Sommer 2020

Bremer Festivalmacher wegen Corona-Krise in der Bredouille

Events mit hohen Besucherzahlen gehören für viele Bremer zu den Highlights des Jahres. Für diesen Sommer eine Veranstaltung zu planen, scheint Corona-bedingt unmöglich – drei Organisatoren berichten.
29.03.2020, 21:39
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Maren Brandstätter
Bremer Festivalmacher wegen Corona-Krise in der Bredouille

Das „Horn-To-Be-Wild“-Festival im Rhododendronpark wird von Bremer Jugendlichen organisiert. 2019 tummelten sich zahlreiche Besucher auf dem Gelände. Ob es in diesem Jahr stattfinden kann, ist noch unklar.

Oliver Schweers

Veranstaltungen zu planen, gerät in Zeiten der Corona-Krise zur echten Herausforderung. Neben allem, was ohnehin so bedacht werden muss, kommt derzeit noch die Unsicherheit dazu, ob sich die ganze Mühe überhaupt lohnt, weil die Veranstaltung möglicherweise gar nicht stattfinden kann.

Im Verein Die Wachmannstraße herrscht diesbezüglich im Moment noch Gelassenheit. Das jährliche Wachmannstraßenfest ist für den 11. Juli geplant und wird derzeit wie gewohnt vorbereitet. Allerdings mit einer Ausnahme: Der Verein wird alles, was Geld kostet, erst einen Monat vor dem Termin verbindlich in Auftrag geben. Bis dahin müsse feststehen, ob die Vorsichtsmaßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus wieder gelockert werden. „Das einzige, was wir vorfinanzieren müssen, sind Flyer und Plakate“, sagt Schatzmeister Christoph Blöcher. Da die Kosten hierfür aber vergleichsweise überschaubar seien, halte sich das Risiko für den Verein in Grenzen.

Lesen Sie auch

Ein Novum bei der Fest-Planung sind laut Blöcher in diesem Jahr die Kommunikationswege der Mitglieder. „Es läuft wegen des Coronavirus alles über Telefonate und E-Mails“, erzählt er. Zurzeit seien sie noch mit der Programmgestaltung beschäftigt. Sicher sei bislang, dass es wieder den geführten einstündigen Stadtspaziergang geben soll. Insgesamt werde es in der Zeit zwischen 15 und 23 Uhr mindestens drei bis maximal fünf Programmpunkte geben, sagt Blöcher. Obligatorisch seien neben dem Spaziergang das Quiz und die abendliche Livemusik.

Über das Motto fürs Quiz werde derzeit noch intern diskutiert. „Wir hatten uns ursprünglich auf Fußball verständigt, angesichts der bevorstehenden Europameisterschaft“, erzählt Blöcher. Da das Turnier aber aufgrund der Corona-Krise auf das kommende Jahr verlegt wurde, gingen die Meinungen im Verein nun auseinander, ob das Motto noch zeitgemäß sei. „Einige von uns würden lieber ein neues Thema wählen, die anderen sind der Meinung: Fußball geht immer“, sagt der Schatzmeister. Man werde sehen.

Massive Existenzangst

Die Corona-Krise überschattet die Planungen für das Wachmannstraßenfest in zweifacher Hinsicht. Zum einen sei unklar, ob es stattfindet, und zum anderen gebe es unter den Mitgliedern viele Gewerbetreibende, bei denen zurzeit massive Existenzangst herrsche, berichtet Blöcher. „Fast alle Geschäfte in der Wachmannstraße sind personengeführt“, sagt er. Da lasse sich eine Schließung nicht lange durchhalten. Vor diesem Hintergrund empfinde es der eine oder andere sicherlich als unpassend, ein Fest in der Straße zu planen. Im Verein überwiege aber die Überzeugung, dass die Traditionsveranstaltung den Menschen im Stadtteil angesichts der aktuellen Einschränkungen guttun würde. „Deshalb tun wir jetzt erst einmal so als ob das Wachmannstraßen-Fest stattfindet“, sagt Blöcher. „Es wäre sehr schade, wenn nicht.“

Auch in Horn-Lehe soll im Juli eigentlich gefeiert werden. Für den 4. Juli ist das jährlich im Sommer stattfindende Horn-to-be-wild-Festival (HTBW) im Rhododendron-Park geplant. Ob die sechste Auflage der vom Jugendkulturverein organisierten Veranstaltung abgesagt werden muss, ist im Moment ebenfalls noch ungewiss. „Natürlich betrifft uns die aktuelle Situation ähnlich, wie andere Veranstalter“, sagt Festival-Sprecherin Rebecka Gödecke. „Allerdings mit dem Unterschied, dass wir durch das ehrenamtliche Team weniger von Existenzängsten bedroht sind als manch andere Kollegen der Branche.“ Aktuell prüfe das Organisationsteam in allen Bereichen mehrere Möglichkeiten, um das Festival abzusichern.

Lesen Sie auch

Sechs Nachwuchsbands haben bereits für den 4. Juli zugesagt, außerdem stellen die Veranstalter traditionell ein buntes Rahmenprogramm für Besucher jeden Alters auf die Beine. „Die Planungen im Hintergrund laufen zunächst einmal weiter, während wir die Entwicklungen genau beobachten“, sagt Gödecke. „Wir hoffen, dass sich die Lage spätestens bis Juli beruhigt haben wird, und Veranstaltungen wieder guten Gewissens an den Start gehen können.“

Eine weit gefächerte Palette an Musikstilen

Etwas mehr Zeit bleibt den Organisatoren von „Ein Sonntag im Park“ mit ihrer Planung. Das Oberneulander Musik-Festival steht diesmal für den 6. September im Kalender. Seit 1986 lädt der Förderkreis gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz alle zwei Jahre zu der spätsommerlichen Veranstaltung in den Park Hohenkamp. Ein Markenzeichen vom Sonntag im Park ist die außerordentlich weit gefächerte Palette an Musikstilen, die sich auf der Bühne abwechseln. Die reichten in der Vergangenheit unter anderem von Folk, Jazz und Blues über Hip-Hop und Gospel bis hin zu Soul, Swing und Chanson.

„Wir hoffen sehr, dass die heiße Phase der Pandemie bis dahin vorbei ist und wir dieses Fest feiern können“, sagt Christine Bornkeßel, Vorsitzende des Förderkreises. „Was natürlich in Frage steht, ist, wie wir das Fest werden finanzieren können“, gibt sie zu bedenken. „Denn aus sehr nachvollziehbaren Gründen beschäftigt sich aktuell niemand mit unseren Anfragen nach Spenden oder einem Sponsoring.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+