Sitzung der Gesundheitsdeputation

Bremen will Corona-Tests ausweiten

Der Bremer Senat hat eine neue Strategie mit Stichproben in Schulen und Kindergärten beschlossen. Insgesamt sollen mehr Personen auch ohne Symptome die Möglichkeit bekommen, sich auf Corona testen zu lassen.
17.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremen will Corona-Tests ausweiten
Von Timo Thalmann
Bremen will Corona-Tests ausweiten

Mit einer erneuerten Teststrategie wird die Corona-Ambulanz in den Messehallen wieder mehr Arbeit bekommen.

Frank Thomas Koch

Bremen will die Zahl der Coronatests deutlich erhöhen. Das ergibt sich aus der am Dienstag vom Senat beschlossenen Teststrategie, die Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) vorgestellt hat. Der Beschluss sieht mehr präventive Tests als bislang vor. So sollen vor allem Personen ohne Symptome im Umfeld von Erkrankungen verstärkt getestet werden können.

Speziell Gemeinschaftseinrichtungen wie Pflegeheime, aber auch Schulen und Kindergärten habe man dabei im Blick, sagte die Senatorin. „Wir haben in diesem Bereich aber auch bislang schon über die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts hinaus vorbeugend getestet“, erläuterte sie die Strategie in der Sitzung der Gesundheitsdeputation am Dienstag. Insofern sei das kein neues Vorgehen, sondern man habe einfach mal „aufgeschrieben, wie wir unsere Maßnahmen an den Verlauf der Corona-Pandemie anpassen“.

Tests stellen neue Qualität dar

Gleichwohl konnten die Deputierten schwarz auf weiß nachlesen, dass vermehrte Tests von Personen ohne Symptome eine neue Qualität darstellen. Denn auf der Tagesordnung der Sitzung standen Anfragen der CDU- und FDP-Fraktion zum Stand der Corona-Bekämpfung und der Nachverfolgung von Infektionsketten aus dem Mai dieses Jahres. In den noch vor dem jetzigen Senatsbeschluss vom Gesundheitsressort übermittelten Antworten heißt es ausdrücklich. „In der Regel wird keine Kontaktperson zu einem bestätigten Fall getestet, solange sie symptomfrei ist.“ Und in Bezug auf vermehrte Infektionsfälle im Krankenhaus Links der Weser werden „regelmäßig und flächendeckende“ Tests des Personals abgelehnt. Die Geno als städtischer Krankenhausbetrieb teste zwar umfangreich und ständig, heißt es weiter, jedoch immer nur dann, wenn es einen konkreten Anlass gibt, sprich: Wenn der Verdacht auf eine Infektion vorliegt.

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Mit der neuen Strategie wird diese Bedingung nun deutlich aufgeweicht: In den Kliniken im Land Bremen sollen nun bei stationären Aufnahmen sowie bei wechselnden Aufenthalten in Krankenhäusern und stationären Einrichtungen alle Patientinnen und Patienten getestet werden, unabhängig von Symptomen. Auch bei Aufnahmen und wechselnden Aufenthalten in Pflegeeinrichtungen erfolgen nun Testungen der aufgenommenen Bewohnerinnen und Bewohner. Bislang waren hier ohne Tests entsprechende Quarantänezeiten vorgesehen und alle Neuankömmlinge wurden zunächst isoliert.

Noch weiter gehen Stichproben-Tests, die jetzt sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch in Schulen und Kindergärten angeboten werden sollen. Dabei steht nicht der konkrete Schutz von Personal und Schutzbefohlenen im Vordergrund, sondern statistische Erhebungen zur Verbreitung des Virus. „Mit dem inzwischen gesunkenen Infektionsgeschehen, können wir uns solche Tests erlauben“, sagte Bernhard.

Die Testkapazitäten in Bremen bezifferte sie auf nunmehr rund 1600 pro Tag, die derzeit aber nicht voll ausgeschöpft werden. Die genauen Rahmenbedingungen für die Stichproben würden derzeit mit dem Sozial- und Bildungsressort abgestimmt. Ähnliche Stichproben werden zudem in allen Bundesländern geplant, um ein genaueres Bild des Infektionsgeschehen zu erhalten. „Sicher ist nur, dass jeder Test selbstverständlich freiwillig erfolgt“, betonte Bernhard. Wer sich ohne Symptome nicht testen lassen wolle, könne nicht gezwungen werden.

CDU will aufgeschlüsselte Infektionszahlen für Stadtteile

Nachfragen aus der Gesundheitsdeputation gab es zum Umgang mit den Testergebnissen und der Statistik. So wünschte sich die CDU nach Stadtteilen aufgeschlüsselte Infektionszahlen für Bremen. „Die immer wieder vorgebrachten datenschutzrechtlichen Vorbehalte bei anonymisierten Zahlen kann ich nicht recht nachvollziehen“, sagte Wiebke Winter (CDU). Das Problem seien vor allem dünn besiedelte Randbereiche, erläuterte Martin Götz, Leiter des Referats Infektionsschutz im Gesundheitsressort.

Er verwies in der Deputationssitzung aber noch auf einen anderen Aspekt. Die Behörde erfasse und analysiere die Daten allein zum Zweck der Bekämpfung der Pandemie. „Ob dabei stadtteilbezogene Auswertungen helfen, ist fraglich.“ Bernhard machte zugleich deutlich, dass diese Analyse intern vorliegt und es darin keine besonderen Auffälligkeiten gibt. „Die Infektionen sind ziemlich gleichmäßig übers Stadtgebiet verteilt.“

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