Reiserückkehrer in Corona-Zeiten

Wie die Testpflicht am Bremen Airport funktioniert

Ab diesem Freitag können sich Reiserückkehrer aus Risikogebieten direkt am Bremen Airport auf das Coronavirus testen lassen - noch freiwillig. Nächste Woche kommt die Testpflicht. Fragen und Antworten dazu.
30.07.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Wie die Testpflicht am Bremen Airport funktioniert
Von Sabine Doll
Wie die Testpflicht am Bremen Airport funktioniert

So wie hier auf dem Flughafen Hannover werden auch in Bremen am Freitag Covid-19-Test-Stationen eingerichtet.

Peter Steffen

In der kommenden Woche soll die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus internationalen Risikogebieten deutschlandweit scharf geschaltet werden. Das konkrete Datum steht laut Bundesgesundheitsministerium noch nicht fest. Das Angebot freiwilliger Tests gibt es bereits, auch in Bremen. Rückkehrer aus Risikogebieten müssen sich zudem beim Ordnungsamt melden und sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben – diese kann durch einen negativen Corona-Test abgekürzt werden. Bundesweit werden in diesen Tagen Zentren an Flughäfen für die verpflichtenden Tests eingerichtet.


Wann und wo wird die Teststation am Bremer Flughafen eingerichtet?

„An diesem Freitag werden zwei Teststraßen in Terminal 1 im Bereich der Gepäckausgabe in Betrieb gehen“, sagt eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde. Betreiber ist das Gesundheitsamt, neben Personal für die Abstriche werden auch sogenannte Containment-Scouts des Gesundheitsamts vor Ort sein, sie erfassen die Daten der Rückkehrer. Zwei Teams à vier Personen sollen in Vier-Stunden-Schichten vor Ort sein. Ab nächster Woche ist eine weitere Teststation – ausschließlich für Maschinen aus Risikogebieten – in Terminal 2 geplant. „Das Sicherheitspersonal des Flughafens berät bei den Testungen und überwacht die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen. Die Bundespolizei ist in Amtshilfe tätig“, so die Sprecherin. „Bis die Anordnung zu den verpflichtenden Tests aus dem Bundesgesundheitsministerium Gültigkeit erlangt, setzen wir darauf, dass sich Einreisende aus Risikogebieten freiwillig testen lassen.“ Die Tests für Reisende aus Risikogebieten sind laut Behörde kostenfrei.

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Wie viele Reiserückkehrer, die per Flugzeug in Bremen landen, werden sich testen lassen müssen?

Die Behörde geht von etwa 1000 Passagieren pro Woche aus, die per Direktflug aus einem Risikogebiet in Bremen landen – aktuell gibt es solche Direktflüge einzig aus der Türkei. Dazu kommen Passagiere, die über Drehkreuze wie die Flughäfen in Frankfurt am Main oder München aus Risikogebieten nach Bremen weiterfliegen. „Die Passagiere aus diesen Maschinen werden befragt, aus welchem Land sie kommen“, so die Sprecherin der Gesundheitsbehörde.


Wie viel Zeit müssen die Reisenden für den Corona-Test einplanen?

„Der Test, bei dem mit einem Wattestäbchen die Rachenschleimhaut abgestrichen wird, dauert inklusive Datenerfassung pro Person etwa drei Minuten“, sagt die Sprecherin. Mit Wartezeiten müsse allerdings gerechnet werden.


Wie lange dauert es, bis das Testergebnis da ist?

Laut Gesundheitsbehörde soll das Laborergebnis innerhalb von 24 Stunden telefonisch mitgeteilt werden – bis dahin müssen sich die Betroffenen in Quarantäne begeben. „Und zwar unverzüglich nach dem Test“, betont die Sprecherin.

Zählt auch ein Test, der im Urlaubsland gemacht wurde?

Einreisende aus Risikogebieten können ein negatives Testergebnis beziehungsweise ein entsprechendes Attest vorlegen. Allerdings gibt es eine Frist: „Der Test darf höchstens 48 Stunden vor der Einreise durchgeführt worden sein“, heißt es auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts (RKI). Diese freiwilligen Tests müssen allerdings selbst gezahlt werden.

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Können sich auch Reisende, die nicht aus einem Risikogebiet kommen, testen lassen?

Grundsätzlich ist dies laut Behörde für alle Reisende, die per Bahn, Auto, Bus oder Flugzeug kommen, innerhalb von 72 Stunden in der Corona-Ambulanz in der Messe Bremen (Bürgerweide) möglich. Dafür genüge ein Anruf beim Bürgertelefon 115.


Was ist mit Rückkehrern aus Risikogebieten, die mit Auto, Bus oder Bahn einreisen?

Auch dann gilt bereits jetzt: Meldepflicht beim Ordnungsamt, 14 Tage Quarantäne und/oder negatives Testergebnis. Die demnächst verpflichtenden Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten sollen auch an Seehäfen gelten. Und auch für Reisende, die per Auto oder mit dem Zug aus Risikogebieten nach Deutschland kommen, soll die Testpflicht gelten. In dem Beschluss der Gesundheitsminister heißt es dazu, dass es „stichprobenhafte Kontrollen“ an den Grenzübergängen geben soll; an einigen ausgewählten Standorten sollen auch direkt Tests möglich sein. Fluggesellschaften, Reedereien, Bahn- und Busbetreiber sollen verpflichtet werden, mehrsprachige Infoblätter zu verteilen.


Wie viele Reiserückkehrer aus Risikogebieten haben sich bislang freiwillig beim Ordnungsamt gemeldet?

Vom 1. bis 15. Juli haben sich laut Gesundheitsbehörde 218 Einreisende selbst gemeldet. Die meisten kamen der Statistik zufolge aus der Türkei (90), Schweden (25) und den USA (16). Seit dem 16. Juli wurden bislang 123 Selbstmelder erfasst. Als Grund für einen Rückgang der Meldungen vermutet die Behörde, dass sich einige Rückkehrer womöglich bereits im Ausland haben testen lassen. Manche der Selbstmelder kämen aus Nichtrisikogebieten wie etwa den Niederlanden. „Entweder sind sie dort mit einem anderen Flug aus einem Risikogebiet angekommen oder sie haben sich nur vorsichtshalber gemeldet, da sie die Rechtsverordnung nicht genau kannten und nichts falsch machen wollten“, heißt es aus der Behörde.

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Was droht Rückkehrern aus Risikogebieten, die sich nicht beim Ordnungsamt melden?

„Wer sich nicht beim Ordnungsamt meldet und sich zum Beispiel einfach zu Hause in Quarantäne begibt, zahlt zwischen 50 und 200 Euro Bußgeld“, heißt es aus der Gesundheitsbehörde. Und: „Wer sich weder testen lässt, noch in Quarantäne begibt, zahlt zwischen 300 und 3000 Euro.“ Zahlen dazu liegen der Behörde nicht vor. Wenn überhaupt seien dies bislang eher Einzelfälle, bei denen diese Ordnungswidrigkeiten bekannt geworden und sanktioniert worden seien.


Welche Länder sind Risikogebiete?

Das Robert-Koch-Institut führt eine entsprechende Liste, aktuell stehen weltweit mehr als 100 Staaten darauf (www.rki.de). Das einzige EU-Land auf der Liste – Stand Mittwochabend – ist derzeit Luxemburg. Allerdings kann sich dies jederzeit ändern. Ausschlaggebend für die Einstufung als Risikogebiet sind laut Robert-Koch-Institut die Zahl der Neuinfizierten pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen in einem Land – wenn sie höher als 50 ist – sowie die geltenden Schutzmaßnahmen.

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