Höchster Wert der Bundesländer

Knapp 58.000 Euro öffentliche Schulden pro Bremer

Knapp 58.000 Euro pro Kopf: Laut den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes schultern die Bremer im Ländervergleich die höchste öffentliche Schuldenlast.
28.07.2021, 18:17
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Knapp 58.000 Euro öffentliche Schulden pro Bremer
Von Nina Willborn
Knapp 58.000 Euro öffentliche Schulden pro Bremer

Im Jahr 2019 zeigte die Bremer Schuldenuhr noch eine Pro-Kopf-Verschuldung von rund 30.700 Euro an.

Frank Thomas Koch

In allen Bundesländern sind die öffentlichen Schulden im vergangenen Jahr aufgrund von Corona größer geworden, auch in Bremen. Bis zum Jahresende seien die Schulden um 31 Prozent auf 39,29 Milliarden Euro gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mit. Berechnet wurde der Schuldenstand aller öffentlichen Haushalte einschließlich der Sozialversicherungen bei nichtstaatlichen oder ausländischen Geldgebern. Knapp vierzig Milliarden Euro Schulden insgesamt bedeuten für Bremen eine Last von 57.823 Euro pro Einwohner - der höchste Wert im Ländervergleich. 

Niedersachsen lag mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 8123 Euro im Mittelfeld der Bundesländer. Die Landesschulden stiegen demnach um 11,5 Prozent auf 64,95 Milliarden Euro im Vergleich zu 2019. „In den meisten Ländern stand die höhere Verschuldung größtenteils im Zusammenhang mit der Corona-Krise“, schrieb das Bundesamt. Bremen habe zudem Kredite aufnehmen müssen, um die Zinssicherungsgeschäfte für seine Altschulden abzusichern.

Für Carl Kau, Vorstandsmitglied des Bunds der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen, ist der Schulden-Spitzenplatz keine Überraschung. "Diejenigen, die schon vorher Schwächen haben, wenn auch teils ohne eigene Schuld, trifft eine unvorhergesehene Katastrophe umso härter", sagte er. Seiner Ansicht nach wird es Bremen in absehbarer Zeit auch nicht gelingen, sich aus der Schuldenfalle zu befreien. "Es fehlt einerseits die Kaufkraft der Menschen und damit Möglichkeiten für Steuereinnahmen. Andererseits ist für mich nach wie vor kein politischer Sparwille erkennbar", sagte Kau.

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Das kleinste Bundesland ist seit Jahren hoch verschuldet. Der Stand der Altschulden liege weiter bei 21,5 Milliarden Euro, sagte ein Sprecher von Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne). Im Unterschied zu anderen Bundesländern könne Bremen noch keine Schulden tilgen. Deshalb sei ein aufwendiges Management nötig, um langfristig niedrige Zinsen zu sichern. Dazu würden Kassenkredite aufgenommen. Die Belastung durch diese Kredite wiederum sei sehr wechselnd. Die Last aus dem 1,2 Milliarden Euro schweren Bremen-Fonds zur Abwehr der Corona-Folgen werde sich im Schuldenstand Ende 2021 zeigen, sagte der Sprecher. Diese Neuschulden müssten aber ab 2024 getilgt werden.

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