Ausbruch bei bei Frosta und Deutsche See Tests statt Produktionsstopp

Nach Corona-Ausbrüche in zwei Fabriken und zwei Pflegeeinrichtungen hält das Gesundheitsamt in Bremerhaven die Situation für beherrschbar. Sorge macht die hohe Ansteckungsrate in den Pflege-Einrichtungen.
04.02.2021, 21:29
Lesedauer: 3 Min
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Tests statt Produktionsstopp
Von Timo Thalmann

Bremerhaven. Mit einem aktuellen Sieben-Tage-Inzidenzwert von 130,8 Infektionen je 100.000 Einwohner zeigt die Corona-Pandemie in Bremerhaven seit mehreren Tagen eine dynamische Entwicklung. Das ist der höchste Stand der Neuinfektionen seit Beginn der Corona-Pandemie. Allein am Donnerstag vermeldet die Seestadt 44 neue Infektionsfälle. Die Inzidenz liegt damit über dem Bundesdurchschnitt von derzeit 80,7. Vor vier Wochen sah die Situation noch anders aus: Da lag der Wert in Bremerhaven mit 51 unter der seinerzeit bundesweiten Inzidenz von 135. In der Stadt Bremen wurde am Donnerstag ein Wert von 76,1 gemeldet.

„Wir halten die Situation aber trotzdem noch für beherrschbar“, sagt Ronny Möckel, Chef des Bremerhavener Gesundheitsamtes und Leiter des örtlichen Krisenstabes. Der größte Teil der Infektionen ist nach seinen Angaben auf erkennbare Ausbrüche und Cluster in Gemeinschaftsunterkünften und Arbeitsstätten zurückzuführen.

Kontaktverfolgung bleibt möglich

Konkret sind derzeit die Deutsche See, Frosta und zwei Pflegeheime von größeren Ausbrüchen betroffen. „Von den 119 Neu-Infektionen der zurückliegenden Wochen können wir 104 mit diesen Ereignissen in Zusammenhang bringen“, sagt Möckel. Bislang sei es gelungen, die Infektionsketten zurückzuverfolgen und die Ausbrüche auf die Einrichtungen zu begrenzen. Bis zu einer Inzidenz von 150 sei das auch weiterhin möglich. „Weil sich das Infektionsgeschehen auf eingrenzbare Hotspots konzentriert, ist es für uns derzeit sogar noch ein bisschen einfacher.“ Zugute komme dem Gesundheitsamt außerdem, das Bremerhaven bei Schulen und Kitas schon länger auf Distanzunterricht und Notbetreuung setze. „Dadurch sind wir in diesem Bereich derzeit weitgehend unbelastet von Infektionsfällen, bei denen die Kontaktverfolgung ungleich aufwendiger ist“, sagt Möckel.

Auch Bremerhavens Bürgermeister Melf Grantz (SPD) betont, man habe die Corona-Ausbrüche trotz der hohen Inzidenz „vollständig im Griff.“ Es gebe kein breites Infektionsgeschehen in der Stadt. „Die Bürger halten sich an die Abstands- und Hygieneregeln, es gibt kaum Verstöße gegen die Corona-Verordnungen.“

Die Infektionsfälle in den Produktionsstätten von Frosta und Deutscher See sind laut Möckel auch nicht mit den großen Ausbrüchen in der Fleischindustrie vergleichbar. „Die Ansteckungen sind nicht unter dem Radar passiert, sondern frühzeitig aufgefallen, weil in den Unternehmen regelmäßige Coronatests gemacht wurden.“ Die Fabriken nicht zu schließen und die Produktion fortzusetzen sei eine epidemiologisch begründete Entscheidung des Bremerhavener Gesundheitsamtes. „Was glauben sie, wie viele Mitarbeiter sich an Quarantäneanordnungen halten, wenn wir sie jetzt komplett symptomfrei zu Hunderten nach Hause schicken?“, fragt Möckel, der befürchtet, so erst recht eine weitere Ausbreitung zu befördern.

Stattdessen setzen er und die Firmenleitungen auf eine rigide Teststrategie: Täglich sollen jetzt die gesamten Belegschaften zu obligatorischen Rachen- und Nasenhöhlenabstrichen antreten. So will man alle Infektionsfälle und betroffenen Kontaktpersonen rasch erkennen und isolieren. Mehrere Hundert Tests wurden in den zurückliegenden Tagen bereits durchgeführt.

Keine Sanktionen geplant

Möckel hofft, bei Frosta werde sich der Ausbruch auf einige Dutzend der rund 400 Mitarbeiter begrenzen lassen. Bis Mittwoch hatte man 29 Fälle ermittelt. Bei der Deutschen See geht er von etwas höheren Infektionsraten aus, glaubt aber auch hier nicht an Hunderte von Fällen. Hier waren bis Mittwoch 26 Infektionen entdeckt worden. Die Firmen kooperierten und gewährten alle notwendigen Einblicke. Die Frage von Sanktionen gegen die Unternehmen stellt sich aus Sicht des Leiters des Gesundheitsamtes deshalb nicht. „Fehler passieren überall“, sagt Möckel, der Anfang der Woche selbst eine Datenpanne seiner Behörde einräumen musste (siehe Interview). Bislang lägen aber lediglich vereinzelte Hinweise auf Verstöße gegen die Corona-Verordnungen vor, denen nun nachgegangen werde.

Deutlich mehr Sorge bereitet Möckel die hohe Rate der Ansteckungen innerhalb einiger betroffener Pflege-Einrichtungen. So seien inzwischen im Albert-Schweitzer-Wohnheim für geistig behinderte Menschen in Bremerhaven-Geestemünde trotz aller Bemühungen sämtliche Bewohner und Mitarbeiter infiziert. Auch im Elisabeth-Haus, einer Senioreneinrichtung der Diakonie, steigt die Zahl der positiven Fälle. Eine erhoffte Eingrenzung des Ausbruchs auf einen Gebäudeteil sei nicht gelungen.

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