Flughafen Bremen: 4600 Rückkehrer getestet

Bremens Testzentrum für digitale Werkzeuge

Mit Beginn der Urlaubssaison ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen bundesweit gestiegen. In Bremen stellen Reiserückkehrer gut ein Viertel der Neuinfektionen. Am Flughafen wurden tausende Menschen getestet.
19.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremens Testzentrum für digitale Werkzeuge
Von Timo Thalmann
Bremens Testzentrum für digitale Werkzeuge

Knapp 4600 Reiserückkehrer haben sich vom 1. August bis vorigen Sonntag direkt am Bremer Flughafen auf eine Corona-Infektion testen lassen, davon waren 13 Abstriche positiv. Inzwischen stellen Reiserückkehrer rund ein Viertel der Infektionen in Bremen.

Frank Thomas Koch

Als Axel Busse Anfang August aus Mailand nach Deutschland zurückkehrte und nach einem Zwischenstopp in München in seiner Bremer Heimat landete, war es für ihn eine Selbstverständlichkeit, die Corona-Testambulanz am Flughafen aufzusuchen. „Das war freiwillig, Italien gilt offiziell nicht als Risikogebiet“, sagt Busse, der sich geschäftlich drei Tage in Mailand aufgehalten hatte. Aber er wollte auf Nummer sicher gehen. Nach inzwischen 14 Tagen ohne weitere Symptome kann er das wohl auch. Der Test hat ihm dabei allerdings nicht geholfen, denn bis heute hat er kein Ergebnis erhalten.

Aus Sicht des Bremer Gesundheitsressorts einer von wenigen „unerklärlichen Einzelfällen“, denn laut Sprecher Lukas Fuhrmann sieht sich Bremen gerade mit dem Testzentrum am Flughafen „sehr weit vorne“ im Vergleich der Bundesländer. Dazu zählt er gleich mehrere Faktoren auf. So ist das Testzentrum innerhalb des Sicherheitsbereichs platziert, also dort wo auch Gepäckausgabe, Zoll und Passkontrollen zu Hause sind. „Man kommt im Grunde nicht daran vorbei.“

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Nach der ersten Woche mit klassischer Zettelwirtschaft ist zudem erstmals ein digitaler Datenfluss zwischen allen Beteiligten etabliert. Das heißt, die Daten der Reisenden, die sich testen lassen, werden direkt vor Ort digital erfasst, im Idealfall durch Auslesen ihrer Versichertenkarte. Schwierigkeiten wie in Bayern, die daraus entstanden, Testergebnisse und Getestete von Hand nachträglich zusammenbringen zu müssen, sollen so gar nicht erst entstehen. Passiert aber wohl doch, wie das Beispiel von Axel Busse zeigt, der als privat Versicherter über keine Krankenkassenkarte verfügt. Möglich auch, dass seine Angaben wie bei einigen weiteren Fällen genau im Moment der Umstellung von Papier auf digital unter die Räder kam.

Um den Getesteten die Ergebnisse zeitnah zukommen zu lassen, setzen die Bremer Gesundheitsbehörden auch auf die Corona-Warn-App des Robert Koch-Instituts. Die dafür notwendigen QR-Codes werden direkt vor Ort erzeugt. Mit ihnen kann das Labor das Testergebnis automatisch und datenschutzrechtlich korrekt in die App einspielen und der jeweils Betroffene das Ergebnis dann individuell auslesen. Auch das Bremer Gesundheitsamt hat damit erstmals direkten digitalen Zugriff auf die Ergebnisse des Labors. Das Dreieck aus Labor, Gesundheitsamt und Patient ist damit vollständig digital abgebildet. Genau so ist der Datenfluss in die Corona-Warn App auch von Anfang an gedacht, aber eben längst noch nicht flächendeckend realisiert.

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Wer keine App hat, bekommt alternativ die Adresse einer zentralen Webseite des Bundes und einen weiteren Code, mit dem er dort sein Testergebnis abrufen kann. Alle sechs Stunden werden die Daten der Webseite aktualisiert. „Damit ein positiver Befund nicht übersehen wird, bekommt das Gesundheitsamt trotzdem noch zusätzlich eine Faxnachricht sowie eine telefonische Mitteilung des Labors“, sagt Fuhrmann. Darum solle man sich über Meldungen in der Corona-Warn-App, der Test sei fehlerhaft oder nicht auswertbar, auch keine sorgenvollen Gedanken machen, rät Fuhrmann. „Wer mit Corona infiziert ist, bekommt in jedem Fall eine Nachricht des Gesundheitsamtes.“

Soweit dies Reisende mit Wohnsitz außerhalb Bremens betrifft, informieren die Bremer ihre dortigen Kollegen, denn rein rechtlich kann nur das örtlich zuständige Gesundheitsamt zum Beispiel eine Quarantäne anordnen. Insgesamt dreizehn Mal war das bei rund 4600 getesteten Reiserückkehrern zwischen dem 1. und 16. August am Bremer Flughafen bislang der Fall. Laut Fuhrmann mehrheitlich als das Resultat freiwilliger Tests von Reisenden, die nicht aus einer Risikoregion heimgekehrt sind. Im gleichen Zeitraum fielen in der Corona-Ambulanz an der Messe 14 Positive Befunde an, bei insgesamt 1682 Tests. Davon machten Reiserückkehrer mit 1412 Tests den Löwenanteil aus. „Seit Beginn der Urlaubssaison am 1. Juli sorgen Reiserückkehrer bisher für knapp ein Viertel der Neuinfektionen in Bremen“, bilanziert Fuhrmann.

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Inzwischen sorgt die ausgeweitete Möglichkeit, sich als Reiserückkehrer unabhängig von Reiseziel und Symptomen kostenfrei testen zu lassen, für erste Engpässe in den Ambulanzen. Dass mit Spanien und den Balearen neben der Türkei ein weiteres Reiseziel zum Risikogebiet erklärt wurde, das auch von Bremen direkt angeflogen wird, kommt als zusätzlicher Faktor für den gestiegenen Andrang seit voriger Woche obendrauf.

Das Nadelöhr sind nicht die Laborkapazitäten, wohl aber das Personal, dass die Abstriche von den Probanden nimmt. Am Flughafen unterstützen Sanitäter der Bundeswehr die Arbeit, in der Corona-Ambulanz an der Messe mussten jetzt an zwei Tagen erstmals Testwillige wieder nach Haus geschickt werden. „Wir führen jetzt dazu Gespräche mit den Hilfsorganisationen“, sagt Fuhrmann. Man wolle ausloten, wie zum Beispiel Rotes Kreuz oder Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) die Arbeit der Ambulanzen unterstützen könne. Auch bei der Gesundheit Nord würden weitere Möglichkeiten geprüft.

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