Millionenverluste durch Corona

Bremer Firmen rutschen tief ins Minus

Busse und Bahnen, der städtische Klinikkonzern, der Flughafen: Viele kommunale Betriebe in Bremen leiden wirtschaftlich durch Corona. Ein aktueller Report der Finanzbehörde zeichnet ein düsteres Bild.
13.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Firmen rutschen tief ins Minus
Von Jürgen Theiner
Bremer Firmen rutschen tief ins Minus

Der coronabedingte Einbruch des Fahrgastaufkommens setzt der Bremer Straßenbahn AG schwer zu.

Christina Kuhaupt

Die Corona-Krise schlägt immer tiefere Kerben in die Bilanzen der städtischen Unternehmensbeteiligungen. Unternehmen wie der Flughafen, die Bremer Straßenbahn AG und die Gesundheit Nord häufen weiter Defizite auf, die über den städtischen Haushalt gedeckt werden müssen. Wie es aktuell um die Kommunalbetriebe steht, zeigt ein Bericht des Finanzressorts für die Senatssitzung in der kommenden Woche.

Das Dokument liegt dem WESER-KURIER vor. Es listet die wirtschaftlichen Leistungsdaten von rund 30 städtischen Gesellschaften, Anstalten öffentlichen Rechts und Museumsstiftungen auf. Bei der Durchsicht wird deutlich, dass längst nicht alle Betriebe mit den Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen haben. Etwa ein Drittel meldet relativ stabile Zahlen und geht davon aus, dass die angepeilten Jahresergebnisse erreichbar sein werden. Allerdings handelt es sich dabei in der Regel um kleinere Unternehmen wie das Theater, die Lottogesellschaft und das Reha-Zentrum.

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Die Dickschiffe dagegen haben zum Teil bedenkliche Schlagseite. Das gilt zum Beispiel für die Flughafen GmbH. Dort gab es auch ohne Covid 19 schon genügend Probleme, der Investitionsstau liegt bei rund 80 Millionen Euro. Das Geschäftsjahr ließ sich zunächst gut an, im Januar und Februar lagen die Passagierzahlen über den Vergleichswerten aus 2019. Doch dann bremste Corona den Betrieb brutal herunter. Zwei Monate lang wurden am Neuenlander Feld überhaupt keine Linienflüge mehr abgefertigt, erst am 18. Mai hob dort wieder eine reguläre Maschine ab. Und auch jetzt ist der Flugbetrieb noch weit vom langjährigen Mittel entfernt.

Die Airport-Leitung geht inzwischen von einem Jahresfehlbetrag von 22,2 Millionen Euro aus – dies unter der Voraussetzung, dass sich der Luftverkehr allmählich wieder erholt und etwa ein Drittel des ursprünglich für 2020 angepeilten Passagieraufkommens erreicht wird. Ob das gelingt, darauf hat das örtliche Management wenig Einfluss. Die Bemühungen gelten deshalb eher der langfristigen Stabilisierung des Flughafens. Aktuell erarbeiten Aufsichtsrat, Geschäftsführung und Betriebsrat ein Sanierungskonzept. Auf diesen Plan setzt man auch im zuständigen Häfenressort große Hoffnungen, „denn der Flughafen ist nicht nur für den Tourismus, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Bremen von besonderer Relevanz“, sagt Behördensprecher Sebastian Rösener.

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Tief in die roten Zahlen ist auch die Bremer Straßenbahn AG gefahren. Mit ihrem politischen Auftrag, ein möglichst dichtes Netz an Bussen und Bahnen bei erschwinglichen Ticketpreisen zu betreiben, kann sie ohnehin nicht gewinnorientiert arbeiten, weshalb sie auch in normalen Zeiten einen städtischen Zuschuss in zweistelliger Millionenhöhe erhält. Doch der Absturz der Fahrgastzahlen im Frühjahr hat das Verkehrsunternehmen eines großen Teils seiner Einnahmen beraubt. Das Passagieraufkommen lag Mitte März zu Beginn des Lockdowns nur noch bei einem Drittel des Vorjahreswertes.

Die Entwicklung geht zwar wieder nach oben, doch für das Gesamtjahr braucht die BSAG vom Senat voraussichtlich einen Verlustausgleich von 87,5 Millionen Euro. Laut Unternehmenssprecher Andreas Holling laufen bereits seit einiger Zeit Bemühungen, das Vertrauen der Kundschaft in Bus und Bahn als auch in Pandemiezeiten sichere Verkehrsmittel wiederherzustellen. Die Reinigungsintervalle wurden erhöht, die Möglichkeiten des bargeldlosen Bezahlens ausgebaut. „Ergänzend gibt es in unserem Haus Überlegungen, einen erleichterten, testweisen Einstieg in die ÖPNV-Nutzung über eine Art Schnupper-Abo anzubieten“, sagt Holling.

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Der mit Abstand größte öffentliche Betrieb Bremens ist der Klinikverbund Gesundheit Nord. Die Geno hat einerseits coronabedingte Mehrausgaben, andererseits blieben zuletzt viele Patienten mit aufschiebbaren Therapien weg. Unterm Strich wird vor diesem Hintergrund mit einem Minus von 60 Millionen Euro kalkuliert. Erwartet hatte man zu Jahresbeginn ein Defizit von 20 Millionen Euro. Bis zu welchem Grad die Schere durch vom Bund zugesagte Mittel geschlossen werden kann, lässt sich gegenwärtig noch nicht beziffern.

Bezieht man weitere Hilfen für coronageschädigte städtische Unternehmen ein, so lässt sich sagen: Der Finanzbedarf bewegt sich Richtung 200 Millionen Euro – ein Betrag, der aus dem normalen städtischen Haushalt gar nicht aufzubringen wäre. Der Senat wird sich deshalb aus dem sogenannten Bremen-Fonds bedienen, einem mit 1,2 Milliarden Euro gefüllten, schuldenfinanzierten Topf, den die Bürgerschaft vor der Sommerpause beschlossen hatte. Insgesamt beschäftigen Betriebe, die ganz oder teilweise Bremen gehören, Mitarbeiter im Volumen von rund 12 000 Vollzeitstellen. Die Zahl der tatsächlichen Stellen ist wegen des Teilzeitanteils also noch höher. Ein nennenswerter Abbau steht bisher nicht zur Debatte.

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