Infektionslage in der Region

Corona bei Bremens Nachbarn

Auch das Umland hat mit steigenden Corona-Zahlen zu kämpfen. Ein Blick auf die Infektionslage in Bremen und der Region – und ihre Ursachen.
24.10.2020, 05:00
Lesedauer: 6 Min
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Von Aus unseren Regionalredaktionen

Moderat hier, extrem da, massive Anstiege dort: Die Infektionslage im Bremer Umland ist äußerst uneinheitlich. So gibt es Landkreise wie die Wesermarsch, die derzeit in einem vergleichsweise geringen Maß vom Coronavirus betroffen ist – hier liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei weniger als 20 Fällen auf 100.000 Einwohner. Und dann gibt es zum Beispiel die Stadt Delmenhorst, die mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von jenseits der 200 weiterhin als eines der stärksten betroffenen Gebiete bundesweit gilt. Die jeweiligen Gesundheitsämter haben teilweise konkrete Schwerpunkte nachgewiesen wie im Landkreis Verden, wo die Stiftung Waldheim mit ihren Einrichtungen für betreutes Wohnen stark betroffen ist.
Andernorts indes ist das Infektionsgeschehen diffuser.

Bremen: Anstieg leicht gebremst

Nachdem am Donnerstag mit 146 Neuinfektionen ein Rekordwert für die Stadt Bremen gemeldet wurde, ist der Anstieg am Freitag leicht zurückgegangen: Das Gesundheitsamt meldete 130 neue Covid-19-Fälle. Der Inzidenzwert ist trotzdem längst über die Schwelle von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner geklettert, seit dem 7. Oktober gilt die Stadt Bremen als Risikogebiet.

Sprecher Lukas Fuhrmann sagt, es gebe zurzeit keine klassischen Infektionsherde wie noch im Frühjahr, als das Virus vor allem in Pflegeheimen oder Krankenhäusern grassierte. Stattdessen würde es in der gesamten Stadt und in allen Lebensbereichen zu Infektionen kommen. Aktuell werden 71 Corona-Patienten in Krankenhäusern versorgt. Davon liegen 13 Patienten auf Intensivstationen, sechs von ihnen müssen beatmet werden.

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Cuxhaven: 71 akute Fälle

Auf der Inzidenz-Ampel für Niedersachsen gehörte der Kreis Cuxhaven am Freitag noch zu den grünen Gebieten. Das könnte sich aber schnell ändern, denn auch an der Küste stieg der Inzidenzwert binnen eines Tages um fast neun Punkte auf aktuell 28,28. Von den 71 akuten Infektionsfällen werden 24 in Cuxhaven selbst verortet. Eine 90-jährige Bewohnerin der Stadt war am Freitag das 24. Todesopfer im Kreis im Zusammenhang mit der Pandemie.

Im Umfeld eines Alten- und Pflegeheimes der Seestadt gibt es fünf Fälle, ein Cluster in der Tagespflege Schiffdorf breitete sich mit drei weiteren Infektionen (insgesamt vier) aus. Dort sei die Lage aber beherrschbar, so Landrat Kai-Uwe Bielefeld, weil sofort umfassend reagiert worden sei.

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Bremerhaven: Infektionszahlen steigen an

Seit dem vergangenen Wochenende steigt die Zahl der Neuinfektionen auch in der Stadtgemeinde Bremerhaven stark an. Inzwischen liegt der Inzidenzwert bei 28,0. Die Neuinfektionen seien dabei auf verschiedene Ursachen zurückzuführen, sagt Stefan Zimdars, Sprecher des Bremerhavener Gesundheitsamtes. „Wir hatten einen Ausbruch in einer Pflegeeinrichtung und mehrere Infizierte in einer Firma.

Ansonsten sind es vor allem Einzelfälle.“ Die Infektionsketten seien aber weitestgehend noch nachzuverfolgen. In den drei Krankenhäusern in der Stadt werden aktuell fünf Corona-Patienten aus Bremerhaven versorgt, zwei dieser Patienten liegen auf der Intensivstation und müssen künstlich beatmet werden.

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Wesermarsch: Krank nach Familienfeiern

Der Inzidenzwert in der Wesermarsch steigt aktuell wieder an. Am Freitag lag er bei 16,9 (am Vortag bei 13,5) und es gab acht neue Corona-Fälle, verteilt auf vier Kommunen. Von insgesamt 287 Erkrankten sind 225 genesen, acht Menschen gestorben, 54 aktuell erkrankt. Den höchsten Krankenstand hat immer noch die südlichste Wesermarsch-­Gemeinde Lemwerder mit aktuell 28 Infizierten.

Lemwerder hatte Anfang Oktober besonders hohe Infektionszahlen, die Kreisverwaltung verschärfte für die 7000-Einwohner-Gemeinde die Kontaktbestimmungen, Lemwerder galt als Risikogebiet. Ursache waren laut Landrat Thomas Brückmann drei Familienfeiern in Bremen mit bis zu mehreren Hundert Gästen, Lemwerderaner feierten mit.

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Oldenburg: Zu viel Sorglosigkeit

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 130,6 ist der Landkreis Oldenburg weiter ein Risikogebiet. In den vergangenen 24 Stunden ist die Zahl der Infizierten um 46 Fälle gestiegen, wie Kreissprecher Oliver Galeotti mitteilt. Die aktuell 249 Infizierten verteilen sich dabei auf das gesamte Kreisgebiet. Infektionsschwerpunkte sind nach wie vor die Fleisch- und Schlachtbranche und eine Seniorenunterkunft in Großenkneten.

Etwas hat sich noch verändert: Eine zunehmende Sorglosigkeit bei der Einhaltung der Coronaregeln registriert die Kreisverwaltung im Rahmen der Kontaktnachverfolgung. „Immer häufiger zeichnet sich ab, dass es eine nicht zu tolerierende zunehmende Lässigkeit und Sorglosigkeit gibt“, sagt der Erste Kreisrat Christian Wolf.

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Oldenburg (Stadt): Lage weiterhin stabil

Mit einem Sieben-Tages-Inzidenzwert von 17,2 Corona-Erkrankten pro 100.000 Einwohner ist die Lage in Oldenburg weitgehend stabil. Doch Oberbürgermeister Jürgen Krogmann hat seine Bedenken, ob das bleiben wird. „Das Zusammentreffen von kälterer Jahreszeit und steigenden Zahlen verlangt von uns allen mehr Aufmerksamkeit“, teilt er auf der Internetseite der Stadt mit, und weiter: „Wir befinden uns weiterhin mitten in der Pandemie. Dass die Infektionszahlen seit einigen Tagen wieder steigen, hat mit einer schleichend wachsenden Sorglosigkeit mancher Menschen zu tun. Es ist keine Lappalie, sich nicht an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten.“

Der bisherige Höchststand der Erkrankten lag laut des Gesundheitsamtes der Stadt Oldenburg am 19. Oktober bei einem Inzidenzwert von 31,9. Seitdem sind die Zahlen wieder gesunken. Bisher gab es insgesamt 486 Erkrankte. Davon sind bis jetzt 402 Patienten genesen, drei sind gestorben, 81 sind noch erkrankt.

Delmenhorst: Inzidenz bei 230,5

Die kreisfreie Stadt Delmenhorst zählt nach wie vor bundesweit zu den Kommunen mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz. Am Freitag meldete das Gesundheitsamt 24 Neuinfektionen binnen 24 Stunden und eine Inzidenz von 230,5. Die Stadt hat am 8. Oktober den kritischen Wert von 50 überschritten und ist somit seit mehr als zwei Wochen ein Corona-Risikogebiet.

In diesem Zeitraum hat sich die Zahl der Infektionen mehr als verdoppelt. 247 registrierte Fälle gab es am 8. Oktober, derzeit sind es 600. Davon sind aktuell 292 Menschen infiziert, für 515 Personen gilt eine angeordnete häusliche Quarantäne. Am 16. August gab es das vierte Todesopfer in Verbindung mit Covid-19, seitdem hat sich diese Zahl nicht erhöht. 14 Delmenhorster waren am Freitag in stationärer Behandlung.

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Diepholz: Eingrenzbare Schwerpunkte

Im Landkreis Diepholz liegt der Sieben-Tage-Inzidenzwert inzwischen bei 60,9. Entsprechend greifen dort die Regelungen der Landesregierung für einen Wert über 50. Insgesamt 126 Kreis-Bewohner sind derzeit mit dem Coronavirus infiziert.

Ein Großteil der Fälle lässt sich dabei vor allem auf zwei größere Ausbrüche zurückführen: Zum einen sind in der Gemeinde Stuhr in zwei Asylbewerberunterkünften Corona-Infektionen aufgetreten. Zum anderen sind durch Ausbrüche in der Schlachtbranche in benachbarten Landkreisen einige Arbeiter infiziert worden, die in Wagenfeld auf dem alten Kasernengelände untergebracht sind. Laut Landrat Cord Bockhop handele es sich um ein vergleichsweise „moderates Infektionsgeschehen mit klar eingrenzbaren Schwerpunkten.“

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Verden: 140 neue Fälle in einer Woche

Von einem Inzidenzwert von 21,2 auf 97,0 binnen acht Tagen – im Landkreis Verden zeigt die Kurve der Corona-­Neuinfektionen rasant nach oben. Insgesamt sind im Landkreis bisher 580 Personen positiv getestet worden, alleine 140 von ihnen während dieser Woche. 126 Menschen sind derzeit infiziert. Mitverantwortlich für die gewaltige Zunahme ist der Ausbruch des Coronavirus in der Stiftung Waldheim, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung im Flecken Langwedel.

Rund 40 Mitarbeiter und Bewohner haben sich inzwischen nachweislich infiziert. Immerhin ist die Anzahl schwerer Krankheitsverläufe trotz der Gesamtzunahme der Fälle weiter auf einem sehr geringen Level. Zudem positiv: Der letzte vom Landkreis vermeldete Todesfall in Zusammenhang mit dem Virus datiert vom 21. Juli.

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Rotenburg (Wümme): Klinik-Mitarbeiter erkrankt

Um 18 auf 79 ist die Zahl der Infizierten seit dem Vortag im Landkreis Rotenburg gestiegen, davon werden vier Patienten stationär behandelt. Zwei der infizierten Personen sind Mitarbeiter des Rotenburger Diakonieklinikums, betroffen ist auch eine Wohngruppe der Rotenburger Werke. Die Sieben-Tage-Inzidenz für das gesamte Kreisgebiet gibt das Gesundheitsamt mit 25 Neuinfektionen an.

79 sind aktiv infiziert, rund 300 Kontaktpersonen in Quarantäne. Bisher wurden 424 Corona-Fälle gezählt. 342 davon sind mittlerweile wieder genesen, drei Personen sind gestorben. In den beiden bekannten Clustern – die Christengemeinde Westertimke und eine private Feier in Gnarrenburg – seien die Fallzahlen zurückgegangen, nachdem die Sozialkontakte reduziert wurden.

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Osterholz: Kein Fußball mehr

Binnen weniger Tage ist der Inzidenzwert im Landkreis Osterholz sprunghaft angestiegen – am Freitag auf 55,3. Damit ist der Kreis Osterholz Risikogebiet. 82 Menschen sind akut am Virus erkrankt, vier von ihnen werden derzeit stationär behandelt. Am vergangenen Montag hatte der Landkreis seinen ersten Todesfall in Zusammenhang mit der Pandemie vermelden müssen: Eine 86-Jährige war an den Folgen der Infektion gestorben.

Nachdem einige der Neuinfektionen im Zusammenhang mit Fußballsport standen, wurde inzwischen angeordnet, dass der komplette Trainings- und Spielbetrieb im Kreis bis auf Weiteres ruht. In Schwanewede ist unterdessen ein Kita-Kind positiv getestet worden: Alle Kinder und Erzieher befinden sich in Quarantäne, die Kita ist mindestens eine Woche außer Betrieb.

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