Umfrage für Bremen und Niedersachsen Mehrheit unterstützt Corona-Politik

Die Politik hat für die coronabedingten Eingriffe in Wirtschaft und Gesellschaft Rückhalt in der Bevölkerung, zumindest in Bremen und Niedersachsen. Das zeigt eine Erhebung des „Politikpanel Deutschland“.
23.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Mehrheit unterstützt Corona-Politik
Von Jürgen Theiner

Die meisten Menschen in Bremen und Niedersachsen stehen hinter den staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Im kleinsten Bundesland ist das Verständnis für massive Eingriffe in das öffentliche Leben deutlich stärker ausgeprägt als im Bundesschnitt. Das geht aus einer Umfrage von Wissenschaftlern der Universität Freiburg hervor. Die Erhebung für das Politikpanel Deutschland ergab zudem eine mehrheitliche Zustimmung zu einer Vermögensabgabe, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie in den Griff zu bekommen.

Das Politikpanel Deutschland ist eine Online-Befragung, die seit der Bundestagswahl 2017 in unregelmäßigen Abständen die politischen Einstellungen der Befragten und ihre Haltungen zu konkreten Sachfragen auslotet. Initiiert wurde das Projekt vom Politologen Uwe Wagschal, der an der Universität Freiburg lehrt.

1130 Personen nahmen an der Umfrage teil

Die Erhebung zum Themenfeld Corona fand in der ersten Mai-Hälfte statt. In Bremen nahmen daran 1130 Personen teil, in Niedersachsen 871. Innerhalb eines Jahres wollen die Freiburger Wissenschaftler noch dreimal untersuchen, wie sich das Meinungsbild zu Corona verändert.

Die allgemeine Wahrnehmung der Bedrohung durch die Pandemie weicht in Bremen und Niedersachsen nicht gravierend voneinander ab. Jeweils etwa ein Drittel der Befragten gab zu Protokoll, sich durch die Verbreitung des Virus und die staatlichen Gegenmaßnahmen „mittelmäßig belastet“ zu fühlen. Als stark beziehungsweise sehr stark belastet empfinden sich insgesamt etwa 30 Prozent, der Rest bezeichnet die eigene Lage als wenig bis gar nicht beeinträchtigt.

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64 Prozent der befragten Bremer spüren noch keine finanziellen Folgen der Corona-Seuche, in Niedersachsen sind es 58 Prozent. Bei der Frage „Wovor haben Sie in der Corona-Pandemie am meisten Angst?“ gewichten die Befragten in den beiden Bundesländern abweichend. In Bremen rangiert eine schwere Erkrankung auf Platz eins (52 Prozent). In Niedersachsen ist das zwar ähnlich, aber bei Einschränkungen demokratischer Rechte oder eigener Lebensgewohnheiten sieht es anders aus. In Bremen bezeichnen dies 17 Prozent als größte Sorge, im Nachbarland ein Viertel. Was die Eignung der staatlichen Anti-Corona-Maßnahmen angeht, haben die Bürger offenbar eine differenzierte Wahrnehmung. Rund zwei Drittel der Befragten unterstützen uneingeschränkt beziehungsweise überwiegend die Schritte, die von den Behörden unternommen wurden, um die gesundheitlichen Folgen der Pandemie in den Griff zu bekommen. Für die Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft gilt das nicht in so hohem Maße. 43 Prozent der Befragten in Bremen haben hier ein günstiges Bild, in Niedersachsen 35 Prozent. Der Rest antwortet mit „teils/teils“ oder negativen Beurteilungen.

Unterm Strich hält eine verhältnismäßig kleine Minderheit die staatlichen Eingriffe in das öffentliche Leben und die Wirtschaft für übertrieben. In Bremen sehen das 22 Prozent „eher„ beziehungsweise „voll und ganz“ so. 65 Prozent vertreten die gegenteilige Auffassung, der Rest antwortet mit „teils/teils“. In Niedersachsen ist die Skepsis größer. 31 Prozent glauben, dass der Staat überreagiert, doch knapp 57 Prozent befürworten auch hier das bisherige Krisenmanagement.

FDP und AFD-Wähler finden Maßnahmen überzogen

Aufschlussreich ist die Relation zwischen Ablehnung und Zustimmung auf der einen Seite und parteipolitischer Präferenz der Befragten auf der anderen. Sowohl im kleinsten Bundesland als auch bei den niedersächsischen Nachbarn zeigt sich: Wenige Anhänger von CDU, SPD und Grünen haben an der Corona-Strategie von Bund und Ländern etwas auszusetzen. Auch für Links-Wähler gilt das, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. Anders urteilen die Anhänger von AfD und FDP. In Bremen halten 46 Prozent der AfD-Sympathisanten und 51 Prozent der FDP-Wähler die staatlichen Maßnahmen für überzogen. In Niedersachsen sind es 71 beziehungsweise 51 Prozent.

Für Bremen ermittelte das Politikpanel Deutschland ein vergleichsweise großes Verständnis selbst für massive coronabedingte Eingriffe des Staates in den Alltag der Menschen. Kontaktsperren erfahren 70 Prozent Zustimmung, und auch bei der Schließung von Schulen und Kitas (71), dem Verbot von Gottesdiensten (74) und Grenzschließungen (74) ziehen die Bremer mit. Die Abriegelung besonders betroffener Gemeinden würden 79 Prozent unterstützen. Damit „sind die Bremer weitaus weniger liberal und stimmen den Einschränkungen sehr viel stärker zu als der Rest der Republik“, heißt es in der Auswertung der Freiburger Wissenschaftler.

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