Corona-Fälle im Gesundheitsamt

Von Infektionen nur über „Flurfunk“ erfahren

Ein externer Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde kritisiert den Umgang mit Corona-Infektionen in den eigenen Reihen. Das Gesundheitsamt widerspricht seiner Darstellung.
07.05.2021, 05:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Von Infektionen nur über „Flurfunk“ erfahren
Von Timo Thalmann
Von Infektionen nur über „Flurfunk“ erfahren

Zu lasche Quarantänemaßnahmen, dafür Massentests, so der Vorwurf an das Gesundheitsamt zum Umgang mit Infektionen in der eigenen Behörde.

BRITTA PEDERSEN / dpa

Nach einigen Corona-Infektionen innerhalb des Bremer Gesundheitsamtes Ende März sowie Anfang April, kritisiert ein externer Mitarbeiter jetzt den Umgang der Behörde mit den Fällen. Der Hauptvorwurf: In Sachen Quarantäne messe das Gesundheitsamt mit zweierlei Maß. Bei der eigenen Betroffenheit sei man weitaus weniger streng vorgegangen, als bei Fällen außerhalb der Behörde. Der Mann, der das behauptet, will seinen Namen aus Sorge vor beruflichen Konsequenzen nicht in der Öffentlichkeit lesen.

Nach seiner Darstellung seien mehrere Mitarbeiter der IT-Abteilung von Corona betroffen gewesen, die regelmäßig direkten und persönlichen Umgang mit den Mitarbeitern bei der Kontaktverfolgung hatten, unter anderem im Rahmen von Schulungen und Fortbildungen im Umgang mit der Nachverfolgungs-Software Sormas. Doch dieser Umstand sei bei nachfolgende Quarantäne-Maßnahmen vollständig unberücksichtigt geblieben. „Wir wurden nicht einmal offiziell über die Infektionen informiert, dafür aber getestet“, sagt er. Von den Fällen habe man lediglich über „Flurfunk“ erfahren.

Lesen Sie auch

Die Gesundheitsbehörde widerspricht dieser Darstellung: „Wir haben die Corona-Fälle in den eigenen Reihen sehr ernst genommen und für insgesamt 35 Kontaktpersonen eine Quarantäne ausgesprochen“, sagt Ressortsprecher Lukas Fuhrmann. Fünf dieser von Isolation betroffenen Personen hätten auch in dem Außenstandort gearbeitet, in dem die Schulungen stattgefunden haben. „Weil aber nur einer der Infizierten lediglich an einem Tag im relevanten Zeitraum dort tätig war konnten die Kontaktpersonen dort sehr gut eingegrenzt werden. Durch die Reihentestungen wurden dann Folgefälle ausgeschlossen.“

Davon unberührt bleibt indes der Umstand, dass jede Kontakt-Nachverfolgung nahezu vollständig auf den Angaben der jeweiligen Infizierten beruht. Wird ein Kontakt vergessen oder auch bewusst verschwiegen, haben die sogenannten Scouts kaum eine Kontrollmöglichkeit. Auch ob falsche Kontaktpersonen genannt werden, die dann eventuell unberechtigt in Quarantäne müssen, lässt sich nicht nachvollziehen. „Wir haben die Maßgabe den Angaben des Infizierten zu vertrauen, wenn jemand zum Beispiel behauptet, keinen Kontakt gehabt zu haben“, bestätigt der anonyme Mitarbeiter.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+