Auch Bremer Firmen betroffen

Corona-Krise: Unternehmen wollen weniger auf Messen ausstellen

Laut einer Umfrage wollen viele Unternehmen auch nach Corona an ihren Messeauftritten sparen. Viele Bremer Firmen nutzen die Ausstellungen aber, um ihre Kunden zu treffen.
12.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Corona-Krise: Unternehmen wollen weniger auf Messen ausstellen
Von Stefan Lakeband
Corona-Krise: Unternehmen wollen weniger auf Messen ausstellen

Landmaschinenhersteller Merlo setzt weiter auf Messen wie die Agritechnica. Hier trifft das Unternehmen auf seine Kunden.

Hauke-Christian Dittrich

Die Corona-Krise hat die Messe-Industrie mit voller Wucht getroffen. Bundesweit wurden Ausstellungen verschoben oder komplett abgesagt. Das trifft Messebauer und Veranstalter gleichermaßen. Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Im Gegenteil: Auch nach Corona könnte das Geschäft mit Messen schwierig bleiben.

Fachausstellungen könnten langfristig zu den Verlierern der Corona-Pandemie gehören. Das geht aus einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts hervor. Es hat Industriefirmen befragt, ob sie nach der Covid-Krise wieder an Messen teilnehmen wollen. Fast zwei Fünftel gaben dabei an, ihr Engagement herunterzuschrauben zu wollen. Bei größeren Firmen ist der Anteil derer, die weniger Zeit und Geld in Messen stecken wollen, sogar noch etwas größer. Der Grund ist simpel: Fast 50 Prozent der Firmen gaben an, keine wirtschaftlichen Einbußen durch fehlende Messeteilnahmen zu haben.

Alle Auftritte abgesagt

Auch viele Bremer Firmen haben sich und ihre Arbeit vor der Corona-Krise regelmäßig auf Ausstellungen präsentiert. Dazu gehört etwa der deutsche Ableger des italienischen Bau- und Landmaschinenherstellers Merlo. Vor allem die Agritechnica und die Eurotier in Hannover seien wichtige Messen für das Unternehmen, sagt Cedric Bock von Merlo. Genauso wie die Bauma, die weltweit größte und wichtigste Fachmesse für Baumaschinen. Hinzu kämen kleinere, regionale Schauen. „Für dieses Jahr haben wir aber alle Auftritte abgesagt“, sagt Bock. Zu unsicher sei die Situation gewesen. Auch für das kommende Jahr sei noch nicht klar, ob und wo sich die Firma präsentieren werde. Das hat laut Bock allerdings nichts mit einem bewussten Verzicht auf das Messegeschäft zu tun, sondern mit der unklaren Situation, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird. Sich von Messeauftritten verabschieden, will der Landmaschinenhersteller nicht. „Messen sind der Ort, an dem wir unsere Kunden treffen“, sagt Bock. Die Ausstellungen seien wichtig, um Beziehungen zu Geschäftspartnern aufzubauen.

Genauso sieht es auch Madjid Mohit, Inhaber des Bremer Sujet-Verlags. „Gerade für unbekannte Unternehmen sind Messen wichtige Treffpunkte“, sagt er. Für sein Unternehmen sind die Frankfurter und die Leipziger Buchmesse zwei wichtige Termine im Jahr. In Frankfurt sei alles international ausgerichtet. Dort habe er Kontakt mit ausländischen Verlagen und Autoren knüpfen können. In Leipzig seien in der Regel viele Buchhändler unterwegs. „Das ist gut, um auch als kleiner Verlag auf sich aufmerksam zu machen.“ Beide Messen finden dieses Jahr aber nicht in ihrer gewohnten Form statt. Die Frankfurter Buchmesse beispielsweise gibt es in diesem Jahr ohne Aussteller, dafür aber um ein Digitalangebot ergänzt. Der Bremer Verlagsgründer ist skeptisch. „Bislang weiß keiner, wie das funktionieren soll.“

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Dabei sind es gerade digitale Messeformate, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen könnten. Wie das aussehen kann, hat Anfang des Monats die Internationale Funkausstellung in Berlin gezeigt. Sie hat in deutlich kleinerem Umfang stattgefunden: Statt der 2.500.000 Besucher des vergangenen Jahres waren lediglich 6100 vor Ort. Hinzu kamen aber 78.000 virtuelle Messegäste.

Auch in der Ifo-Umfrage gaben 65 Prozent der Firmen an, dass sie digitale Messeveranstaltungen stärker nutzen wollen. Auch hier ist der Anteil bei größeren Firmen höher. „Die Messegesellschaften sind schon dabei, digitale Instrumente in die Messen einzubauen oder führen digitale und hybride Veranstaltungen durch“, sagt Ifo-Messeexperte Horst Penzkofer. „Messen bleiben weiter wichtig für die Unternehmen, aber sie werden sich verändern müssen.“

Messe ins Internet verlegt

Hans Peter Schneider, Chef der Bremer Messegesellschaft M3B, sieht in den Ergebnissen der Ifo-Umfrage keine Probleme. „Das ist ein Thema, das uns nicht betrifft, denn wir haben hier keine klassischen Industriemessen wie beispielsweise die Industriemesse in Hannover“, sagt er. Mit Ausstellungen wie der Fish&Feines oder der Gastro Ivent sei man auf Special-Interest-Messen spezialisiert. Dass aber auch hier mit anderen Formaten experimentiert wird, zeigt die Fachmesse Ithec. Das Forum für thermoplastische Verbundwerkstoffe hätte im Oktober in den Messehallen stattgefunden und wurde nun ins Internet verlegt.

Einer, der bald ausprobieren wird, wie eine Messe in der Corona-Zeit stattfinden kann, ist Jens Lütjen, Geschäftsführer des Immobilienunternehmens Robert C. Spies. Mitte Oktober findet die Immobilienmesse Expo Real statt – als Hybridversion. Der Veranstalter will einen physischen und virtuellen Treffpunkt für die Branche bieten. „Noch haben wir nicht den Eindruck, dass das ein gutes Investment ist“, sagt Lütjen. An der Expo Real nimmt das Unternehmen in diesem Jahr mit vier Mitarbeitern teil – sonst war Robert C. Spies immer mit etwa 30 Leuten vor Ort. Die Mipim, eine für Robert C. Spies wichtige Immobilienmesse in Cannes, wurde hingegen komplett auf das kommende Jahr verschoben. Was die Zukunft des Messegeschäfts für das Immobilienunternehmen angeht? „Wir müssen auch schauen, was die Kunden wollen“, sagt Lütjen. Es sei in Teilen jedenfalls zu kompensieren. Seine Mitarbeiter reisten viel, um wenigstens in der Anfangsphase von Projekten die Kunden persönlich zu treffen. Um Geschäfte anzubahnen, sei Robert C. Spies daher nicht auf Ausstellungen angewiesen.

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