Von März 2020 bis Februar 2021

Corona in Bremen: Eine Chronologie der Ereignisse

Am 29. Februar 2020 erreicht das Coronavirus Bremen. Die Gesundheitsbehörde meldet die erste Patientin, die mit infiziert ist. Wie alles anfing - und wie es danach weiterging. Eine Chronologie der Ereignisse.
28.02.2021, 05:00
Lesedauer: 7 Min
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Corona in Bremen: Eine Chronologie der Ereignisse
Von Sabine Doll

März 2020

Die erste Corona-Ambulanz wird Anfang des Monats am Klinikum Mitte eingerichtet, sie zieht später in die Messe um. Die Zahl der Infektionen steigt, darunter sind viele Rückkehrer aus dem Skiurlaub. Der Senat beschließt Einschränkungen und Schließungen, die später ausgeweitet werden. Alle Bereiche sind von den Einschränkungen betroffen: wie Schulen und Kitas, Kultur, Handel, Tourismus, Vereine, Veranstaltungen, Kirchen, Moscheen, Synagogen, Pflegeheime, Kliniken. Viele Betriebe setzen auf Homeoffice. In Krankenhäusern werden planbare Operationen verschoben. Quarantäneregeln für Reiserückkehrer werden verschärft, ebenso für Infizierte und Kontaktpersonen. Kontakteinschränkungen für den privaten Bereich werden eingeführt. Deutschland ist im Lockdown – Symbol dafür wird unter anderem der Ansturm auf Toilettenpapier. Am 25. März stirbt der erste Covid-­Patient in Bremen. Der 76-Jährige lebte in einem Pflegeheim.

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April 2020

Erste Lockerungen werden ab dem 20. April eingeführt, einige Geschäfte können wieder mit Hygienekonzepten und Abstandsregeln öffnen. Auch Breitensportanlagen und Spielplätze können später wieder sukzessive unter Auflagen genutzt werden – Golfklubs, Wassersport- und Tennisanlagen gehören dazu. Die Sportler müssen die notwendige Distanz zueinander einhalten. Ab dem 27. April gilt eine Maskenpflicht in Bussen und Bahnen, beim Einkaufen und in öffentlichen Gebäuden. Bremen ist das letzte Bundesland, das die Maskenpflicht in diesen Bereichen einführt. Alltagsmasken aus Stoff, Tücher oder Schals reichen aus, Bremen verzichtet im Gegensatz zu anderen Bundesländern wie Bayern – zunächst – auf ein Bußgeld bei Verstößen. Am 28. April beschließt der Senat die Einrichtung eines 1,2 Milliarden Euro umfassenden Bremen-Fonds zur Bewältigung der Corona-Krise, im Juli stimmt die Bürgerschaft zu.

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Mai 2020

Am 3. Mai meldet Bremerhaven den ersten Corona-Todesfall. Es handelt sich um einen 60-jährigen Mann mit schwerer Vorerkrankung. Die Zahl der Corona-Toten im Land Bremen steigt auf 41. Die Behörde meldet bis zu dem Tag 893 registrierte Fälle insgesamt und 438 Genesene. Einen Tag zuvor landete eine Boeing 777 aus Schanghai mit 700.000 Schutzmasken und 250.000 Schutzanzügen in Bremen. Arztpraxen und Pflegeheime sind auf Spenden aus der Bevölkerung oder von Betrieben angewiesen, Masken werden mehrfach verwendet oder selbst gebastelt. Weltweit herrscht Mangel. Ab dem 18. Mai werden Schulen und Kitas sukzessive unter strengen Auflagen geöffnet. Auch Hotels, Restaurants, Ferienwohnungen und Campingplätze dürfen öffnen, nicht so Bars. Seit dem 8. Mai durften unter anderem auch Museen öffnen. Werder Bremen verliert am 18. Mai sein erstes Geisterspiel im Weserstadion gegen Bayer Leverkusen mit 1:4.

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Juni 2020

Kinos, Theater und Konzerthäuser dürfen ab dem 12. Juni unter Auflagen wieder öffnen, die Erlaubnis ist auf 200 Besucher pro Veranstaltung begrenzt. Wegen Verstößen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen verbietet Bremen den Außer-Haus-Verkauf von Alkohol an Wochenenden und Feiertagen (ab 22 Uhr). Betroffen sind bestimmte Bereiche im Viertel, an der Schlachte und der Diskomeile. Die Allgemeinverfügung gilt für Restaurants, Kioske und Imbisse. Weitere Lockerungen treten Ende des Monats in Kraft: Bis zu zehn Menschen können sich treffen – unabhängig davon, aus wie vielen Haushalten sie kommen und ohne den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten zu müssen. Die Zwei-Haushalte-Regel ist damit gekippt. Die Besuchsregelungen für Pflegeeinrichtungen werden deutlich, aber unter strengen Auflagen, gelockert. Die Zahl der täglichen Neuinfektion bewegt sich im Juni größtenteils im einstelligen Bereich bis knapp über zehn Fälle.

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Juli 2020

Ab Anfang Juli sind Veranstaltungen mit 250 Personen in Innenräumen und 400 Teilnehmern unter freiem Himmel erlaubt. Die Veranstalter müssen ein Hygienekonzept vorlegen, die Abstandsregeln müssen eingehalten werden. Clubs und Diskotheken bleiben geschlossen. Am 16. Juli beginnen die Sommerferien: Die Bildungsbehörde hat zuvor ein Rahmenkonzept für das Kita- und Schuljahr 2020/21 vorgestellt, danach sollen die Schulen nach den Ferien weitgehend zum Regelbetrieb zurückkehren.

Ende Juli wird eine Corona-Teststation für Reiserückkehrer am Bremen Airport Hans-Koschnick eingerichtet: Fluggäste, die direkt aus einem Risikogebiet in Bremen ankommen oder über einen Umsteigeflughafen anreisen, können sich dort testen lassen. Etwas mehr als eine Woche später gilt für diese Gruppe eine Testpflicht. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen im Land Bremen bewegt sich weiter vorwiegend im einstelligen Bereich.

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August 2020

Etwa jeder Vierte, der sich in Bremen neu mit Corona infiziert, ist laut der Gesundheitsbehörde Reiserückkehrer. Am 27. August ist der erste Schultag: In den meisten Schulen startet der Betrieb in normaler Klassenstärke. Jede Schule muss über ein Schutz- und Hygienekonzept verfügen, dies ist in der „Verordnung zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2“ festgelegt. Die Konzepte enthalten unter anderem Vorgaben zu persönlicher Hygiene, Raumhygiene, Belüftung, Infektionsschutz in den Pausen und beim Sportunterricht.

An weiterführenden Schulen gilt eine Maskenpflicht in Fluren und Gemeinschaftsräumen – nicht im Unterricht. Anfang August hatte die Bildungsbehörde eine Maskenpflicht im Gegensatz zu anderen Bundesländern zunächst abgelehnt.

September 2020

Mitte September entscheidet der Senat, dass der Freimarkt im Oktober nicht wie in den Vorjahren stattfinden kann: Es soll einen temporären „Freipark“ geben und ein Alkoholverbot, gegen das sich die Schausteller zunächst gewehrt hatten. Die Osterwiese war im März abgesagt worden, die Schausteller beklagen erhebliche Einnahmeverluste. Die Sorge vor einer zweiten Welle wächst: Die Zahl der täglichen Neuinfektionen nimmt zum Monatsende hin zu – bis auf über 40. Das sind so viele wie seit Mai nicht mehr. Anlass für die Sorge ist vor allem auch, dass die Infektionen keinem begrenzten Ausbruchsgeschehen (Cluster) wie in den Monaten zuvor zugeordnet werden können. Es handelt sich vor allem um Einzelfälle, vorwiegend in Familien.

Werder Bremen darf zum Start der Bundesliga-Saison erstmals wieder vor Zuschauern im Weserstadion spielen, 8500 Fans sind zugelassen. Gegner ist Hertha, Werder verliert mit 1:4.

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Oktober 2020

Der eingezäunte „Freipark“ eröffnet am 2. Oktober auf der Bürgerweide – maximal 3000 statt wie geplant 6000 Gäste sind zugelassen. Der Grund: Der Grenzwert von 35 Infizierten pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen ist in der Stadt Bremen überschritten – er liegt über 40. Fünf Tage später reißt die Stadt den Inzidenzwert von 50 – und ist damit Risikogebiet. Großveranstaltungen sind untersagt, damit auch der „Freipark“, er wird nicht mehr geöffnet. Im Weserstadion sind keine Zuschauer mehr erlaubt. Einschränkungen gelten auch für andere Veranstaltungen sowie Feiern in angemieteten Räumen und im privaten Bereich. Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) macht vor allem private Feiern und „eine Laxheit bei der Einhaltung der Abstandsregeln“ verantwortlich. Mitte Oktober wird die Maskenpflicht auf Orte im öffentlichen Raum ausgeweitet. Der Bremer Weihnachtsmarkt wird Ende Oktober abgesagt.

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November 2020

Bundesweit gilt ab 2. November ein „Lockdown light“: Schulen bleiben geöffnet, Besuche in Pflegeheimen sind weiter möglich. Draußen dürfen sich maximal zehn Personen aus zwei Haushalten treffen – Kinder unter zwölf Jahren werden in Bremen nicht mitgezählt. Sport ist zu zweit oder mit Personen des eigenen Hausstandes erlaubt. Supermärkte und Geschäfte bleiben geöffnet. Im öffentlichen Raum sind Veranstaltungen bei sitzendem Publikum mit maximal 50 Besuchern zulässig. Religiöse Zusammenkünfte, Trauungen, Beerdigungen sind mit Hygienekonzept erlaubt. In der Gastronomie ist nur Außer-Haus-Verkauf möglich. Unter anderem kulturelle Einrichtungen, Schwimmbäder, Fitnessstudios, Prostitutionsbetriebe schließen. Friseure bleiben geöffnet. Mitte November werden FFP2-Masken an Senioren ab 65 Jahren verteilt.

7. November: Die Stadt Bremen erreicht den höchsten Inzidenzwert mit 255,5. Am 18. November meldet das Land 296 Fälle – bislang die höchste tägliche Zahl.

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Dezember 2020

Das Ordnungsamt verbietet Anfang des Monats eine „Querdenker“-Demonstration, zu der Zehntausende Teilnehmer erwartet wurden. Das Verbot wird vom Bundesverfassungsgericht bestätigt. 16. Dezember: Deutschland geht wieder in einen „harten Lockdown“, an Schulen wird die Präsenzpflicht ausgesetzt. An Weihnachten gelten Ausnahmen.

Am 27. Dezember werden die ersten Pflegeheimbewohner von mobilen Teams gegen Corona geimpft. Das Impfzentrum der Stadt Bremen (Messehalle 7) nimmt am 28. Dezember den Betrieb auf, dort werden zunächst ausschließlich Pflegekräfte geimpft. In Bremerhaven ist das Impfzentrum in der Stadthalle untergebracht. Ein Bündnis von Firmen mit dem Unternehmer Kurt Zech gründet die Initiative „Bremen impft“. Ihr Ziel: eine schnelle und flächendeckende Impfung. Die Initiative arbeitet mit der Gesundheitsbehörde zusammen, unter anderem bei der Terminvergabe.

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Januar 2021

Bei der Impfkampagne gibt es einen Flickenteppich: Bremen kommt im Vergleich der Länder besser voran. Das Land liegt Anfang des Monats – wie bis heute im oberen Drittel, was die Impfquote betrifft. Das liegt an den knappen Impfdosen-Lieferungen. Am 6. Januar wird nach Biontech der zweite Impfstoff (Moderna) zugelassen. Ab Mitte Januar wird in Bremen damit medizinisches Personal in Kliniken geimpft. Der ursprünglich bis zum 10. Januar vereinbarte Lockdown wird Anfang Januar bundesweit bis Ende des Monats mit noch strengeren Kontakteinschränkungen im privaten Bereich verlängert – am 19. Januar folgt eine weitere Verlängerung bis Mitte Februar. Am 26. Januar werden in Bremen erstmals zwei Infektionen mit der Virusmutation B.1.1.7 festgestellt, die zuerst in Großbritannien nachgewiesen wurde – dort und in Irland sorgte sie für einen exponentiellen Anstieg der Infektionen. Sie gilt als besonders ansteckend.

Februar 2021

Ab Anfang Februar werden an alle Bremer fünf kostenlose FFP2-Masken verschickt. Überall dort, wo bisher eine Maskenpflicht galt, müssen nun medizinische Masken getragen werden. Am 6. Februar erhält Bremen die ersten 2400 Dosen des dritten Impfstoffs (Astra-Zeneca). Am 9. Februar meldet die Behörde acht Todesfälle im Land, die bislang höchste Zahl an einem Tag.

Die Corona-Variante B.1.1.7 breitet sich aus, bis Mitte des Monats werden 120 Fälle im Land nachgewiesen. Für Infizierte und Kontaktpersonen gelten verschärfte Quarantäneregeln. Am 17. Februar geht das dritte Impfzentrum im Bremer Norden in Betrieb. Am 23. Februar beschließt der Senat die Erweiterung des Impfzentrums an der Bürgerweide. Ende Juli könnten 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sein, heißt es. Der Senat beschließt zum 1. März Lockerungen für Grundschulen und Kitas. In Bremerhaven steigt die Inzidenz am 27. Februar auf fast 200, der bislang höchste Wert in der Seestadt.

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