Eindämmung des Virus

So schlägt sich die Corona-Warn-App im Test

Mithilfe der neuen Corona-Warn-App soll die Ausbreitung des Virus eingedämmt und Infektionsketten schneller nachverfolgt werden. Der Weser-Kurier hat eine inoffizielle Vorab-Version getestet.
16.06.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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So schlägt sich die Corona-Warn-App im Test
Von Jean-Pierre Fellmer
So schlägt sich die Corona-Warn-App im Test

Ab Dienstag soll sie als Download im Appstore und Google-Playstore zur Verfügung stehen.

Eibner-Pressefoto / imago-images

Die Corona-Warn-App ist da. „Mehr Schutz für Sie und uns alle. Mit der Corona-Warn-App durchbrechen wir Infektionsketten schneller.“ So begrüßt sie ihre Nutzer von diesem Dienstag an. Seit vergangener Nacht steht sie bereits im Google-Playstore für Android-Smartphones und im Appstore für iPhones zum Download bereit. Der ­WESER-KURIER hat eine inoffizielle Vorabversion getestet.

Wer die App öffnet, bekommt auf der Begrüßungsseite (Bild 1) ihre Funktionalität kurz erklärt: Über die Anwendung sollen die Nutzer informiert werden, ob sie mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person Kontakt hatten. Der Nutzer oder die Nutzerin installiert die App auf dem Smartphone, wo sie dann im Hintergrund läuft. Über Funk via Bluetooth Low Energy, das nur wenig Strom verbrauchen soll, sendet das Programm zufällige Identifikationsnummern (Zufalls-IDs).

Das ist das erste Bild, das die Nutzer der Corona-Warn-App sehen. Es folgt eine sehr ausführliche Datenschutzerklärung sowie die Aktivierung der Risikoermittlung, die aber auch noch nachträglich ­aktiviert und jederzeit wieder deaktiviert werden kann.

Das ist das erste Bild, das die Nutzer der Corona-Warn-App sehen. Es folgt eine sehr ausführliche Datenschutzerklärung sowie die Aktivierung der Risikoermittlung, die aber auch noch nachträglich ­aktiviert und jederzeit wieder deaktiviert werden kann.

Foto: FR

Andere Smartphones in der Nähe, die ebenso die App installiert und aktiviert haben, empfangen und speichern diese. Je näher sich die andere Person befindet, desto stärker ist das Funksignal und umso höher das potenzielle Risiko einer Infektion. Wenn einer der Nutzer später erfährt, dass er infiziert ist, soll er diese Information über die Corona-Warn-App anonym teilen und so die anderen Nutzer warnen können. Die Nutzung der App ist freiwillig.

Mit einem Klick auf „Los geht’s“ folgt die Datenschutzerklärung der Anwendung. Im Vorfeld hatte es viele Bedenken gegeben, ob die App ihre Nutzer ausspionieren würde oder die gesammelten Daten missbraucht werden könnten. Die Informationen zum Datenschutz sind dementsprechend umfangreich. Die Erklärung verspricht eine „einfache und möglichst untechnische Darstellung“.

Die Übersichtsseite ist der Wegweiser der App: Der Nutzer kann hier zur (De-)Aktivierung der Risikoermittlung navi­gieren oder sich das von der App ermittelte Risiko anzeigen lassen. Von hier kommt er auch zur Übermittlung seines Testergebnisses oder weiteren Infos.

Die Übersichtsseite ist der Wegweiser der App: Der Nutzer kann hier zur (De-)Aktivierung der Risikoermittlung navi­gieren oder sich das von der App ermittelte Risiko anzeigen lassen. Von hier kommt er auch zur Übermittlung seines Testergebnisses oder weiteren Infos.

Foto: FR

Das gelingt in vielen Fällen, allerdings nicht durchweg: „Bei jedem Abruf von Daten vom Serversystem der App wird Ihre IP-Adresse (auf dem vorgelagerten Load Balancer) maskiert und im Weiteren nicht mehr innerhalb des Serversystems der App verarbeitet.“ Erklärungen wie diese sind etwas für Fachleute und wohl der Vollständigkeit und Transparenz wegen aufgeführt.

Hier wird auch erklärt, welche Berechtigungen die App benötigt – etwa den Zugriff auf die Bluetooth-­Schnittstelle. Neben der technischen Funktionalität ist zudem detailliert dargestellt, welche Daten wie lange gespeichert werden. Auch ist angegeben, wer die datenschutzrechtliche Verantwortung trägt: das Robert Koch-Institut (RKI).

Wie hoch das Risiko einer Infektion und wie soll ich mich verhalten? Ein Algorithmus bewertet anhand der anonymen Daten über die Kontakte zu anderen App-Nutzern, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist.

Wie hoch das Risiko einer Infektion und wie soll ich mich verhalten? Ein Algorithmus bewertet anhand der anonymen Daten über die Kontakte zu anderen App-Nutzern, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist.

Foto: FR

Auf die Datenschutzerklärung folgt die Aktivierung der Risikoermittlung: Ist sie aktiviert, sendet die Corona-Warn-App die besagten Zufalls-IDs und speichert den Zeitpunkt und die Dauer der Übermittlung sowie die Signalstärke. Der Nutzer kann die Funktion an dieser Stelle aktivieren, sie aber später jederzeit ändern. Wer die Risikoermittlung nicht aktiviert, wird von der App gebeten, bei einem positiven Test auf Corona dies der App dennoch mitzuteilen, um „die Gesundheit aller“ zu schützen.

Unabhängig von der Entscheidung folgt die Übersichtsseite (Bild 2) der App. Wer die Anwendung eingerichtet hat, landet bei späteren Besuchen direkt hier. Die Seite zeigt, ob die Risikoermittlung aktiviert oder gestoppt ist und wie hoch das Risiko einer Infektion zum jeweiligen Zeitpunkt ist. Außerdem ist hier die Funktion zur Übermittlung des Testergebnisses verlinkt sowie die Internetseite des Gesundheitsministeriums, auf der häufig gestellte Fragen beantwortet werden.

Damit das Smartphone die Zufalls-IDs per Funk sendet, muss die Funktion ­Risikoermittlung aktiviert werden. Ist sie dauerhaft aktiviert, funktioniert die ­Corona-Warn-App am zuverlässigsten. Der Stromverbrauch über Bluetooth soll nicht zu groß sein.

Damit das Smartphone die Zufalls-IDs per Funk sendet, muss die Funktion ­Risikoermittlung aktiviert werden. Ist sie dauerhaft aktiviert, funktioniert die ­Corona-Warn-App am zuverlässigsten. Der Stromverbrauch über Bluetooth soll nicht zu groß sein.

Foto: FR

Über den obersten Punkt auf der Übersichtsseite kommt der Nutzer auf eine Unterseite, bei der er die Risikoermittlung aktivieren oder deaktivieren kann (Bild 4). Bei dem Eintrag unter der Aktivierung der ­Risikoermittlung bekommt er in einer gefärbten Box das derzeitige Risiko einer Infektion angezeigt (Bild 3). Die App ermittelt das Risiko über einen Algorithmus anhand der Daten, wie viele Begegnungen der Nutzer mit infizierten Personen zu welchen Zeitpunkt hatte.

Kurz vor dem Ausbruch der Symptome einer Covid-19- Erkrankung ist das Infektionsrisiko am höchsten – dies gewichtet der Algorithmus entsprechend. Die Unterseite zeigt zudem, wann die Risikoeinschätzung sich das letzte Mal aktualisiert hat und wann sie es wieder tut. Und wie sich der Nutzer – je nach Höhe des Risikos – verhalten sollte.

Über den Knopf „Informieren und Mitmachen“ ­können Nutzer der Warn-App mitteilen, ob sie getestet wurden und infiziert sind. Labore und Corona-­Ambulanzen sollen getesteten Person QR-Codes geben, die die Nutzer mit der App einscannen können. Ist der Test positiv, kann der Nutzer der Corona-Warn-App dies anonym den Personen mitteilen, mit denen er ­Kontakt hatte und die das Smartphone über die Funktechnik registriert hat.

Wer keinen QR-Code oder eine TAN (Transaktionsnummer) hat, aber trotzdem positiv getestet wurde, der kann bei einer Hotline anrufen. Am Telefon schildert er seinen Fall und bekommt eine TAN zugesendet, die er in die App eintragen kann.

Hinweis: Die getestete Vorabversion wurde auf Basis des vor dem offiziellen Start veröffentlichten Programmcodes erstellt und kann von der amtlichen Fassung abweichen.

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Zur Sache

Der offizielle Start der Corona-Warn-App

Bei einer Pressekonferenz in Berlin um 10.30 Uhr soll die App an diesem Dienstag offiziell vorgestellt werden und ab dann im Google-Playstore und App­store heruntergeladen werden können. Wenn es soweit ist, wird die Bremer Gesundheitsbehörde über den Umgang mit der App informieren, teilte der Behördensprecher Lukas Fuhrmann mit. Wer eine Risikowarnung über die App erhalten hat, soll sich etwa bei einer Hotline melden und einen Termin für einen Test vereinbaren können.

Die Corona-Warn-App wurde von der Telekom und SAP entwickelt. Ein Telekomsprecher warnt vor Fälschungen der offiziellen App, was in Frankreich vermehrt vorgefallen sei. Die Corona-Warn-­App soll­te ausschließlich aus dem Appstore von Apple oder dem Google-Playstore geladen werden. Die offizielle Anwendung frage den Nutzer niemals nach seinem Namen, der Adresse oder anderen Da­ten. Links zu alternativen Quellen der App sollte der Anwender meiden – dabei könne es sich um Identitätsdiebstahl (Phishing) handeln. Ein Hinweis auf die richtige Version der App kann die Schreibweise „Corona-Warn-App“ sowie das offizielle Logo sein.

Die Anwendung kann nicht auf allen Smartphones genutzt werden. Beim iPhone funktioniert sie ab dem aktuellen iOS 13.5. Das gibt es für Geräte ab dem iPhone 6s. Bei Android-Handys muss Bluetooth LE unterstützt werden. Außerdem muss An-droid 6 oder eine neuere Version laufen und es müssen die Google Play Services aktiviert sein. Huawei hat angekündigt, dass die App in absehbarer Zeit auch für diesen Geräte funktionieren soll.

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