Kein Ja-Wort von der Behörde

Corona-Pandemie lässt Hochzeitsfeier zweimal platzen

Eigentlich hatten Volker Marwede und seine Braut ihre Hochzeit schon im Mai groß feiern wollen. Wegen Corona wurde nichts daraus, ein zweiter Anlauf war angesetzt - und wieder kam Corona dazwischen.
10.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Corona-Pandemie lässt Hochzeitsfeier zweimal platzen
Von Frank Hethey
Corona-Pandemie lässt Hochzeitsfeier zweimal platzen

Frustriert: Volker Marwede und seine Braut.

Privat

Gerade mal einen Kilometer Luftlinie entfernt wohnte die Frau seines Lebens. Seine „Zukünftige“, wie Volker Marwede gern sagt. Wobei die Zukünftige auch die Vergangene ist. „Zweimal waren wir in unserer Jugend zusammen“, sagt der 54-Jährige. „Und später haben wir uns aus den Augen verloren.“ Vor fünf Jahren dann die dritte Begegnung, erst noch digital via Facebook, bald auch in natura. Wieder knisterte und funkte es – oder vielleicht loderte sie auch noch, die alte Flamme. „Die Liebe hat wohl niemals ganz aufgehört“, meint der Bräutigam.

Marwede und seine Zukünftig-Vergangene waren schon einmal verheiratet, er hat aus erster Ehe einen Sohn und eine Tochter, sie eine Tochter, die drei Kinder sind längst erwachsen. Der gelernte Kfz-Mechaniker ging seinen Weg, heute arbeitet er in der Verkehrssicherung, er hat es zum Niederlassungsleiter einer Firma in Bremervörde gebracht. Nur im Privatleben lief nicht alles rund. Es sei eben der zweite Versuch, sagt Marwede. Doch diesmal ist er sich sicher: „Jetzt ist es das Richtige.“

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Und das Richtige, das sollte auch groß gefeiert werden. Als amtierender Schützenkönig machte Marwede beim Schützenfest in Neuenkirchen/Schwanewede der Auserwählten „vor versammelter Mannschaft“ einen Antrag. Die „Mannschaft“ konnte sich sehen lassen: 170 Schützenschwestern und Schützenbrüder, dazu zwei Vertreter der Lokalprominenz in Gestalt des Bürgermeisters von Schwanewede und seiner Amtskollegin aus Neuenkirchen.

Geplant war eine Hochzeitsfeier mit 250 Gästen. Am 9. Mai hatte es soweit sein sollen. Doch Corona machte den schönen Plan zunichte. „Schweren Herzens mussten wir absagen“, so Marwede. Auch die Trauung ließ das Paar sausen. Das Ja-Wort vor nicht mehr als zehn Personen? Ein schlechter Witz in seinen Augen. „Es gehören ja schon zwölf zur Familie. Und aus der Familie wird keiner ausgeschlossen.“ Basta.

Keine Konfirmation

Also alles wieder auf Anfang. Lange suchte das Paar nach einer passenden Location. Doch fündig wurde es nicht, auch nicht im niedersächsischen Umland. Mit 50 Gästen wäre eine Feier wohl möglich gewesen, doch über diese Größenordnung konnte Marwede nur müde lächeln. „Ich will keine Konfirmation feiern, sondern eine Hochzeit.“

Vom ursprünglichen Gästevolumen war schon längst keine Rede mehr. Nicht mehr 250 Personen standen auf der Gästeliste, sondern nur noch 140. Zur Freude des Brautpaars fand sich vor fünf Wochen doch noch ein passendes Plätzchen. In der Überseestadt sollte am 9. Oktober gefeiert werden, genau fünf Monate nach dem vorgesehenen Termin. „Wir waren megaglücklich„, sagt Marwede. “Wir hätten 400 Quadratmeter haben können. Genug, um ausreichend Abstand zu halten.“

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Doch irgendwie stand auch dieser zweite Anlauf, für den zweiten Versuch eine anständige Feier auf die Beine zu stellen, unter einem schlechten Stern. Weil die Infektionszahlen merklich anzogen, sprangen immer mehr Teilnehmer ab. Nur etwas mehr als die Hälfte der geladenen Gäste hielt gegenüber dem Brautpaar am Ja-Wort fest. „Zuletzt hatten wir noch 75 Zusagen.“

Vergebliche Liebesmüh

Und dann der nächste Nackenschlag, die behördliche Begrenzung auf nicht mehr als 50 Gäste. Verzweifelt bemühte sich Marwede, beim Gesundheitsamt eine Sondergenehmigung für die verbliebenen 75 Getreuen zu erhalten. Vergebliche Liebesmüh, wie sich nur allzu bald zeigen sollte. Im Gegensatz zu seiner Braut lehnte die Behörde seinen Antrag brüsk ab. „Bei einer Androhung von 25.000 Euro Strafe“, sagt Marwede.

Die Hochzeit nochmals zu verschieben kam nicht in Betracht. Also sagte das unglückliche Brautpaar die Feier ganz ab und beschränkte sich auf nur noch 20 Gäste für die standesamtliche Trauung in Schwanewede. Mit denen ging es dann nach Bremen-Nord in den Garten. „Statt eine rauschende Hochzeitsfeier eine Gartenparty mit 20 Leuten“, sagt Marwede. Doch das letzte Wort soll noch nicht gesprochen sein. „Uns wird schon was einfallen.“ Und wenn es 2021 eine große Geburtstagsparty ist – mit 250 Gästen.

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