Corona-Tagebuch - Tag 12

Wenn es Megabits regnet

Warum alle Klagen über das angebliche digitale Entwicklungsland Deutschland in der Familie plötzlich verstummt sind - und wie sich Altbauten mit neuen Technologien vertragen.
27.03.2020, 20:28
Lesedauer: 1 Min
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Wenn es Megabits regnet
Von Philipp Jaklin
Wenn es Megabits regnet

Unser Autor Philipp Jaklin erzählt in seinem "Corona-Tagebuch" davon, wie seine Familie den Alltag in Zeiten der Pandemie-Krise zu meistern versucht.

Schulen und Kitas sind geschlossen, Eltern ins Homeoffice verbannt – über den Härtetest des Pandemie-Alltags in der Großfamilie mit vier Kindern (6, 10, 13 und 15 Jahre).

Es gibt lichte Momente, auch in der Coronakrise. Zum Beispiel, wenn das Internet plötzlich auf Warpgeschwindigkeit beschleunigt. Am Vormittag ist es passiert, völlig lautlos, aber mit einem Mal hatte unser Raumschiff die Megabit-Mauer durchbrochen und sich mitten hineinkatapultiert ins 21. Jahrhundert. Dort schwebt es jetzt genügsam vor sich hin. Man merkt an Bord gar nicht, mit welch schwindelerregender Geschwindkeit wir uns fortbewegen.

Die düstere Prognose unseres Internetanbieters hat sich als viel zu pessimistisch erwiesen. Es brauchte nicht die angedrohten vier bis sechs Wochen bis zum ersehnten Bandbreiten-Zuschlag. Wir bekamen auch eine nette Email eines freundlichen Herrn von der Telekom, der diese Kolumne gelesen hatte und seine Hilfe anbot. Kolumnenschreiber sind da sicher privilegiert, aber der freundliche Herr von der Telekom wies darauf hin, dass seine Kollegen insgesamt gerade alles gäben, um Wünsche nach mehr Speed auf dem Datenhighway zu erfüllen. Dass sie ähnlich systemrelevant sind wie etwa die Helden hinter den Supermarktkassen, ist nicht von der Hand zu weisen.

Wir haben auch faszinierende Einblicke gewonnen in die Verstöpselungssituation unseres Hauses. Es ist so: Die Leitung in unsere Wohnung („Teilnehmeranschlussleitung“) gehört der Telekom, die sie aber an eine andere Firma vermietet hat. Noch eine andere Firma verkauft uns das Internet. Klingt nach einer komplizierten Dreiecksbeziehung, aber das stimmt vielleicht gar nicht. In einer konzertierten Aktion der deutschen Telekommunikations-Industrie ist es gelungen, dass der Sendung-mit-der-Maus-Stream, die Facetime-Lateinlerngruppe, die Videokonferenz mit den lieben Kollegen im Büro und die Datenleitung zum Rudertrainer alle gleichzeitig klappen. Deutschland, Du digitales Wunderland!

onlineredaktion@weser-kurier.de

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