Sommer-Angebot für Kinder

Erschwerte Ferienprogramm-Planung für Bremer Vereine

Eine langfristige Planung ist in dieser Pandemie-Zeit nicht möglich und erschwert für Bremer Träger die Organisation eines verlässlichen betreuten Sommerferienprogramms. Viele Institutionen machen dennoch mit.
21.06.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Erschwerte Ferienprogramm-Planung für Bremer Vereine
Von Ulrike Troue

Ein Sommerferienprogramm der freien Träger der Jugendhilfe wird es auch in diesem Jahr in Bremen geben. Der Ferienkompass bietet online eine Übersicht über Angebote für Kinder und Jugendliche. „Auch, wenn die Planungen für diesen Sommer extrem schwierig waren, haben die vielen Anbieter wirklich Organisationsakrobatik betrieben, um ein Programm auf die Beine zu stellen“, lobt Anja Lohse vom Familiennetz Bremen, das die Termine als Servicestelle der Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport zusammenträgt.

Allerdings ist das Angebot im Vergleich zu den Vorjahren deutlich kleiner. Der Kreissportbund Bremen-Stadt (KSB) hat nach Auskunft seines Vorsitzenden Heiko Lohbeck in den vergangenen Jahren allein zwischen 450 und 500 Angebote von rund 70 Vereinen in einem großen Sommerferienprogramm vereint. „Größere Veranstaltungen wie das Eröffnungsfest und Bergfest haben wir sofort nach Bekanntwerden des Versammlungsverbots abgesagt“, sagt er. „Wir selbst planen gar nichts, weil wir auf die Vereine angewiesen sind." Wenn überhaupt, dann könnte der KSB dieses Jahr noch ein Drittel der Ferienangebote machen, schätzt er.

Beteiligungsangst bei vielen Bremer Vereinen

Viele Vereine wüssten nicht, wie sie ein Ferienangebot umsetzen können, weil die Sporthallen nicht in der Form wie früher nutzbar sind, diverse ehrenamtliche Übungsleiter zu Risikogruppen zählen oder in systemrelevanten Berufen arbeiten, zählt Lohbeck als Gründe auf. Weil jeder Verein selbst verantwortlich ist für die Umsetzung der Hygienemaßnahmen und die Einhaltung der Abstandsregeln, hätten viele Bedenken, sich zu beteiligen. „Durch ständig neue Vorschriften wird alles kurzfristig geplant“, sagt Heiko Lohbeck und versichert: „Wir werden unser Programm Anfang Juli online bekanntmachen."

Bisher 50 betreute Angebote für Kinder und 25 für Jugendliche sind aktuell im Ferienkompass gelistet – unter Vorbehalt gesetzlicher Bestimmungen und Änderungen für das Land Bremen. „Das klingt wenig, da sind aber ganze Programme drin“, sagt Barbara Peper vom Familiennetz Bremen. Auf der Internetseite familiennetz-bremen.de gibt es weitere Angebote für Familien. „Wir wissen, dass das in Anbetracht der Corona-Pandemie nun reduzierte Ferienprogramm für Kinder Entbehrung bedeutet“, sagt Petra Krümpfer, Sprecherin der SPD-Fraktion für Kinder und Jugend. Sie lenkt den Blick auf das Engagement der Träger, die in Krisenzeiten „ein lohnenswertes Programm“ für Kinder und Jugendliche organisieren und verweist auf den Ferienkompass als gute Übersicht. „Das unterstützen wir“, sagt Krümpfer und sichert den Trägern Hilfe zu.

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Nach dieser schwierigen Phase der Einschränkungen müssten Eltern verlässlich entlastet werden, findet Sandra Ahrens, die CDU-Fraktionssprecherin für Kinder, Jugend und Familie. „Und das geht ans Geld.“ Der Corona-Fonds müsse auch dafür genutzt werden, "dass Träger und Vereine so mit Geld ausgestattet werden, dass Angebote stattfinden können und diese auch angenommen werden“, fordert Ahrens. Im Zweifel müsse der Senat das Budget für den Fonds aufstocken. Die Einhaltung der Hygienevorschriften erfordere teilweise die Anschaffung von Schutzmitteln und den Einkauf von Fachpersonal, führt sie aus. Die Investition in Sozialpädagogen sei zwar kostspielig, aber diese könnten besser darauf achten, dass keine neuen Corona-Hotspots produziert würden.

Politiker befürworten Sommerferienprogramm

„Es soll auf jeden Fall nicht am Geld scheitern“, sagt Solveig Eschen, Sprecherin der Grünen-Fraktion für Kinderpolitik. Die Grünen hätten sich in der Koalition sehr dafür eingesetzt, dass kurzfristig Mittel für das Sommerferienprogramm eingestellt worden seien. Eschen geht davon aus, dass es einen größeren Bedarf für Sommerferienfreizeitangebote als zuvor gibt. „Das Erleben von Gemeinschaft und gruppendynamischen Prozessen jenseits der Familie ist nicht nur vergnüglich, sondern für die gesunde Entwicklung von Jugendlichen und Kindern notwendig“, erklärt Birgit Bergmann (FDP) und ist den vielfältigen Akteuren „von Herzen dankbar für ihr Engagement“. Die FDP-Sprecherin für den Bereich Kinder würde sich dennoch wünschen, „dass, trotz der finanziell angespannten Situation, Bremer Stiftungen bedarfsorientiert unter die Arme greifen und Teilhabe für alle ermöglichen“. Zumal ein attraktives Sommerferienprogramm auch für Eltern „eine Mega-Entlastung“ bedeute. Auch Sofia Leonidakis, Sprecherin der Fraktion der Linken für Soziales, Kinder und Flucht, misst dem Ferienprogramm in diesem Jahr besondere Bedeutung bei und würdigt das Engagement der Träger, insbesondere „unter den Aspekten Bewegung, Freizeitgestaltung und sozialer Teilhabe“. „Orte der Begegnung schaffen“ sei für Kinder und Jugendliche in dieser Krise sehr wichtig, bestätigt Kinderpsychologin Heidi Beyer-Kuhlmann. Dazu zählt sie das Sommerferienprogramm.

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Weitere Informationen

Das Sommerferienprogramm der freien Träger der Jugendhilfe ist online unter www.bremer-ferienkompass.de zu finden. Anbieter, die ihre betreuten Ferienangebote über das Portal bekannt machen möchten, finden weitere Informationen unter bremer-ferienkompass.de/fuer-anbieter. Der Kreissportbund Bremen Stadt veröffentlicht seine Angebote Anfang Juli unter www.ksb-bremen-stadt.de.

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