Corona-Tagebuch - Tag 49

Zur Ehrenrettung des Schlauchboots

Warum es ungerecht wäre, luftgefüllte Wasserfahrzeuge jetzt unter Generalverdacht zu stellen - und was Familienväter bei der Navigation beachten sollten.
02.06.2020, 20:33
Lesedauer: 1 Min
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Zur Ehrenrettung des Schlauchboots
Von Philipp Jaklin
Zur Ehrenrettung des Schlauchboots

Unser Autor Philipp Jaklin erzählt in seinem "Corona-Tagebuch" davon, wie seine Familie den Alltag in Zeiten der Pandemie-Krise zu meistern versucht.

Schulen und Kitas im Notbetrieb, Eltern ins Homeoffice verbannt – über den Härtetest des Pandemie-Alltags in der Großfamilie mit vier Kindern (6, 11, 13 und 15 Jahre).

Die Erfindung des Schlauchbootes wird mehreren Menschen zugeschrieben. Einer von ihnen ist der gebürtige Bremerhavener Albert Meyer. Zusammen mit seinem Vater Hermann Meyer bastelte er der Legende nach in der Familienküche in Berlin den ersten deutschen Prototypen eines luftgefüllten Bootes mit Gummiboden. Ihr „aufblasbares Wasserfahrzeug“ ließen sich die Meyers sogar patentieren. An Techno-Partys auf dem Landwehrkanal dachten sie damals bestimmt nicht. Sondern eher daran, möglichst viele Rettungsboote verkaufen zu können. Schließlich war kurz zuvor, im Jahr 1912, die „Titanic“ untergegangen.

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Ist das Schlauchboot nach den Ereignissen am vergangenen Wochenende in Kreuzberg nun diskreditiert? Damit wäre dieser demokratischsten aller Barken sicherlich Unrecht getan. Denn für alle anderen Einsatzzwecke als Techno-Partys auf dem Landwehrkanal ist sie, unter Einhaltung aller geltenden Regeln im Kampf gegen die Pandemie, hervorragend geeignet. Schlauchboote kosten nicht viel, sind erfreulich schnell aufgepustet und beachtlich seetüchtig. Ein französischer Arzt überquerte darin sogar mal den Atlantik.

Corona schließt die letzten Lücken in der Gefolgschaft dieses Gummi-Nachens. Wer noch kein Schlauchboot hat, kauft sich offenbar gerade eines. Bestimmte Modelle sind bei einem bekannten Online-Händler nur mit quälend langer Wartezeit zu haben. Nur von einer Atlantiküberquerung würde ich, nach den Erfahrungen des familiären Schlauchboot-Ausflugs an Pfingsten, eher abraten. Jedenfalls, wenn man auf die mitgelieferten Steck-Skulls angewiesen ist, um dieses einigermaßen schwerfällige Gefährt in Bewegung zu setzen. Aber bis zur nächsten Bootstour am Wochenende sollte allemal genug Zeit sein, die muskulären Folgen auszukurieren.

onlineredaktion@weser-kurier.de

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