Warten auf die schnellen Tests

Bremen bereitet Fieberambulanzen vor

Prinzipiell ist man in Bremen mit den Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für die Grippezeit einverstanden - doch bei der Umsetzung herrscht noch reichlich Klärungsbedarf.
24.09.2020, 09:33
Lesedauer: 3 Min
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Bremen bereitet Fieberambulanzen vor
Von Joerg Helge Wagner

In der nahenden Erkältungs- und Grippesaison sollen sogenannte Fieberambulanzen den Ansturm auf die Hausärzte verringern und zugleich die Patienten in den Wartezimmmern vor einer Corona-Infektion schützen. Über entsprechende Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) konferierten am Mittwoch Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB) und der Ärztekammer mit Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). Dabei ging es auch um den Einsatz schnellerer Antigen-Tests.

Nach Spahns Vorstellungen sollen die Fieberambulanzen vor allem als Testzentren ausgestattet sein. Menschen mit Symptomen wie Husten oder Fieber sollen dort auf das Corona-Virus getestet werden. Zudem könnte gleich entschieden werden, ob Quarantäne-Maßnahmen eingeleitet werden müssen. Alles soll jenseits des normalen Praxisbetriebs stattfinden, in eigenen Räumlichkeiten oder in Schwerpunktpraxen.

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Prinzipiell ist man damit beim Hausärzteverband Bremen sehr einverstanden: „Eine strikte Trennung von Regelversorgung und Pandemie hat sich aus Sicht der Hausärzte als bester Weg etabliert, um die medizinische Versorgung insgesamt aufrechtzuerhalten, Infektionsketten zu unterbrechen und die stationären Einrichtungen nicht zu überlasten“, betonte der Landesvorsitzende Hans-Michael Mühlenfeld schon eine Woche bevor Spahn seinen Vorschlag äußerte.

Bislang gibt es in Bremen vier Corona-Ambulanzen (Messe, Vahr, Bremen-Nord und Bremerhaven), in denen molekularbiologische PCR-Tests durchgeführt werden. Zudem bieten auch Arztpraxen zunehmend Tests an. Die Zuständigkeiten sind eigentlich klar geregelt: „Alles, was Symptome zeigt, macht die KVHB. Prävention und Pandemiebekämpfung macht der öffentliche Gesundheitsdienst“, erläutert Behördensprecher Lukas Fuhrmann.

Die Kapazitäten sind ausgelastet

Doch spätestens in den Laboren laufen beide Schienen wieder zusammen – und derzeit auf einen Prellbock zu. „In der vorigen Woche hatten wir mehr als 12.000 Tests, das ist ein Rekord“, sagt Fuhrmann. Nun seien die Labore voll, die Kapazitäten ausgelastet. Und da es bis zu 48 Stunden dauern kann, bis das Ergebnis eines PCR-Tests übermittelt wird, kommen nun die schnelleren Antigen-Tests ins Spiel. Die liefern schon nach 30 Minuten ein Ergebnis – allerdings ein weniger zuverlässig als die PCR-Tests.

„Trotzdem sind die super, wenn es schnell gehen muss“, berichtet Fuhrmann nach dem Meeting mit den Ärztevertretern. „Denken Sie an die Notaufnahmen: Ein schnelles Ergebnis dort entlastet die Stationen.“ Einen PCR-Test könne man später immer noch ergänzend machen. Allerdings haben die Schnelltests neben der geringeren Zuverlässigkeit noch ein weiteres Manko: „Bislang haben wir sie nicht“, räumt Fuhrmann ein. Das Bundesministerium wolle zwar einen zweistelligen Millionenbetrag bereitstellen und arbeite an einem bundesweit einheitlichen Konzept, doch letztlich sei die Verteilung an die Länder noch offen. Man könne sich aber auch über den freien Markt Antigen-Tests beschaffen, für zehn bis zwölf Euro pro Stück. Damit wären sie etwa zehnmal billiger als ein PCR-Test.

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Bei den sogenannten Fieberambulanzen ist das Gesundheitsressort nach eigenen Angaben ohnehin „in der Umsetzung total außen vor“. Denn die Versorgung von Patienten mit Husten, Schnupfen und eben Fieber sei nach dem Sozialgesetzbuch V immer eine vertragsärztliche Aufgabe. „Eine Fieberambulanz ist ganz etwas anderes als eine Corona-Ambulanz, wo bloß reihenweise Abstriche genommen werden“, betont Fuhrmann. Hier gehe es um genauere Untersuchungen, Differenzierung und damit um viel mehr Aufwand.

Das stimmt ihm Hausärzte-Präsident Mühlenfeld, der bei den Gesprächen mit der Senatorin nicht dabei ist, vollkommen zu: „Die Bedürfnisse der Patienten in einer Praxis sind höher, mit denen muss man sprechen und ihnen zuhören.“ Da seien die 15 Euro pro Fall, die Spahn ausgelobt habe, nicht ausreichend. Mühlenfeld ist durchaus dafür, im Rahmen einer „kollegialen Versorgung“ überlasteten Praxen Patienten mit Symptomen abzunehmen. Mit Schutzkleidung versehen, könnte er gemeinsam mit einer Fachangestellten in einer Infektsprechstunde zehn bis 15 Patienten pro Schicht betreuen. In Niedersachsen gibt es bereits 200 solcher „Infektionspraxen“, denen die KV des Landes mutmaßlich Infizierte zuweist, damit bei ihnen Abstriche genommen werden können.

Hausärzte-Präsident beklagt unklare Vorgaben

Bremens Gesundheitsbehörde wird zumindest räumlich ihre Corona-Ambulanz an der Bürgerweide verkleinern und in eine andere Messehalle umziehen. "Die Testkapazität bleibt aber erhalten bei 500 pro Tag", versichert Fuhrmann. Hausärzte-Präsident Mühlenfeld reicht das nicht, er will einen "verbindlichen Pandemieplan mit klaren, belastbaren Regeln und Strukturen". Er beklagt unklare Vorgaben: "Wer soll überhaupt abgestrichen werden?

Das ändert sich dauernd." Zudem käme es vor, dass auf den Faxen die Telefonnummern von positiv Getesteten nicht lesbar seien: "Dann ruft die KVHB doch wieder den Hausarzt an, der überwiesen hat." Patientendaten per E-Mail zu schicken, das ginge aus Datenschutzgründen nicht. Fuhrmann wiederum sagt, dass sich viele Hausärzte schlicht geweigert hätten, selbst Abstriche zu nehmen.

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