Gesundheitsressort nennt Zahlen

2845 Quarantäne-Fälle in Schulen und Kitas in Bremen

Erstmals hat das Bremer Gesundheitsressort Zahlen genannt, wie viele Schüler als Kontaktperson der ersten Kategorie zu Hause bleiben müssen. Niedersächsische Gastschüler fallen aus der Statistik heraus.
12.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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2845 Quarantäne-Fälle in Schulen und Kitas in Bremen
Von Timo Thalmann
2845 Quarantäne-Fälle in Schulen und Kitas in Bremen

An einzelnen Bremer Schulen bleiben teilweise ganze Jahrgänge derzeit zu Hause.

Caroline Seidel /dpa

Laut Bremer Gesundheitsamt sind aktuell 2845 Kinder, Jugendliche, Lehrer und Erzieher aus Bremer Schulen und Kindergärten als Kontaktpersonen der Kategorie eins in Quarantäne. Sie hatten direkten und längeren Kontakt zu einer später positiv auf Corona getesteten Person.

Die Gesundheitsbehörde hat diese Angaben jetzt erstmals auf Anfrage des WESER-KURIER gemacht. Das Bildungsressort erhebt diese Daten bislang nicht, wenngleich die Zahlen ausschließlich auf Rückmeldungen der Schulen beruhen. Die Schulleiter übermitteln bei einem Infektionsfall unter Schülern, Lehrern oder anderem pädagogischen Personal die möglichen Kontaktpersonen an das Gesundheitsamt. Dort wird nach Prüfung die notwendige Quarantäne angeordnet. Dabei weichen die Zahl der unter Quarantäne gestellten Personen und die Zahl der übermittelten Kontaktpersonen gewöhnlich voneinander ab.

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Weil allein das Gesundheitsamt rechtlich befugt ist, die Quarantäne anzuordnen, hat der Senat am Dienstag beschlossen, dass Schulen Kontaktpersonen der Kategorie eins künftig zumindest unmittelbar anweisen können, sich in „Selbstisolation“ zu begeben. So sollen Schulen selber schneller handeln könne, während sie auf Verfügungen des Gesundheitsamtes warten.

Weil nur das aufgrund des Wohnortes zuständige Gesundheitsamt die amtliche Quarantäne anordnen darf, kann sich der Ablauf von der Meldung einer möglichen Kontaktperson bis zur Verfügung der Quarantäne zusätzlich verzögern, falls betroffene Schüler oder Lehrer nicht in Bremen wohnen.

2000 Schüler mit Wohnsitz in Niedersachsen

Aus dem gleichen Grund sind in den oben genannten Zahlen auch keine Schüler oder Lehrer berücksichtigt, die ihren Wohnsitz in Niedersachsen haben. Das trifft auf über 2000 der insgesamt knapp 74.000 Schülerinnen und Schülern in Bremen zu. Die Zahl der Quarantänefälle dürfte deshalb noch etwas höher liegen. Dafür spricht auch der überproportional hohe Anteil der Sechs- bis 19-jährigen an den Corona-Infektionen in den vergangenen Wochen in Bremen und bundesweit.

Genaue Zahlen zu den von Quarantäne betroffenen Schülern und Lehrern veröffentlicht das niedersächsische Kultusministerium nicht. Die Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg haben hingegen entsprechende Statistiken bekannt gegeben. Auf deren Grundlage und eigenen Meldungen aus den Mitgliedsverbänden hat Heinz-Peter Meidinger als Präsident des Deutschen Lehrerverbandes eine Schätzung über mehr als 300.000 Schüler und bis zu 30.000 Lehrer abgegeben, die sich aktuell bundesweit in Quarantäne befinden sollen.

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„Das entspräche zwar angesichts der Gesamtzahl von rund elf Millionen Schüler einem Anteil von lediglich knapp drei Prozent, hat aber enorme Auswirkungen“, sagt Meidinger. Durch fehlende Lehrkräfte falle viel Unterricht ersatzlos aus. „So bekommen wir dann doch zahlreiche Schulschließungen in einer Salamitaktik präsentiert, während die Bildungspolitik durchgehend an einem Weiterbetrieb unter allen Umständen festhält.“ Der Präsident des Lehrerverbandes fordert bundesweit einheitliche Regeln zum Beispiel für die Teilung von Klassen und den Wechsel von Homeschooling und Präsenzunterricht, die sich am allgemeinen Infektionsgeschehen orientierten.

Unterricht abwechselnd vor Ort sowie von zu Hause

In Niedersachsen sind laut Kultusministerium in Hannover derzeit zwölf Schulen wegen Corona komplett geschlossen, darunter die Grundschule Falkenberg in Lilienthal sowie die Haupt- und Realschule Ritterhude. An weiteren 348 Schulen befinden sich einzelne Klassen oder Lerngruppen nicht im Unterricht, so etwa am Gymnasium am Markt in Achim und in der Grundschule Deichhorst in Delmenhorst. 319 Schulen organisieren ihren Unterricht abwechselnd je zur Hälfte mit Präsenz vor Ort sowie im Distanzlernen von zu Hause aus. Insgesamt gibt es in Niedersachsen 35.000 Klassen an 3000 Schulen mit mehr als einer Million Schülern und 100.000 Lehrkräften.

In Bremen ist offiziell keine Schule geschlossen, doch teilweise bleiben an einzelnen Standorten ganze Jahrgänge derzeit zu Hause. An einer Schule fällt deswegen ein Drittel der Lehrkräfte aus. Aktuell meldet das Gesundheitsressort unter Bremer Schülern 164 Infektionsfälle, davon zwölf an Grundschulen, 76 in den weiterführenden Schulen sowie weitere 76 an den berufsbildenden Schulen. Bei den Lehrkräften gibt es über alle Schularten hinweg zwölf Corona-Infektionen. In den Bremer Kindergärten sind aktuell 20 Kinder und 50 pädagogische Kräfte positiv getestet.

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