Millionen-Minus

Pandemie sorgt für Rückgang bei Übernachtungen und Museumsbesuchen in Bremen

Zum Städtetrip gehört für viele Touristen der Museumsbesuch dazu. In Bremen sind wegen Corona die Übernachtungen in den Hotels und die Besucherzahlen in den Museen aber dramatisch eingebrochen.
23.02.2021, 20:40
Lesedauer: 3 Min
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Pandemie sorgt für Rückgang bei Übernachtungen und Museumsbesuchen in Bremen
Von Marc Hagedorn

Für eine kurze Zeit sah es im vergangenen Oktober so aus, als könne das Museumsjahr 2020 vielleicht doch noch versöhnlich enden. Das Universum hatte seine Sonderausstellung „Up to Space“ eröffnet, und viele Besucher nutzten die Möglichkeit zum virtuellen Spaziergang auf dem Mond. Ergriffen die Chance, einen Eindruck davon zu bekommen, wie es ist, in Schwerelosigkeit zu schweben. Ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, sich optisch auf die Raumstation ISS beamen zu lassen.

Doch schon nach sechs Tagen war alles wieder vorbei. Das Universum musste wie alle Museen der Republik schließen. Und wie alle Einrichtungen hat es im alten Jahr und bis heute nicht wieder aufgemacht. Entsprechend bescheiden fallen die Besucherzahlen für das abgelaufene Jahr aus. 81.170 Gäste durfte das Universum im Coronajahr 2020 begrüßen, im Jahr davor waren es noch um die 200.000 gewesen. „2020“, sagt Marena Grotheer, Leiterin der Unternehmenskommunikation im Universum, „2020 war ein schwieriges und herausforderndes Jahr.“

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Reisen kaum möglich

Das Mitmach-Museum Universum steht bei Touristen und Bremen-Besuchern ganz oben, wenn es darum geht, während des Aufenthaltes die Freizeit in der Stadt zu gestalten. Die Bremer Touristik-Zentrale weiß das aus Erhebungen, die sie regelmäßig durchführt. Aber weil 2020 Corona herrschte, Reisen phasenweise gar nicht oder nur eingeschränkt möglich war, gingen auch die Zahlen der Bremen-Besucher und Übernachtungen in der Stadt massiv zurück.

Laut Statistischem Landesamt Bremen meldeten die gewerblichen Beherbergungsbetriebe der Stadt Bremen für Januar bis Dezember 572.441 Ankünfte von auswärtigen Gästen. Das ist ein Minus von 54,5 Prozent. Die Reisenden blieben im Schnitt 2,1 Nächte und buchten 1.206.886 Übernachtungen. Im Jahr 2019 waren es noch rund 2,3 Millionen Übernachtungen gewesen. Damit ergibt sich für das vergangene Jahr ein Minus von 48,7 Prozent. Im Land Bremen waren es 709.838 Ankünfte (minus 53 Prozent) und 1.488.085 Übernachtungen (minus 47,1 Prozent).

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„Ich hätte sogar mit noch größeren Einbußen gerechnet“, sagt Detlef Pauls. Er führt das Hotel Munte am Stadtwald und das Hotel 7Things in der Universitätsallee. Außerdem ist Pauls der Bremer Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga. Deshalb weiß er besonders genau, wie es um die Branche bestellt ist. „Es ist sehr, sehr ernst“, sagt er, „es werden nicht alle Betriebe durch die Corona-Krise kommen.“

Für Privatreisende gab es 2020 neben den Reiseeinschränkungen auch sonst weniger Gründe, um nach Bremen zu reisen und für eine Nacht oder zwei Nächte zu bleiben. Werder-Heimspiele finden im Weserstadion ohne Publikum statt. Konzerte in der ÖVB-Arena gibt es schon seit Monaten nicht mehr. Gleiches gilt für Messen und Kongresse, deren Besucher, zumeist Geschäftsleute, in den Hotels sonst verlässlich für eine hohe Auslastung gesorgt haben.

Auch Übersee-Museum hoffte auf bessere Besucherzahlen

Ähnlich wie das Universum hatte auch das Übersee-Museum Ende des Jahres noch auf bessere Besucherzahlen gehofft. Die Sonderausstellung „Junge Wilde – Tierisch erwachsen werden“ Ende Oktober hätte größeres Interesse wecken sollen, aber schon nach einer Woche war aufgrund der neuen Corona-Verordnung wieder Schluss.

Den halben März, den kompletten April und die erste Mai-Woche hatten Museen nicht öffnen dürfen. Als es dann nach dem ersten Lockdown eingeschränkt wieder los gehen durfte, war das Wetter so gut, „dass viele Menschen das Vergnügen im Freien der Kontemplation im Museum vorgezogen haben“, wie Gabriele Müller, Geschäftsführerin des Übersee-Museums, es ausdrückt. Knapp 37.000 Besucher verzeichnete ihr Haus im vergangenen Jahr, sonst sind es mehr als 100.000.

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Zwar rechnet die Tourismusbranche damit, dass auch 2021 ein schwieriges Jahr wird. Andreas Heyer von der Wirtschaftsförderung WFB, zu der die Bremer Touristik-Zentrale gehört, spricht von einem „Übergangsjahr“. Aber trotzdem blickt man nach vorne. Der Bremer Dehoga-Chef Pauls wünscht sich von der Politik möglichst schnell eine Öffnungsperspektive. Auch Ursula Carl wirbt dafür: „Für einen erfolgreichen Restart brauchen wir nun verlässliche Daten und Rahmenbedingungen“, sagt die Vorsitzende des Verkehrsvereins Bremen, „die Hotels und Gastrobetriebe haben sehr detaillierte und wirkungsvolle Hygienekonzepte.“ Gleiches gilt für die Museen. Gabriele Müller vom Übersee-Museum: „Wir öffnen, wenn wir es dürfen. Wir sind vorbereitet und stehen parat.“

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Inseln kommen etwas glimpflicher davon

Auch in Niedersachsen sind die Gästezahlen im abgelaufenen Coronajahr 2020 massiv eingebrochen. Allerdings sind die Regionen unterschiedlich stark betroffen. Die größten Einbußen mussten die Städte hinnehmen. Die Region Hannover-Hildesheim sowie Braunschweig und sein Umland hatten laut Auswertung des Statistischen Bundesamtes nur halb so viele Gäste wie in den Vorjahren.

Etwas besser sah es an der Nordseeküste aus. Der Rückgang auf den ostfriesischen Inseln lag bei 30 Prozent, für das restliche Ostfriesland waren es 36 Prozent weniger. Insgesamt gingen die Gästezahlen in Niedersachsen im Jahr 2020 um 43 Prozent von 15,4 Millionen auf 8,7 Millionen Besucher zurück. Die Zahl der Übernachtungen sank um 35 Prozent von 46,2 Millionen auf knapp über 30 Millionen.

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