Kommentar über die Corona-Analyse der AOK

Soziales Problem

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse in der Branche dürften ein gewichtiger Teil des Problems sein. Die Pandemie trifft eher ärmere Schichten, sie ist auch ein soziales Problem, meint Frank Hethey.
09.07.2020, 05:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Soziales Problem
Von Frank Hethey

Für negative Schlagzeilen hat in den vergangenen Wochen der Corona-Ausbruch beim Fleischfabrikanten Tönnies gesorgt. Doch offenbar liegt nicht nur in der industriellen Fleischverarbeitung einiges im Argen, darauf deutet zumindest die neue Datenerhebung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK hin: Die meisten Corona-bedingten Krankheitsfälle tauchen wohl kaum zufällig in der Logistikbranche auf. Sicher, bei den beiden Corona-Ausbrüchen in ihren Paketzentren hat die DHL schnell reagiert: Die positiv Getesteten wurden in Quarantäne geschickt, die amtlichen Maßgaben laut Gesundheitsressort gut umgesetzt.

Lesen Sie auch

Es fragt sich aber doch, ob es damit allein getan ist. Ob das Problem nicht tiefer liegt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi legt den Finger in die Wunde, wenn sie prekäre Beschäftigungsverhältnisse in der Branche beklagt. Denn die dürften ein gewichtiger Teil des Problems sein. Wer sich eine anständige Unterbringung nicht leisten kann und deshalb auf engsten Raum leben muss, ist für eine Infektion geradezu prädestiniert. Einmal mehr erweist sich: Die Pandemie trifft eher ärmere Schichten, sie ist auch ein soziales Problem.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+