November könnte es eine Vertragsverlängerung für die Hallen 5 und 6 geben: Wie es danach weitergehen soll, vor allem wenn der Messebetrieb mit entsprechenden Hygienekonzepten in allen Hallen wieder aufgenommen werden sollte, ist Gegenstand der Gespräche über Alternativen auf dem Gelände. Ein Standort im Außenbereich, etwa in einem Zelt, komme keinesfalls infrage, so Fuhrmann. „Ganz klar ist, er muss sich im Innenbereich befinden.“ Ende Oktober laufe das Verbot von Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen aus, dies sei richtig, sagt der Behördensprecher mit Blick auf die Veranstaltungspläne der Messe. Es könne aber auch sein, dass es verlängert werde; ohnehin könne im Moment niemand sagen, wie sich das Infektionsgeschehen im Herbst entwickle.

Ein neuer Standort – ob in der Messe oder woanders – muss vor allem groß genug sein: Im Juli wurden in den Hallen 5 und 6 etwa 1500 Tests vorgenommen, seit Aufnahme des Betriebs Ende März waren es laut Fuhrmann insgesamt um die 8000. Die Corona-Ambulanz in der Messe wird für sogenannte präventive Abstriche genutzt: Kontaktpersonen sowie Beschäftigte aus Kitas und Schulen werden dort zum Beispiel getestet, auf Zuweisung des Gesundheitsamts. Neuerdings ist die Messe-Ambulanz auch Anlaufstelle für Reiserückkehrer, die nicht am Flughafen ankommen und dort abgestrichen werden. An diesem Sonnabend tritt die Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten bundesweit in Kraft, auch Einreisende aus Nicht-Risikogebieten können sich freiwillig kostenlos testen lassen.

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Die Zahl der Corona-Tests im Land Bremen ist seit Pandemiebeginn kontinuierlich angestiegen. „Inzwischen liegen wir bei wöchentlich etwa 8000 Tests“, so der Behördensprecher. Im April waren es zum Vergleich etwas mehr als 1800. Insgesamt wurden laut dem Behördensprecher bislang mehr als 100 000 Tests – darunter auch Mehrfachtests – im Land Bremen vorgenommen. Dazu zählen auch Tests in Arztpraxen oder Krankenhäusern.

Durch die Reiserückkehrer, nicht nur nach den Sommerferien, und die Zunahme präventiver Reihentests etwa von Beschäftigen in Schulen, Kitas, Pflegeheimen und anderen Einrichtungen werden die Testzahlen mindestens auf dem aktuellen Niveau bleiben, wenn nicht sogar zunehmen, betont Fuhrmann. Künftig soll auch deshalb die Kassenärztliche Vereinigung Bremen (KVHB) bei den präventiven Tests mit ins Boot geholt werden. Die KVHB betreibt in der Vahr – seit Juni – und im Bremer Norden – seit April – jeweils eine Corona-Ambulanz. Bislang werden dort ausschließlich symptombezogene Corona-Tests vorgenommen: Menschen mit Symptomen, die auf eine Coronavirus-Infektion hindeuten könnten, werden von einem niedergelassenen Arzt zum Abstrich in diese Ambulanzen überwiesen.

Gespräche mit der KVHB

Dies soll sich laut der Gesundheitsbehörde ändern: „In den anderen Bundesländern beteiligen sich die Kassenärztlichen Vereinigungen auch an präventiven Testungen. Wir sind jetzt mit der KVHB in Gesprächen, unter anderem wegen künftiger Reiserückkehrer-Testungen in den Ambulanzen. Aber auch, ob und wie sich die KVHB der Testungen am Flughafen annehmen könnte“, sagt Behördensprecher Fuhrmann. An diesem Freitag hat dazu eine Runde getagt. „Das Land ist an uns mit dem Wunsch herangetreten, dass künftig unter anderem auch Reiserückkehrer in unseren Ambulanzen getestet werden“, sagt KVHB-Sprecher Christoph Fox. Rückkehrer etwa, die per Auto, Bahn oder Bus ankommen.

Dafür müsste laut Fox das Personal aufgestockt werden: „In der Ambulanz in der Vahr sind aktuell drei bis vier medizinische Fachangestellte sowie ein Arzt beschäftigt. In Vorbereitung auf den Herbst hatten wir ohnehin eine personelle Aufstockung geplant, deshalb werden seit einiger Zeit Bewerbungsgespräche unter anderem mit medizinischen Fachangestellten und Rettungssanitätern geführt.“ Würden künftig auch Reiserückkehrer in der KVHB-Ambulanz präventiv getestet, müsse das Personal weiter hochgefahren werden, so Fox. „In jedem Fall muss es eine Trennung zwischen symptombezogenen und präventiven Testpersonen geben, dies könnte über ein Zwei-Schicht-System möglich sein.“ Ab wann konkret die KVHB in das präventive Corona-Testgeschehen einsteigt, steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht fest.

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Auch in den Corona-Ambulanzen der KVHB steigen die Testzahlen kontinuierlich: im Bremer Norden von April bis Ende Juli von 468 auf 698. Im gesamten Zeitraum wurden dort laut Fox 2247 Corona-Tests vorgenommen. 144 Personen, die in diesem Zeitraum dort für einen Test angemeldet waren, erschienen nicht zum Termin. In der Corona-Ambulanz in der Vahr wurden nach Angaben des Sprechers von Juni bis Ende Juli 4200 Termine vergeben, 173 Testkandidaten blieben weg. Ein Bußgeld erwartet die Testverweigerer nicht.

Über die Gründe für das Wegbleiben möchte der KVHB-Sprecher nicht spekulieren. „Wir können hier noch keine große Linie erkennen. Für uns ist das Ganze vor allem ärgerlich, weil der Praxisablauf gestört wird“, betont Fox. Die Termine in den beiden KV-Ambulanzen seien dicht getaktet. „Wir haben manchmal Zwei- bis Drei-Minuten-Takte.“ Dies sei wichtig, um die Arbeitsabläufe in den Ambulanzen möglichst effektiv zu gestalten. Die Taktung und das gewissenhafte Einhalten der Termine solle auch Warteschlangen verhindern. Für die Corona-Ambulanz in den Messehallen gibt es solche Zahlen nicht: Das Gesundheitsamt vergibt keine Termine, betont Behördensprecher Fuhrmann.

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