Landesvorstand rügt Appell der Senatorin

Grünen-Spitze kritisiert Schulöffnungen

Die Bremer Koalitionäre sind sich beim Umgang mit den Schulen in der Pandemie keineswegs einig: Nun kritisiert der Landesvorstand der Grünen offen die Bildungssenatorin.
13.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Grünen-Spitze kritisiert Schulöffnungen
Von Sara Sundermann

Bremen. Konfliktstoff für die rot-grün-rote Koalition: Der Landesvorstand der Bremer Grünen macht deutlich, dass er vom zuletzt eingeschlagenen Kurs von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) wenig hält. „Wir halten die Aufforderung der Bildungssenatorin an Eltern, alle Kinder in die Schule zu schicken, in der aktuellen Situation für falsch“, teilt die Grünen-Spitze mit. Auch in Bremen würden die vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen wieder ansteigen. Für die Grünen habe es deshalb oberste Priorität, weiterhin die Zahlen zu senken.

Die Senatorin hatte in der vergangenen Woche in einem Interview allen Eltern in Bremen empfohlen, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Für die Klassen eins bis sechs empfiehlt die Bildungsbehörde den Schulbesuch auch schriftlich.

„Das ist der falsche Weg“, sagt Florian Pfeffer, Landesvorstandssprecher der Grünen über die Aufforderung der Senatorin. „Mit Bremens Senatsbeschluss zur Schulöffnung hat niemand bei den Grünen ein Problem, wohl aber mit dem Appell der Senatorin“. Denn dieser Appell könne wieder zu vollen Klassen führen. Und es sei bekannt, dass es auch in Schulen zu Übertragungen komme. „Wir müssen an diesem Punkt der Realität ins Auge sehen“, so Pfeffer. Er stellt klar: „Ich finde es richtig, dass Eltern, die die Möglichkeit haben, ihre Kinder zu Hause zu lassen, dies auch tun.“ Ziel müsse es derzeit sein, so wenig Kinder wie möglich im Präsenzunterricht zu beschulen – auch um komplette Schulschließungen zu einem späteren Zeitpunkt zu vermeiden. Pfeffer räumt aber ein, dass es bei diesem Thema auch bei den Grünen unterschiedliche Positionen gebe.

In der Bildungsbehörde wollte man sich zur Kritik der Grünen am Dienstag nicht äußern. SPD-Fraktionschef Mustafa Güngör verteidigt den Kurs von Claudia Bogedan. „Die Aufforderung der Senatorin ist richtig“, sagt Güngör. „Im Augenblick haben wir in Bremen niedrige Inzidenzwerte, und wir bieten als einziges Bundesland Tests für alle Schulen an.“ Natürlich könne sich diese Situation in einer Pandemie jederzeit ändern, aber bisher fahre man gut mit der Bremer Regelung. Bremen stellt es Eltern frei, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken.

Die Kritik der Grünen-Spitze verwundere ihn, sagt der Fraktionsvorsitzende. „Der Beschluss zur Schulöffnung wurde gemeinsam gefasst und bisher von Grünen und Linken mitgetragen.“ Er betont: „Da erwarte ich vom Koalitionspartner auch Verlässlichkeit.“

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