Knapp 40 Probanden am Eröffnungstag

Neue Corona-Ambulanz der Kassenärzte

Nach zehn Wochen bietet jetzt auch die Kassenärztliche Vereinigung in Bremen eine eigene Corona-Ambulanz an. Aber nicht alle Verdachtsfälle kommen hier zum Zuge.
03.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Neue Corona-Ambulanz der Kassenärzte
Von Timo Thalmann
Neue Corona-Ambulanz der Kassenärzte

Tief aus dem hinteren Rachenraum muss beim Abstrich die Probe entnommen werden, um auf das Coronavirus testen zu können.

Hendrik Schmidt /dpa-Zentralbild /ZB

Knapp 40 Patienten bereits nach dem ersten halben Tag, so lautet die Eröffnungsbilanz der neuen Corona-Ambulanz in der Vahr. Das von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) seit Dienstag eingerichtete Angebot soll bis auf Weiteres die bereits bestehenden Corona-Ambulanzen in Bremen-Blumenthal sowie in den Hallen 5 und 6 am Messezentrum ergänzen.

Wie die übrigen Anlaufstellen für Verdachtsfälle, kann auch die neue Ambulanz ausschließlich mit einer ärztlichen Überweisung genutzt werden. Vorgesehen ist sie allerdings ausschließlich für Patienten mit den klinischen Symptomen einer Covid-19 Erkrankung. Deswegen ist nur mit einem zuvor individuell vereinbarten Termin hier ein Rachenabstrich möglich. „Wir wollen die Verdachtsfälle mit entsprechenden Symptomen von denen trennen, die etwa aufgrund des Kontakts zu einem Infizierten getestet werden“, erläutert Christoph Fox, Sprecher der KV, den Grund für die neue Ambulanz.

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Das folgt nicht nur einer medizinischen, sondern auch einer finanziellen Logik des Systems: Die Kassenärztliche Vereinigung als Vertretung der niedergelassenen Ärzte sieht sich in erster Linie dafür zuständig, Kranke zu versorgen. „Für Tests an gesunden Probanden aus Gründen des Seuchenschutzes oder auch vorbeugenden Corona-Tests beispielsweise beim Pflegepersonal ist das Gesundheitsamt in der Verantwortung“, sagt Fox. Damit müsse das Land auch diese Art von Tests finanzieren.

„Das ist in den zurückliegenden Wochen aufgrund der schnellen, aber eben auch improvisierten Umsetzung bei den Corona-Ambulanzen etwas durcheinander gegangen“, sagt Fox. So habe beispielsweise die KV bislang die Ärzte in den vom Land Bremen eingerichteten Ambulanzen bezahlt. Mit der eigenen Amulanz der kassenärztlichen Vereinigung sei das beendet. Medizinisches Fachpersonal der KV und eigens engagierte Honorarärzte übernehmen die Versorgung.

Ein gescheiterter Versuch

Dass der Weg dahin rund zehn Wochen in Anspruch nahm, lag an dem letztlich gescheiterten Versuch, dabei mit dem Bremer Hausärzteverband zu kooperieren. Die Hausärzte hatten dazu vorgearbeitet und schon ab März in Bremen vier sogenannte gemeinsame Infektions-Untersuchungsstellen (GIU) in vorhandenen Praxen eingerichtet. Dort wurden unter dem Eindruck knapper Ressourcen etwa bei der Schutzkleidung für das Personal alle Patienten mit Atemwegsbeschwerden unklarer Ausprägung zur Untersuchung angemeldet.

Die übrigen Praxen sollten so entlastet werden. Rachenabstriche für Corona-Tests wurden dort allerdings nicht durchgeführt. Sie sollten nach der Vereinbarung mit der KV möglich werden. Allerdings bestand der Hausärzteverband darauf, dass ausschließlich Hausärzte alle weiteren Behandlungen koordinierten. „Das war für uns als Körperschaft öffentlichen Rechts mit einer Zuständigkeit für die gesamte Ärzteschaft nicht möglich“, begründet Fox das Scheitern.

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Die jetzt eingerichtete eigene Corona-Ambulanz der KV hinterlässt bei Hans-Michael Mühlenfeld als Vorsitzendem des Bremer Hausärzteverbandes darum auch einige Fragezeichen. „Eine echte Ambulanz mit entsprechender Nachsorge für die Patienten ist das meines Erachtens nicht.“ Tatsächlich bietet die Ambulanz ausschließlich den Rachenabstrich für den Corona-Test an. Alle weitergehenden Untersuchungen und Therapieangebote bleiben in der Zuständigkeit der einweisenden Ärzte. „Testergebnisse übermittelt das Labor direkt an Ärzte, Patienten und gegebenenfalls an das Gesundheitsamt“, ergänzt Fox. Die neue Corona-Ambulanz sei in diesem Sinne eine Ergänzung zum Praxisangebot der niedergelassenen Ärzte, ähnlich wie der kassenärztliche Notdienst parallel zu den stationären Notaufnahmen der Krankenhäuser angeboten werde.

Allerdings existieren auch die GIU-Praxen der Hausärzte weiter, wenngleich sie aufgrund der aktuell rückläufigen Pandemie-Entwicklung im „Schlafmodus“ sind, wie Mühlenfeld beschreibt. „Sollten die Infektionszahlen wieder steigen, haben wir allerdings ad hoc eine hilfreiche Struktur.“ Soweit genügend Schutzausrüstung für das Personal vorhanden ist, seien zudem auch Abstriche direkt in den GIU-Praxen denkbar.

Eine regelmäßige Test-Strategie des öffentlichen Gesundheitsdienstes

In diesem Zusammenhang fordert der Bremer Hausärzteverband, dass die Beschaffung solcher Ausrüstung auch weiterhin eine staatliche Aufgabe bleiben sollte. Zusätzlich wünschen sich die Hausärzte für alle Einrichtungen des Gesundheitswesens und insbesondere für die Alten- und Pflegeheime eine funktionierende und wissenschaftlich begleitete regelmäßige Test-Strategie des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Und nicht zuletzt fordern sie auch für ihr medizinisches Personal einen Corona-Bonus, wie in der Alten- und Krankenpflege.

Mit dieser Idee findet der Verband im Bremer Gesundheitsressort jedoch keinen Verbündeten, etwa um die Forderung nach Berlin zu tragen. „Grundsätzlich halte ich es für nachhaltiger und würdiger, wenn das Fachpersonal durch gute Tarifverträge regelmäßige auskömmliche Einkommen hat“, teilt Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) auf Anfrage dazu mit.

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