Corona-Tagebuch - Tag 44

Die Rückkehr des Knochens

Warum Retrohandys plötzlich ein Comeback erleben - und wieso sich damit kommunizieren lässt wie bei den Milliardären.
15.05.2020, 22:31
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Die Rückkehr des Knochens
Von Philipp Jaklin
Die Rückkehr des Knochens

Unser Autor Philipp Jaklin erzählt in seinem "Corona-Tagebuch" davon, wie seine Familie den Alltag in Zeiten der Pandemie-Krise zu meistern versucht.

WESER-KURIER

Schulen und Kitas im Notbetrieb, Eltern ins Homeoffice verbannt – über den Härtetest des Pandemie-Alltags in der Großfamilie mit vier Kindern (6, 10, 13 und 15 Jahre).

Die Familie sucht sich immer neue Herausforderungen. Hoch im Kurs bei unseren Teenies steht neuerdings die Klapphandy-Challenge, wahlweise Nokiaknochen-Challenge genannt. Die Regeln dieses Wettbewerbs sind einfach. Es geht darum, seine Sim-Karte in ein möglichst vorsintflutliches Mobiltelefon einzulegen. Das Smartphone wird stillgelegt und aus dem Verkehr gezogen. Kommunikation mit den Freundinnen findet per SMS statt, oder man telefoniert tatsächlich. Wer am längsten durchhält, hat gewonnen.

So schnell kann es gehen, dass sich Faszination der Technik aus ihrem nostalgischen Charme speist. Unsere Tochter machte die elektrisierende Entdeckung, dass in dem vor einigen Jahren bei einem Kaffeeröster gekauften 20-Euro-Handy ein analoges Radio eingebaut ist. Eine funktionierende Dampfmaschine im Gerät hätte sie kaum weniger verblüfft. Aber der technologische Sprung zurück in die „Nullerjahre“ kommt für ihre Generation schon einer Zeitreise in eine längst versunkene Ära gleich.

Vorsintflutliche Mobiltelefone scheinen sich zu einem breiteren Trend zu entwickeln. Einflussreiche Menschen auf beliebten Internet-Portalen propagieren das Klapphandy gerade als coolstes Ding der Hemisphäre. Das hat ganz sicher eine Menge mit Corona zu tun. Wobei man dem Klapphandy fairerweise zugute halten muss, dass es seit seiner Premiere im Jahr 1996 nie ganz aus der Blickfläche verschwunden ist. Dem Vernehmen nach benutzt Warren Buffett heute noch eins, und der gehört immerhin zu den reichsten Menschen der Welt. Er muss nicht mal seine Aktienkurse checken. Er hat jemanden, den er anrufen kann.

onlineredaktion(at)weser-kurier.de

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+