Ablenkung in Corona-Zeiten

Ein Autokino für Bremen

In Niedersachsen entsteht ein Autokino nach dem anderen, nur Bremen hat keines. Das soll sich jetzt ändern: Autokinos sind hier ab sofort erlaubt, Gunnar Burmester möchte so schnell wie möglich eines eröffnen.
07.05.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Ein Autokino für Bremen
Von Marc Hagedorn
Ein Autokino für Bremen

Autokinos boomen: So ähnlich wie hier im sächsischen Chemnitz soll es demnächst auch in Bremen aussehen.

Jan Woitas/dpa

Gunnar Burmester muss nur aus dem Fenster seines Büros schauen, dann hat er den passenden Platz für sein geplantes Autokino schon gefunden. Auf der Freifläche hinter der Waterfront zwischen Cinespace und Weser wäre genügend Platz. Burmester ist Geschäftsführer des Cineplex-Cinespace in der Waterfront. Er sagt: „Die Bremer hungern danach, aus dem Haus zu kommen und etwas zu erleben. Ein Autokino ist der ideale Ort dafür. Abstand halten und die Umsetzung der Hygienevorgaben sind im Autokino kein Problem.“

Davon muss Burmester jetzt nur noch das Bauamt überzeugen. Klappt das, steht einem Autokino an der Waterfront nichts mehr im Wege. „Unsere Planungen sind weit vorangeschritten“, sagt Burmester. Kein Wunder, mit der Idee, ein Autokino in Bremen einzurichten, beschäftigt er sich schon seit ein paar Wochen. Mit einem ersten Vorstoß war Burmester beim Ordnungsamt Anfang April noch gescheitert. Zu der Zeit, so die Begründung der Behörde, sei es ein falsches Zeichen, Großveranstaltungen zuzulassen, wenn gleichzeitig Theater, Restaurants und Geschäfte geschlossen hätten.

Lesen Sie auch

Aber seitdem ist viel passiert. Es hat eine ganze Reihe an Lockerungen für mehrere Bereiche gegeben, und seit Mittwoch ist der Weg auch für Autokinos grundsätzlich frei. Der Senat hat in die aktuelle Rechtsverordnung unter Paragraph 9, Punkt 4, folgenden Satz aufgenommen: „Autokinos sind nach Maßgabe der geltenden gesetzlichen Vorgaben zulässig, wenn die Betreiber sicherstellen, dass die Regeln des Kontaktverbotes nach § 5 eingehalten werden und sie einen Hygiene- und Pandemieplan vorhalten.“

Damit haben Bremer Kinofreunde jetzt die Chance, in ihrer Stadt auch das zu bekommen, was in der Nachbarschaft schon seit ein paar Wochen möglich ist. In Niedersachsen zum Beispiel hat Vechta längst ein Autokino, das Städtchen Lohne ein paar Kilometer weiter südlich ebenfalls. Friesoythe im Landkreis Cloppenburg bekommt in Kürze eines, und sogar im beschaulichen Hatten im Landkreis Oldenburg werden seit mehr als 14 Tagen Filme unter freiem Himmel gezeigt.

Lesen Sie auch

Einer, der weiß, wie es geht, ist Servet Mutlu von der Bremer Agentur Planet Mutlu. Er ist Mitorganisator des Autokinos in Brinkum, auch Burmester ist dort mit im Boot. Weil in Bremen nichts ging, wichen Mutlu und seine Partner nach Niedersachsen aus. Auf dem Gelände hinter der BMÖ-Tankstelle, einem weiteren Partner, laufen nun schon seit mehr als zwei Wochen jeden Abend ab 21.15 Uhr Filme. In den nächsten Tagen stehen an der B 6 Streifen wie „A star is born“, „Jumanji: The next level“, „Once upon a time“ und „Der Pate“ auf dem Programm. Gezeigt werden die Filme auf einer Leinwand, die aufblasbar und 200 Quadratmeter groß ist.

„Wir sind sehr, sehr zufrieden mit den ersten zwei Wochen“, sagt Mutlu. Platz für gut 200 Fahrzeuge ist auf dem Gelände. Immer zwei Erwachsene plus maximal zwei Kinder bis elf Jahre dürfen in einem Auto sitzen. Getränke und etwas zu essen muss man sich selbst mitbringen. Der Ton wird über das Autoradio empfangen. Alle Vorstellungen waren bisher ausverkauft. Nachdem man am Parkkonzept etwas nachjustiert hat, ist inzwischen für zehn bis 20 zusätzliche Wagen Platz. Die Extrakarten für die Vorstellungen bis zum 17. Mai gehen zwar mit in den Verkauf, der ausschließlich online abgewickelt wird. „Aber auch diese Tickets sind schneller weg, als Sie gucken können“, sagt Mutlu.

Lesen Sie auch

Mindestens bis Monatsende würde der Geschäftsmann das Gastspiel in Brinkum gern verlängern. Geld, sagt er, verdiene man mit Autokinos dieser Größenordnung nicht. „Es ist eher ein Dienst an der Kultur und an den Menschen, die echt happy sind nach einem Besuch“, sagt Mutlu, „wir können zeigen, dass es das Kino, obwohl die Säle geschlossen sind, noch gibt.“

Diesen Antrieb hat man auch in Oldenburg. Dort beginnt demnächst ein mehrtägiges Autokinofestival. Vom 21. bis 31. Mai laufen hinter der Weser-Ems-Halle jeden Tag Filme. Auch hier soll Platz für 200 Autos sein. 5000 Anmeldungen registrierten die Veranstalter innerhalb weniger Stunden kurz nach Bekanntgabe ihrer Idee. Dabei stand das genaue Programm zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal fest.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+