Feierlichkeiten fallen voraussichtlich aus

Bremer Unternehmen suchen nach Alternativen zu Weihnachtsfeiern

In Bremen drohen die obligatorischen Weihnachtsfeiern vielerorts auszufallen. Einige Firmen wollen ihren Mitarbeitern trotzdem eine Freude machen. Die Dehoga wirbt für Gutscheinkäufe bei Restaurants.
18.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Mario Nagel
Bremer Unternehmen suchen nach Alternativen zu Weihnachtsfeiern

Bremer Firmen stehen vor der Frage, wie sie ihren Mitarbeitern in der Vorweihnachtszeit eine Freude machen können.

Jens Kalaene / dpa

Gemütlich mit den Kollegen essen und trinken, sich über Themen abseits der Firma unterhalten oder zu lauter Musik tanzen – so sehen viele betriebliche Weihnachtsfeiern aus. Doch wie die meisten anderen Veranstaltungen werden auch die Weihnachtsfeiern in diesem Jahr großteils ausfallen. Nach Angaben des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Bremen haben viele Unternehmen ihre Buchungen in den Restaurants und Kneipen storniert. „Das bringt nicht nur Mitarbeiter vieler Firmen um einen gemütlichen Jahresausklang, sondern verursacht auch in der Gastronomie – je nach Betrieb – bis zu 75 Prozent oder sogar mehr Umsatzeinbußen“, teilt die Dehoga mit.

Die Bremer Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Nathalie Rübsteck richtet sich daher mit einem Appell an die Öffentlichkeit: „Es wäre schön und sehr hilfreich, wenn Unternehmen, Vereine, Verbände und auch Familien anstelle der nun ausfallenden Weihnachtsfeiern ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Mitgliedern und Angehörigen Gutscheine für die Gastronomie schenkten.“ So könnte auf der einen Seite zumindest ein Teil der finanziellen Ausfälle kompensiert, auf der anderen Seite den Beschenkten eine Wertschätzung entgegengebracht werden.

Kleine Wertschätzungen

Dieser Meinung ist auch Dehoga-Landesverbandspräsident Detlef Pauls, der das Hotel Munte am Stadtwald betreibt. „Mit einem Gutschein unterstützt man die Gastronomie sofort und kann sich gleichzeitig auf kulinarische Genüsse in der Zukunft freuen.“ Bislang seien vor allem Absagen der Unternehmen zu beklagen, doch einige Betriebe hätten sich laut Pauls bereits um Gutscheine bemüht. „Ich empfehle allen Interessierten deshalb, sich bei der Gastronomie ihrer Wahl zu informieren.“

Es gibt offenbar einige Bremer Firmen, die derzeit vor der Frage stehen, mit welcher kleinen Geste sie ihren Mitarbeitern in der Vorweihnachtszeit etwas Gutes tun können. „Wir machen sonst immer eine große Weihnachtsfeier für alle 170 Mitarbeiter, aber unter diesen Umständen wird das in diesem Jahr leider nicht möglich sein“, teilt Annekathrin Gut vom IT-Unternehmen HEC mit. Das sei besonders schade, weil viele Kollegen im Arbeitsalltag unterwegs oder jetzt eben im Homeoffice seien. Betriebsfeste wie die Weihnachtsfeier seien deshalb wichtig für den Zusammenhalt und das Miteinander. HEC hat sich laut Gut daher eine kleine Überraschung für die Mitarbeiter überlegt. „Außerdem wird es vor Weihnachten noch ein virtuelles Treffen geben, in dem wir für eine besondere, weihnachtliche Stimmung sorgen wollen“, sagt sie.

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Auch beim Nahrungsmittelhersteller Mondelez fällt die Weihnachtsfeier in diesem Jahr aus. Normalerweise lädt das Unternehmen nach Angaben von Sprecherin Jenny Linnemann in der Überseestadt zu einem gemeinsamen Glühweintrinken in Kombination mit einem Wintergrillen ein. Zudem gebe es kleinere, abteilungsinterne Feste. „Zum Schutz unserer Kollegen verzichten wir schweren Herzens in diesem Jahr auf Feiern, bei denen Kollegen physisch zusammen kommen.“ Gänzlich aufgeben wolle man ein gemeinsames Fest aber nicht. „Wir werden virtuell Weihnachten feiern und haben uns auch eine kleine Überraschung überlegt – aber die möchten wir noch nicht verraten“, sagt Linnemann.

Ähnlich sieht es beim Energiedienstleister SWB, dem Logistiker BLG oder der Sparkasse Bremen aus. Bei dem Geldinstitut fällt das Fest für das Gesamtunternehmen ebenfalls aus, wie Sprecherin Nicola Oppermann mitteilt. Stattdessen würden die einzelnen Abteilungen oder Gruppen individuelle Feiern planen. Den Abteilungen steht demnach, wie in jedem Jahr, ein bestimmtes Budget für solche Feste zu.

Hoher Stellenwert für sozialen Zusammenhalt

Bei der SWB gab es laut Sprecher Friedhelm Behrens einst alle zwei Jahre eine große Mitarbeiterveranstaltung. Deshalb würden Weihnachtsfeiern nur innerhalb der Abteilungen oder einzelner Gruppen stattfinden. „In diesem Jahr wird es leider keine Weihnachtsfeiern geben„, sagt Behrens. Im Vorstand sei das lange diskutiert worden, schließlich hätten solche Feste einen hohen Stellenwert für den sozialen Zusammenhalt. “Aber die derzeitige Situation lässt keine Weihnachtsfeiern zu“, sagt Behrens.

Gar nicht möglich wäre ein großes Fest unterdessen bei der Bremer Straßenbahn AG, sagt deren Sprecher Jens-Christian Meyer. Der Großteil der Mitarbeiter arbeite im Schichtbetrieb und sitze in den Fahrzeugen. „Wenn es Weihnachtsfeiern gibt, dann finden sie innerhalb der Abteilungen oder in kleinen Gruppen statt.“ Von Unternehmensseite gebe es jedes Jahr eine Karte, wegen der Pandemie würden die Weihnachtsgrüße nun digital verschickt. „Alternativen zu den ausfallenden Feiern schließe ich nicht aus, aber bislang haben wir uns darüber keine Gedanken darüber gemacht„, so Meyer weiter. “Dafür liegen gerade ganz andere und zu wichtige Themen an.“

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Eine pauschale Empfehlung, wie Firmen mit den ausfallenden Weihnachtsfeiern und möglichen Alternativen umgehen sollen, will Stefan Offenhäuser von der Handelskammer Bremen nicht geben. In vielen Betrieben seien andere Themen derzeit ohnehin etwas wichtiger. „Aber jedes Unternehmen sollte für sich überlegen, ob sie im vorgegebenen Rahmen etwas machen wollen.“ Die Handelskammer richtet ihre Weihnachtsfeier nach Angaben von Offenhäuser in der Regel im Foyer des Schüttings aus. Das sei in diesem Jahr nicht realisierbar, sagt er. „Aber wir überlegen uns, wie wir jedem Mitarbeiter ein kleines Geschenk mit auf den Weg geben können.“

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Zur Sache

Gut fürs Betriebsklima

Betriebsfeste wie die Weihnachtsfeier haben in vielen Unternehmen einen hohen Stellenwert. Dass ein solches Event nun einmalig ausfällt, dürfte aber keine große Bedeutung für das bestehende Arbeitsklima haben, glaubt Günter Warsewa, stellvertretender Direktor des Instituts für Arbeit und Wirtschaft an der Universität Bremen. „Es hängt aber immer ein bisschen davon ab, wie das Betriebsklima insgesamt und im Rest des Jahres ist.“

Häufig seien Weihnachtsfeiern oder Kohltouren Rituale ohne eine tiefere Bedeutung. Für einige Mitarbeiter sei die Teilnahme sogar eher ein Zwang. „Und wenn es innerhalb des Unternehmens eine gute Stimmung und kollegiale, solidarische Beziehungen gibt, dann wird man eine Weihnachtsfeier zwar vermissen, aber an der grundsätzlichen Art und Weise, wie die Menschen miteinander umgehen, wird sich nichts verändern“, sagt Warsewa. Das heiße aber nicht, dass der Ausfall der Weihnachtsfeiern nicht bedauerlich sei. „Betriebsfeste können gut für das Betriebsklima sein.“

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