Corona-Tagebuch - Tag 21

Gedanken über das Chaos

Was der Wäschekorb mit dem Urknall zu tun hat – und warum es schon mal idealere Zeiten für Karriereberatung gab.
05.04.2020, 19:59
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Gedanken über das Chaos
Von Philipp Jaklin
Gedanken über das Chaos

Unser Autor Philipp Jaklin erzählt in seinem "Corona-Tagebuch" davon, wie seine Familie den Alltag in Zeiten der Pandemie-Krise zu meistern versucht.

WESER-KURIER

Schulen und Kitas sind geschlossen, Eltern ins Homeoffice verbannt – über den Härtetest des Pandemie-Alltags in der Großfamilie mit vier Kindern (6, 10, 13 und 15 Jahre).

In einem deutschen Leitmedium las ich Empfehlungen einer Karriereberaterin, wie sich im Homeoffice die Grenze zwischen Job und Privatleben ziehen lässt. Eine Mutter klagte darüber, dass die Grenzen gerade verschwömmen. Sie könne nicht mehr abschalten. Die Karriereberaterin sprach sich dafür aus, in der Erziehung „nicht alle sonst üblichen Regeln“ aufrechtzuerhalten. Man dürfe jetzt „Fünfe gerade sein“ lassen. Zwar bräuchten Kinder weiterhin „feste Strukturen“. Aber es dürfe aktuell auch mal etwas liegenbleiben. Zum Beispiel die Bettwäsche, die müsse nicht zwingend gebügelt sein.

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Gute Idee. Wir unterlassen unverzüglich das Bettwäschebügeln. Ich kann mich nicht erinnern, unser Plätteisen und die Bettwäsche auch nur gedanklich jemals in irgendeiner Nähe zueinander bemerkt zu haben. Umso mehr Charme hätte es als kleine Übung in Autosuggestion: die Riesenberge Bettwäsche für sechs Personen mit einem Schwung Pathos aus dem imaginierten Bügelwäsche-Korb zu kippen und sich aufrecht darüber zu freuen, diesen Quatsch nicht auch noch erledigen zu müssen.

Bei den Regeln haben wir es einfach. Es hält sich sowieso niemand daran. Insofern sehen wir uns als Eltern auch nicht unter Zugzwang, unsere Kinder jetzt mit irgendwelchen Neuerungen zu verunsichern. Ob festsitzendes Chaos aus Sicht einer Karriereberaterin strukturell trägt, ist die Frage. Immerhin gilt Chaos als Ordnungsprinzip des Universums! Was daraus entsteht, verschwimmt vor meinen Augen.

onlineredaktion@weser-kurier.de

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