Einbeziehung niedergelassener Mediziner Bremer SPD setzt bei Impfungen auf Hausärzte

In den Bremer Messehallen entsteht zurzeit ein großes Impfzentrum für die Hansestadt. Für SPD-Fraktionschef Mustafa Güngör ist das nur ein erster Schritt. Er möchte die Hausärzte stärker einbeziehen.
14.12.2020, 05:00
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Bremer SPD setzt bei Impfungen auf Hausärzte
Von Jürgen Theiner

Bei der Impfung gegen das Coronavirus sollten die großen Impfzentren nur eine Übergangslösung darstellen und die Hausärzte nach der Startphase einen wesentlichen Part übernehmen. Diese Ansicht vertritt SPD-Bürgerschaftsfraktionschef Mustafa Güngör. Unterstützung erfährt er dabei vom Bremer Hausärzteverband.

Aktuell setzt die Politik in Bremen und darüber hinaus auf zentralisierte Strukturen. So soll Anfang der Woche das große Impfzentrum in den Messehallen an der Bürgerweide startklar sein und vom Corona-Krisenstab des Gesundheitsressorts übernommen werden. Sobald dann Anfang Januar die ersten 50.000 Impfdosen für Bremen (10.000 davon für Bremerhaven) angekommen sind, kann es losgehen. Die Einrichtung ist für einen Zwölf-Stunden-Betrieb mit rund 1500 Impfungen pro Tag ausgelegt, wobei zunächst die priorisierten Bevölkerungsgruppen an der Reihe sind: zuallererst hochbetagte Personen, Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Pflegekräfte, später dann unter anderem Vorerkrankte sowie Lehrer und Erzieher.

In der untersten Prioritätsstufe befinden sich deutschlandweit rund 45 Millionen Menschen, bei denen keine medizinische, berufliche oder anders begründete Notwendigkeit einer bevorzugten Impfung besteht. Diese Gruppe, also die Mehrheit der Bevölkerung, hat Mustafa Güngör bei seinem Vorstoß im Blick. Im Mittelpunkt müsse die Frage stehen, wie man einen möglichst hohen Grad an Immunisierung in der Bevölkerung erreichen kann.

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„Sobald genügend Impfstoff vorhanden ist – und das könnte schneller gehen, als wir ahnen – sollte man die Hausärzte in die Impfkampagne integrieren“, fordert Güngör. Die Hausärzte seien aufgrund ihres besonderen Vertrauensverhältnisses zu den Patienten am besten in der Lage, Impfskepsis abzubauen und für die Teilnahme an der Impfung zu werben. Das gelte insbesondere für Stadtteile mit hohem Migrantenanteil wie Osterholz-Tenever oder Gröpelingen.

Güngör hält es deshalb für ratsam, schon jetzt die Logistik für die Einbeziehung der Hausarztpraxen in die Massenimpfung zu planen, also Fragen der Zuteilung des Impfstoffs und der technischen Voraussetzungen zu klären, Stichwort Tiefkühlung. „So würden wir schneller und wären im richtigen Moment vorbereitet, wenn der Impfstoff für das Gros der Bevölkerung zur Verfügung steht“, ist Güngör überzeugt. Er rät dem Gesundheitsressort dazu, in diesem Sinne auf die Kammern und Verbände der niedergelassenen Ärzteschaft zuzugehen.

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Beim Vorsitzenden des Bremer Hausärzteverbandes, Hans-Michael Mühlenfeld, rennt der SPD-Fraktionsvorsitzende offene Türen ein. Mühlenfeld vertritt die Interessen von rund 240 Berufskollegen und findet Güngörs Forderung richtig. „Das Erreichen einer möglichst hohen Impfquote ist entscheidend bei der Eindämmung der Pandemie“, sagt der niedergelassene Mediziner. Er weiß aus vielen Gesprächen, dass es in Teilen der Bevölkerung eine gewisse Skepsis gegenüber dem Impfstoff gibt, insbesondere wegen möglicher Nebenwirkungen. „Die sind moderat und können nach jetzigen Erkenntnissen bei etwa zehn Prozent der Geimpften auftreten“, so Mühlenfeld. Darüber könnten die Hausärzte aufklären und Ängste abbauen. „Das klappt in einem engen Arzt-Patienten-Verhältnis jedenfalls besser als in einem großen Impfzentrum, wo voll verkleidete Menschen vor einem stehen, die man nicht kennt.“

Auch Hans-Michael Mühlenfeld sieht die Hausärzte dann am Zuge, wenn die Impfungen der priorisierten Gruppen abgeschlossen sind. Das werde voraussichtlich in einigen Monaten der Fall sein. Die bis dahin zur Verfügung stehende Zeit müsse genutzt werden, um logistische Fragen zu klären und die Handhabbarkeit des Impfstoffs in den Praxen sicherzustellen. „Wenn es dann so weit ist, können wir loslegen“, zeigt sich Mühlenfeld optimistisch.

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