Das Firmentagebuch - Tag 16

Eine Woche wie Monate

In kurzer Zeit passiert mit dem Geschäft soviel, wie sonst in Monaten. Noch kein Ende der Situation in Sicht und können Torten so verpackt werden, dass sie einen Sturz aus einem Meter Höhe überstehen?
06.04.2020, 05:52
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Eine Woche wie Monate
Von Timo Thalmann
Eine Woche wie Monate

Konditormeister Bernard Timphus vom Café Stecker berichtet jeden Tag von seiner Situation in Zeiten der Coronakrise.

Christina Kuhaupt

Wie verschickt man Kuchen mit der Post? Ich weiß es nicht und bislang war das auch kein Thema für mich. Wenn ich die Vorgaben der Paketdienstleister so durchsehe, komme ich zu dem Schluss, am besten gar nicht. Das verschickte Gut soll so beschaffen und verpackt sein, dass es einen Sturz aus einem Meter Höhe auf Betonboden schadlos übersteht, heißt es da. Cremetorten sind damit wohl raus.

Aber irgendwie würde ich den Kunden gern helfen, die das wünschen. Es ist gar nicht so, dass über den neuen Onlineshop jetzt Bestellungen aus der ganzen Republik eintreffen. Hauptsächlich sind es die lokalen Kunden, die gerne zum Osterfest Freuden und Verwandten etwas zukommen lassen möchten, wenn man sich schon nicht besuchen kann.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, verschickt zum Beispiel die Osternester oder Hasen aus süßem Hefeteig. Die Hasen bekommmen ein gefärbtes und hartgekochtes Hühnerei eingebacken. Die Eier färbt jedes Jahr mein Junior. Schon als Kind hat er da mit viel Freude mitgeholfen. Die fertig gefärbten Eier aus dem Großhandel sind ja zum Teil schon im Januar verarbeitet, darum machen wir das lieber selbst.

Wenn ich überlege, was in dieser Woche alles passiert ist, mit dem Start des Onlineshops, das Sortiment passend machen, die Herstellungsmengen ohne den Cafébetrieb neu einpegeln – normalerweise reicht das für zwei Monate Unternehmerdasein. Jetzt ist das Wetter schön geworden, viele Leute sind draußen unterwegs. Ich kreise hier um mich, den Laden und die Angestellten. Es gibt keinen Feierabend. Als Privatmensch komme ich derzeit nur noch sehr rudimentär vor. Als Konditor kennt man diese Situation ein bisschen vom Weihnachtsgeschäft, aber da weiß man: Am 24. Dezember ist die Schlacht geschlagen. Wann wird es jetzt zuende sein?

Aufgezeichnet von Timo Thalmann

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