Demonstration auf dem Marktplatz

Sperrstunde stößt auf Unverständnis in Bremen

Viele Bremer Gastronomen sehen angesichts der kürzlich beschlossenen Sperrstunde ihre Existenz bedroht. Bei einer Demonstration auf dem Marktplatz haben sie ihrem Ärger Luft gemacht.
13.10.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Sperrstunde stößt auf Unverständnis in Bremen
Von Felix Wendler
Sperrstunde stößt auf Unverständnis in Bremen

Von 23 bis 6 Uhr müssen alle gastronomischen Betriebe in Bremen geschlossen bleiben. Die betroffenen Gastronomen kritisieren das. Kneipen, Bars und Restaurants spielten bei der Verbreitung des Coronavirus kaum eine Rolle, argumentieren sie.

Annette Riedl

Die verschärften Corona-Maßnahmen sorgen für Ärger. Insbesondere die vom Senat beschlossene Sperrstunde für alle gastronomischen Betriebe (wir berichteten) stößt bei deren Betreibern auf Unverständnis. Am späten Montagabend hat eine Gruppe von Bremer Gastronomen auf dem Marktplatz gegen die neue Regelung demonstriert. Die sei existenzgefährdend, sagen Dennis Rissmann und Johannes Ziegler, die Initiatoren der Demonstration.

Rissmann führt die „Friends Bar“, Ziegler ist Inhaber der Kneipe „Schwarzer Hermann“. In einem via Facebook verbreiteten Aufruf schreiben sie: „Der jetzt beschlossenen Maßnahme fehlt jede rechtliche und medizinische Grundlage. Dagegen wehren wir uns.“ Rissmann sagte dem WESER-KURIER am Montag, dass viele Gastronomen gegen die Sperrstunde vor Gericht ziehen würden, falls Gespräche mit dem Senat erfolglos blieben.

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Gegenteiliger Effekt befürchtet

Es sei bereits jetzt eine spürbare Verunsicherung der Gäste erkennbar. Die Gastronomen sehen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. „Fakt ist: In der Stadt Bremen sind in unserer Branche bislang keine erheblichen Verstöße gegen die Corona-Maßnahme geschweige denn Infektionsherde festgestellt worden“, heißt es in der Erklärung. Das Risiko liege eher bei Veranstaltungen im öffentlichen oder halböffentlichen Raum, bemängeln Rissmann und Ziegler. Sie sehen sogar gegenteilige Effekte einer Sperrstunde. Gäste stünden nach Schließung der Lokale und Kneipen um 23 Uhr schlagartig auf der Straße.

Eine Kontrolle sei dann nicht mehr gegeben, Ansammlungen im öffentlichen oder privaten Raum seien zu befürchten. Ähnlich argumentiert auch die Bremer-Gastro-Gemeinschaft (BGG). Allen bekannten Statistiken zufolge seien für Infektionsausbrüche nur „sehr selten“ Gastrobetriebe verantwortlich, erklärt die BGG. „Der Senat ist aufgefordert, sollte er das anders sehen, dies mit Zahlen zu belegen“, heißt es weiter. Die Gastronomen wollten den Beweis antreten, dass die Einschränkungen in dieser Form falsch seien.

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„Wir sind Teil der Lösung, nicht das Problem!“, argumentiert die BGG. Unter dem gleichen Motto lief auch die Demonstration am Montagabend, an der die BGG aber laut Aussage eines Sprechers nicht beteiligt gewesen ist. Die BGG plane am Donnerstag ab 15.30 Uhr eine eigene Kundgebung. Man bemühe sich um Gespräche mit dem Senat, vereinbart sei aber noch nichts, so der Sprecher weiter.

Kritik an der Sperrstunde kommt auch von der Bremer FDP-Fraktion. „Eine Sperrstunde kann zu einer Ballung zu bestimmten Uhrzeiten oder zu einer gefährlichen Verlagerung in den privaten Bereich führen“, sagt deren Vorsitzende Lencke Wischhusen. Sie attestiert den allermeisten Gastronomen einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Situation. Sollte es tatsächliche Probleme geben, dann sei der Senat gefordert, diese mit mehr Kontrollen durch Ordnungskräfte zu lösen, so Wischhusen.

Kritik an Beherbergungsverboten

Ärger gibt es angesichts der neuen Corona-Maßnahmen nicht nur über den Senat, sondern auch seitens des Senats. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) kritisierte via Twitter die Beherbergungsverbote, die diverse Bundesländer erlassen haben. "Tausende von Menschen aus benachbarten niedersächsischen Risikogebieten pendeln täglich ungehindert nach Bremen ein.

Aber ein Tourist aus Bremen darf ohne Corona-Test nicht einmal für einen Tag in Niedersachsen beherbergt werden", schrieb Bovenschulte. Er wolle das Problem bei der am Mittwoch anstehenden Ministerpräsidentenkonferenz noch einmal zum Thema machen. Wie realistisch eine Neuregelung sei beziehungsweise wie diese aussehen könnte, ließe sich noch nicht einschätzen, teilte ein Senatssprecher am Montag mit.

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