Corona-Test in Heimen

Gesundheitsamt Bremen beginnt mit präventiven Tests in Pflegeheimen

Das Gesundheitsamt erhebt den Stand zu verdeckten Infektionen. Die Abstriche können so Erkenntnisse mit Blick auf eine mögliche zweite Welle im Herbst liefern.
17.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Gesundheitsamt Bremen beginnt mit präventiven Tests in Pflegeheimen
Von Sabine Doll

Das Gesundheitsamt hat in dieser Woche damit begonnen, Beschäftigte und Bewohner in Pflegeeinrichtungen auf das Coronavirus zu testen. „Dabei handelt es sich um präventive Testungen, wir wollen einen aktuellen Stand bekommen, ob es eine mögliche Dunkelziffer an Infektionen in den Einrichtungen der Altenpflege gibt“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). Die Tests finden nach Angaben des Sprechers auf freiwilliger Basis statt. Die Einwilligung der Betroffenen sei Voraussetzung, niemand werde ohne sein Einverständnis getestet.

Abstriche seit Montag in vier Pflegeeinrichtungen

Fuhrmann: „Seit Montag waren Teams des Gesundheitsamts bislang in vier Pflegeeinrichtungen vor Ort, um Abstriche zu nehmen.“ Die Tests würden im Anschluss an ein Labor zur Auswertung geschickt. Die ersten Ergebnisse liegen bereits vor: Von 105 Abstrichen bei Bewohnern fielen 87 negativ aus, das Coronavirus wurde demnach nicht nachgewiesen. Für die übrigen Tests liegen laut dem Behördensprecher noch keine Erkenntnisse aus den Laboren vor. Außerdem hätten sich bislang 51 Beschäftigte aus den vier Heimen für einen Abstrich gemeldet und seien dafür vom Gesundheitsamt in die Corona-Ambulanz in der Messe Bremen überwiesen worden. Die Ergebnisse lagen am Donnerstagabend noch nicht vor.

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In einem ersten Durchlauf sollen in den kommenden Wochen Bewohner und Beschäftigte in 33 Pflegeeinrichtungen in der Stadtgemeinde Bremen getestet werden, dies sei gut ein Drittel der Heime. In den vergangenen Wochen war es in Einrichtungen zu Ausbrüchen gekommen. Fuhrmann: „Ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko für schwere und lebensbedrohliche Krankheitsverläufe, wenn sie sich mit dem Coronavirus infizieren. Der Altersdurchschnitt der Menschen, die in Bremen im Verlauf einer Covid-19-Erkrankung gestorben sind, liegt nach der bisherigen Statistik des Gesundheitsamts bei 80 Jahren.“

Die präventiven Tests sind nach Angaben des Behördensprechers möglich, weil sich die Infektionszahlen in Bremen seit einiger Zeit auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau bewegten, dadurch gebe es freie Kapazitäten sowohl beim Gesundheitsamt als auch in den Laboren. „In der Corona-Ambulanz werden zwar immer noch täglich etwa 100 Abstriche genommen, maximal wären 200 möglich“, so der Sprecher.

Vorbereitung auf möglichen Anstieg

Auch wenn die Abstriche nur eine Momentaufnahme lieferten, sollen sie auch Erkenntnisse mit Blick auf eine mögliche zweite Infektionswelle im Herbst liefern. Fuhrmann: „Wären etwa 40 bis 50 Prozent der Tests positiv, würden Hygieneberatungen in den Einrichtungen noch einmal intensiviert. Wir bereiten uns unter anderem mithilfe dieser Test- und Präventionsstrategie auf einen möglichen Anstieg der Infektionszahlen vor.“ Während der Pandemie seien alle Pflegeeinrichtungen von Teams des Gesundheitsamts aufgesucht, begangen und beraten worden – teilweise auch mehrfach. Dazu gehörten auch Einrichtungen der Eingliederungshilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe.

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Mit den präventiven Tests in den Pflegeheimen ist ein weiteres Ziel verbunden, wie Bernd Schneider, Sprecher von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) betont. „Sie können uns unter anderem Erkenntnisse darüber liefern, wie künftig mit Besuchsregelungen umgegangen werden könnte. Derzeit gelten recht strenge Vorgaben, die aufgrund des Risikos und der bisherigen Infektionszahlen begründet sind, aber auch einen tiefen Eingriff in die Grundrechte von Bewohnern und Angehörigen darstellen.“ Denkbarer Effekt sei, dass Besuchsregeln mit einem anderen Blick betrachtet werden könnten.

Um verlässliche Erkenntnisse zu verdeckten Infektionen zu bekommen, sollen nach Angaben des Sprechers möglichst zehn Prozent der Bewohner und der Beschäftigten getestet werden. Ob in allen Pflegeeinrichtungen in der Stadt Bremen – aktuell knapp 90 – präventiv getestet wird, hängt auch von der weiteren Entwicklung des Infektionsgeschehens ab. „Die Sozialsenatorin hat früh gesagt, dass sie es ideal fände, wenn überall dort getestet würde, wo Menschen eng zusammenleben – möglichst auch mehrfach“, so Schneider. Gesundheitspolitisch sei dies aber nicht machbar. Die ersten 33 Heime wurden laut Schneider per Zufallsprinzip ausgewählt. Pro Postleitzahlen-Bereich sei eine Einrichtung ausgewählt worden.

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