Sterben in der Corona-Krise

Wie Familienmitglieder ihre Angehörigen begleiten können

Auch an Krebs, Herzinfarkt oder Altersschwäche sterben in der Corona-Krise Patienten. In Bremen können Angehörige sie unter Einschränkungen auf dem letzten Weg in Hospizen, Kliniken und Heimen begleiten.
02.06.2020, 05:00
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Wie Familienmitglieder ihre Angehörigen begleiten können
Von Ulrike Troue
Wie Familienmitglieder ihre Angehörigen begleiten können

Im Hospiz "Die Brücke" in Walle können sich Angehörige nach wie vor von ihren Familienmitgliedern verabschieden, wenn diese im Sterben liegen. Insgesamt versucht die Hospiz-Leitung aber, Besuche so gut es geht einzudämmen.

Daniel Chatard

Sterben gehört zum Leben und die Möglichkeit, am Sterbebett von den Liebsten Abschied zu nehmen zur Würde des Menschen. Doch dem Ehepartner, dem Elternteil, dem Bruder oder der Schwester am Sterbebett beizustehen, ist für Angehörige wegen der Pandemie derzeit nur unter besonderen Voraussetzungen möglich.

Bremer Kliniken und Pflegeeinrichtungen sind weiter an die gesetzlichen Besuchsverbote gebunden. Diese wurden getroffen, um die Neuinfektionen mit dem Coronavirus einzudämmen. Für Angehörige von Todkranken können Krankenhäuser und Heime jedoch eine Ausnahme machen. Im Hospiz sind Besuche unter Einhaltung der allgemeinen Hygienevorgaben dagegen immer möglich.

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Im Hospiz „Die Brücke“ in Walle mit acht Plätzen könnten die engsten Angehörigen ihre Lieben auf dem letzten Weg begleiten, sagt Keris Schnelle. „Wir versuchen natürlich, die Besuche einzudämmen“, sagt die Leiterin des Hospizes mit Blick auf den Gesundheitsschutz für Patienten, ihre Gäste und das Personal. Angehörigenbesuche, auch zu zweit oder bei größeren Familien in Etappen, seien möglich. Es müsse allen Familienmitgliedern die Möglichkeit gegeben werden, sich zu verabschieden.

„Zeitfenster gibt es bei uns nicht“, sagt Schnelle. Sie passten nicht zu dieser privaten Abschiedssituation. Anmelden müssten sich nahestehende Besucher aber schon. Die Angehörigen werden demnach im Hospiz in die erforderlichen Hygienevorgaben eingewiesen, danach zu den Einzelzimmern begleitet oder sie treffen ihre noch mobilen Angehörigen im Garten. Für die persönliche Nähe seien alle dankbar, sagt die Hospizleiterin. „Nur Umarmen geht nicht, jemanden im wahrsten Sinne des Wortes zu halten.“ „Das klappt insgesamt gut in unserer kleinen Einrichtung“, sagt Schnelle. Die zum Hospizkonzept gehörende Beratung und Betreuung der Familienmitglieder werde ebenso fast nicht beeinträchtigt.

Besuchsverbot nach wie vor in Kraft

Auch in den Bremer Kliniken gibt es Patienten auf der letzten Etappe ihres Lebens. Das betrifft nicht nur Corona-Schwerstinfizierte in Quarantäne. Generell ist das Besuchsverbot in den Krankenhäusern auf Grundlage der vierten Coronaverordnung des Bremer Senats nach Auskunft von Karen Matiszick, Sprecherin des Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno), nach wie vor in Kraft. Aber: „Grundsätzlich gilt bei uns, dass wir bei Sterbenden eine Ausnahme vom Besuchsverbot machen. Ein bestimmtes Zeitfenster gibt es dafür nicht.“

Auf der Palliativ-Station und auch auf anderen Stationen, zum Beispiel mit Krebspatienten, soll aber möglichst nur ein Angehöriger den Sterbenden begleiten, sagt Stefanie Beckröge von der Geno. „Diese Person darf in Ausnahmefällen aber wechseln.“ Dabei stimmen sich demnach Angehörige und das behandelnde Team im Einzelfall ab. Die Zahl der Besucher in den Geno-Häusern Klinikum Bremen-Mitte, Klinikum Bremen-Nord, Klinikum Bremen-Ost und Klinikum Links der Weser soll so gering wie möglich gehalten werden, um alle anderen Patienten zu schützen.

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Die zugelassenen Angehörigen müssen laut Geno bei Besuchen einen normalen Mundschutz tragen, da FFP2 Masken und die Schutzkleidung ist dem medizinischen Personal vorbehalten sind. Und sie müssen den Angaben zufolge die geltenden Hygieneauflagen erfüllen: Neben Maske sind das Abstand und Händedesinfektion.

Begleitung trotz Besuchseinschränkungen

In den vergangenen Wochen seien wiederholt Bewohnerinnen und Bewohner in den Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in der Sterbephase begleitet worden, berichtet auch Petra Karin Sklorz, Geschäftsführerin der Awo Bremen. Sofern die Betroffenen dies wünschten, könnten Angehörige sie in den letzten Stunden im Pflegeheim begleiten. „Das ist trotz der Besuchseinschränkungen möglich“, sagt Sklorz.

Jedes Pflegeheim findet nach ihrer Auskunft bei Bedarf individuelle Lösungen, um Menschen würdevolles Sterben zu ermöglichen. Den Beginn einer Sterbephase könnten die Mitarbeitenden in vielen Fällen recht gut abschätzen und die Angehörigen über die Entwicklung informieren, sagt die Awo-Geschäftsführerin. Dann könnten konkrete Besuche abgesprochen werden. „Hier nehmen wir auf die besondere Situation im Hinblick auf Zeiten Rücksicht.“ Die grundsätzlichen Hygieneauflagen müssten aber weiterhin eingehalten werden, so Sklorz. Nach sorgfältiger Einweisung würden die Abschiedsbesuche unter Berücksichtigung der Privatsphäre stattfinden. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ziehen sich dann zurück.“

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„Eine enge Begleitung der Menschen auf dem letzten Lebensweg wie bisher kann jetzt aber nicht stattfinden“, sagt Sylvia Best, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes des Landkreises Osterholz. Sie ist mit einer weiteren Koordinatorin und 25 ehrenamtlichen Lebensbegleitern auf dem letzten Weg vorwiegend in Pflegeheimen im Einsatz. Die Lockerung der Besuchsregelung erleichtere ihre Arbeit nur wenig, sagt sie. „Für den Trauerprozess ist es wichtig, dass man würdevoll Abschied nehmen kann“, sagt Best.

Weil im Sterben liegende Menschen selten Telefonkontakte pflegen, hat ihr Team einen alternativen Draht nach draußen entwickelt: „Wir halten Briefkontakt.“ Eine ehrenamtliche Trauerbegleiterin schreibt Betroffenen einmal in der Woche einen Mut machenden Brief. „Das ist ein Lichtblick, die Menschen fühlen sich nicht mehr so allein“, sagt Best.

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